Imponiergehabe

Auch wenn ich seit fast zwei Monaten im Homeoffice sitze, kann ich dennoch Gruselgeschichten vom öffentlichen Personennahverkehr erzählen. Zur Post und zum Supermarkt muss ich schließlich auch mit dem Bus fahren.

Als ich am Freitag Nachmittag vom Postholen heimfuhr, sah sich der junge Busfahrer an einer Haltestelle von einem PKW behindert, der in der Busbucht hielt. Der Busfahrer schaffte es trotzdem, sein Gefährt so in die Bucht zu schlängeln, dass die Fahrgäste aus- und einsteigen konnten.

Busfahrer bremst, Fahrgäste fallen

Beim Wegfahren hupte er den PKW-Fahrer kurz an und zog dann an ihm vorbei. Der Autofahrer hupte wild zurück. Ob er darüberhinaus noch unanständige Gesten gemacht hat, konnte ich nicht sehen. Ich nehme es aber stark an. Der Busfahrer stieg nämlich volle Kanne in die Eisen. Fahrgäste, die nicht mit einer Vollbremsung gerechnet hatten und sich nur für eine normale Fahrt festgehalten hatten, rutschten von den Sitzen und purzelten wild durcheinander. Eine Frau, die im Gang gestanden hatte, stürzte in ihren Kinderwagen. Eine andere fiel flach auf den Rücken und stieß sich heftig den Kopf. Sie stöhnte und wimmerte und musste sich von anderen Fahrgästen aufhelfen lassen.

Der Busfahrer zückte unterdessen sein Handy, sprang aus dem Fahrzeug und machte Fotos von dem PKW und dessen wütendem Fahrer. Dann stieg er wieder ein und fuhr weiter, als sei nichts geschehen. Keine Entschuldigung, kein „Sorry, das war jetzt leider notwendig!“ Das hätte zwar nicht gestimmt, aber es wäre eine Geste gewesen. Er fragte auch nicht: „Ist jemand verletzt? Soll ich einen Krankenwagen rufen? Nein, nichts. Da kam kein Muh und kein Mäh. 

Das sind Menschen, keine Heuballen!

Dass die Leute sich selbst, ihre Knochen und ihre Habseligkeiten sortierten, war dem Fahrer offenbar vollkommen egal. Er hatte sein Revier markiert und dem unbotmäßigen Autofahrer gezeigt, wo der Frosch die Locken hat. 

Ich bin ziemlich sicher, dass er mit den Fotos rein gar nichts unternimmt. Das war nur Show. Seinem Ego ging’s danach wieder gut, das war die Hauptsache. Verschreckte und verletzte Fahrgäste? Wurscht. Kollateralschaden.

Hallo? Die Busfahrer transportieren Menschen, keine Heuballen! Wenn der verletzte Stolz des Fahrers wichtiger ist als die körperliche Unversehrtheit der Fahrgäste, stimmt irgendwas nicht mit den Prioritäten.

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