Charly Art: Moonlight Wolves. Das Geheimnis der Schattenwölfe, Band 1 (10 – 14 J.)

Charly Art: Moonlight Wolves. Das Geheimnis der Schattenwölfe, Band 1 (10 – 14 J.), Stuttgart 2019, Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN 978-3-440-16560-7, Hardcover, 352 Seiten, Format: 15,3 x 3,6 x 21,7 cm, Buch: EUR 14,99, Kindle: EUR 9,99.

Abb.: (c) Kosmos

Es ist unfassbar: Der Autor, Jahrgang 2003, war gerade mal 12 Jahre alt, als er angefangen hat, sich die Wolfsabenteuer auszudenken. Und es ist nicht nur bei ein paar Storys geblieben: Es wurden (bislang) zwei umfangreiche Jugendbücher daraus  – mit einer Unmenge Figuren und einer komplexen Kultur. Das ist eine Leistung!

In der Welt, die der junge Autor ersonnen hat, müssen auch Wolfswelpen in eine Art Internat, um alles zu lernen, was ein Rudelmitglied wissen muss. Doch das Wächtergebirge, in dem der Nachwuchs sämtlicher Rudel geschult wird, ist kein „Hogwarts“ und keine „Burg Möwenfels“. Da geht’s ums nackte Überleben.

Die Welpen des Eis-, des Blut- und des Wüstenrudels haben schon mal eine ziemliche unbequeme Anreise auf einer Eisscholle. Unterwegs sammeln sie noch zwei gestrandete Mitglieder des Küstenrudels auf – die einzigen Überlebenden einer anderen anreisenden Schülergruppe.

Plötzlich Alphawelpe

Hauptfigur ist der Wolfswelpe Tamani aus dem Eisrudel. Er ist ein bisschen kleiner und mickriger als die anderen. Alphawelpe seines Wurfs ist sein Bruder Talon. Doch dann schlägt das Schicksal zu, und auf einmal ist Tamani der Chef – nicht nur von seinen Geschwistern, sondern von der kompletten Reisegesellschaft. Das kann er zunächst gar nicht fassen. Shira, der klugen Jungwölfin aus dem Blutrudel, mit der ihn eine innige Freundschaft verbindet, hätte er diese Position eher zugetraut als sich selbst. Aber seine Kameraden haben sich für ihn entschieden, und Wächter Graupelz, ihr charismatischer Ausbilder, belässt es nach ihrer Ankunft dabei. 

Die Wölfchen von der Eisscholle werden zur „Meeresgruppe“ ernannt und Tamani ist ihr Alphawelpe. Sie schließen Freundschaften, sie jagen, sie fischen, sie kämpfen und lernen die heiligen Regeln. Tamani hätte eine tolle Schulzeit, wenn nur zwei Dinge nicht wären:

  1. Wächterwolf Mitternacht, der ihn vom ersten Moment an nicht ausstehen kann und seine Meeresgruppe und ihn schikaniert, wo er nur kann. Als Graupelz es nicht mitkriegt, lässt er  die Gruppe sogar längere Zeit hungern.
  2. Die Bedrohung durch die Schattenwölfe. Das sind schon ein paar fiese Gesellen! „Sie glauben nicht an das Rudel der ewigen Jagd, sondern an die ewigen Schatten. (…) Sie wollen das Wächtergebirge erobern, denn sie denken, wenn hier keine Jungwölfe mehr trainiert werden, könnten sie über kurz oder lang die Herrschaft über alle Rudel übernehmen.“(Seite 47).

Die Schattenwölfe rauben sogar Welpen aus anderen Rudeln, weil sie immer die jeweils schwächsten töten und deshalb ein Nachwuchsproblem haben. Das Wüstenrudel kann ein Lied davon heulen: Sie haben eine Schwester an die Schattenwölfe verloren.

Mitleid mit den Feindeswelpen

Die erste kriegerische Auseinandersetzung mit den Schattenwölfen, die Tamani miterlebt, endet damit, dass er fünf ihrer Welpen verschont. Die sind so mager und verängstigt, dass sie ihm leidtun. Damit sie nicht von ihren eigenen „Leuten“ getötet werden, nimmt sie mit zu den Wächtern. Eine Eigenmächtigkeit, die seltsamerweise toleriert wird. Nur Wächter Mitternacht hält das für eine ganz schlechte Idee. Aber der findet ja prinzipiell alles Sch**ße, was Tamani macht.

Ein bisschen selbstherrlich agiert der Kleine ja schon! Nachdem er ein paar merkwürdige Träume von den Schattenwölfen hat und feststellt, dass sie eine irrationale Angst vor ihrem Ausbilder Graupelz haben, kommt er auf die Idee, die Schattenwölfe auszuspionieren. Ein Verbündeter findet sich schnell: Toah, einer der geretteten Schattenwolf-Welpen – ein Schlitzohr und Großmaul vor dem Herrn! Der kann sich aus jeder Situation herauslabern. Die zwei Jungwölfe sind sich einig, machen sich ungefragt davon und begeben sich mit mehr Glück als Verstand auf feindliches Territorium.

Toah hat eine Legende für sie vorbereitet, die kein Schattenwolf zu hinterfragen wagt. Sie grenzt zwar an Größenwahn, aber der gerissene Toah hat auf alles eine Antwort und zerstreut zunächst sämtliche Bedenken.

Eigentlich sind sie ganz normal …

Tamani stellt schnell fest, dass die meisten Schattenwölfe gar nicht so übel sind. Es ist auch nicht immer so brutal bei ihnen zugegangen wie jetzt. Nur sind auf der Führungsebene derzeit ein paar echte Mistkerle zugange. Vielleicht wäre den Schattenwölfen mit einer Revolution geholfen? Aber um die anzuzetteln, sind Toah und Tamani doch ein paar Nummern zu klein. 

Sie haben jetzt auch andere Sorgen: Der Chef des Schattenwolf-Rudels ist misstrauisch geworden und stellt Nachforschungen über sie an an. Wenn rauskommt, dass sie Hochstapler und zudem noch Spione sind, ist alles aus! Vielleicht sollten sie sich so langsam mal vom Acker machen? Tamani fühlt sich sowieso zunehmend unwohl dabei, die sympathischen Mitglieder der Schattenwölfe ständig hinters Licht zu führen. Toah hat da weniger Skrupel.

Schneller als gedacht kommt es zum großen Showdown zwischen den Schattenwölfen und denen vom Wächtergebirge. Spätestens jetzt sollte klar sein, wer auf wessen Seite steht. Ist es aber nicht. Und das ist nicht die einzige Überraschung …

Freundschaft, Treue und Verrat

Die blutigen Kampfszenen, in denen den Tieren das Fell in Fetzen vom Leib hing, habe ich nur quer gelesen. Es ist eine brutale Welt mit rauen Sitten – mehr muss ich nicht wissen. Spannender fand ich die Freund- und Feindschaften, Treue und Verrat, die wechselnden und auch mal unklaren Loyalitäten. Auch Machtmissbrauch spielt eine Rolle. 

Was immer auch im Lehrplan der Wächter gestanden hat: Tamani hat auf jeden Fall gelernt, dass die Welt nicht streng in gut und böse eingeteilt werden kann, sondern dass es da diverse Schattierungen gibt. Auch er ist kein Engel und trifft manchmal zweifelhafte Entscheidungen.

Es ist eine Fantasy-Welt, da kann ich damit leben, dass Tieren menschliche Gefühle zugeschrieben werden. Wer  im Lauf von Jahrzehnten schon –zig Fantasyromane gelesen hat, wird natürlich sagen, dass die Story vom Auserwählten nicht neu ist. Und dass das hier bisschen ist wie Harry Potter mit Wölfen. Aber okay – altgediente Fantasyfreunde, die den Markt schon leergelesen haben, sind hier auch nicht die Zielgruppe. Die jungen Leser*innen wird es nicht stören, dass andere Autor*innen ähnliche Themen schon aufgegriffen haben. Sie werden Tamanis Geschichte spannend und ungewöhnlich finden, vielleicht auch ein bisschen gruselig und brutal – und sie werden wissen wollen, wie es mit ihm, seinen Freunden und den Schattenwölfen weitergeht. Der Folgeband heißt MOONLIGHT WOLVES – DAS RUDEL DER FINSTERNIS.

Mit hilfreichem „Wolfsregister“

Sehr dankbar war ich für die Namensliste im vorderen Teil des Buchs samt Zuordnung der Wölfe zu ihrem jeweiligen Rudel. Es ist nicht so leicht, sich die vielen ungewöhnlichen Namen zu merken und im Blick zu behalten, wer mit wem verwandt ist. Das ist aber mitunter wichtig und ich habe öfter mal in diesem hilfreichen „Wolfsregister“ nachgeschlagen. Ich hoffe, das gibt es auch beim zweiten Band.

Der Autor

Charly Art wurde 2003 in Oberbayern geboren. Er wohnt in der Nähe von Würzburg. In seiner Freizeit ist er neben dem Schreiben und Lesen am liebsten im Wald mit Freunden und seinen Hunden unterwegs. Seine besonderen Interessen sind: alles was mit Tieren und Natur zu tun hat, Schnitzen und Parkour. Schon in der Grundschule, begann er erste Geschichten zu schreiben. Im Alter von 12 Jahren hat er begonnen „Moonlight Wolves – Das Geheimnis der Schattenwölfe“ zu schreiben. Es ist sein erster Jugendroman. www.charlyart.de

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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