Frida Skybäck: Schattenmädchen. Ein Fall für Fredrika Storm, OT: Skuggvarg, aus dem Schwedischen von Julia Gschwilm, München 2026, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26457-0, Klappenbroschur, Format: 13,6 x 3,2 x 21 cm, Buch: EUR 17,00, Kindle: EUR 12,99, auch als Hörbuch erhältlich.

„Fredrika betrachtete das Spektakel vom Fenster aus. Sie konnte nicht begreifen, was diese Menschen antrieb. Bei so viel Ungerechtigkeit in der Welt war es ausgerechnet das, wofür sie sich einsetzten – für einen Tech-Unternehmer, der eines Gewaltverbrechens verdächtigt wurde.“
(Seite 171)
Unwissentlich habe ich hier Band 3 einer Reihe erwischt und konnte mir erst im Verlauf der Geschichte ein bisschen etwas über die Hauptfiguren zusammenreimen. Kommissarin Fredrika Storm von der Kripo im südschwedischen Lund dürfte in ihren Dreißigern sein. Sie scheint privat und beruflich eine unerfreuliche Vorgeschichte zu haben. Auch ihr Kollege Henry Calment hat familiäre Probleme. Er ist umfassend gebildet, aber derzeit ziemlich geistesabwesend.
Studentin nach Firmenfeier verschwunden
Gerade ermitteln sie in einem Vermisstenfall: Die Soziologiestudentin Isabelle Karlsson, 25, war am Freitagabend bei der Firmenfeier des Tech-Unternehmens von Martin Zenberg und Richard Paulsson, die kurz vor einem großen Deal stehen. Ob Isabelle eine Einladung hatte oder ob sie sich in die Feier eingeschmuggelt hat, weiß man nicht. Es gibt Fotos von ihr auf der Party, und danach hat sie niemand mehr gesehen.
Ihr Handy ist aus, in ihrem Wohnheimzimmer deutet nichts darauf hin, dass sie verreist wäre. Isabelles Familie ist in heller Aufregung. Die junge Frau ist sehr zuverlässig. Hätte sie ihre Verabredungen am Wochenende nicht einhalten können und wäre sie weggefahren, hätte sie auf jeden Fall vorher Bescheid gesagt.
Weit kommen Fredrika und ihre Kolleg:innen bei ihren Ermittlungen nicht. Die Herren von der Tech-Firma mauern und verschanzen sich hinter ihrem Anwalt. Der Ex-Freund der verschwundenen Studentin weiß wirklich nichts, ihr verhasster Stiefvater ist im Ausland und nicht erreichbar, und ihre Freundin/Kommilitonin Denise Sten erzählt seltsames Zeug. Die Frau ist ein bisschen creepy.
Der Chef hat einen schlechten Ruf
Fredrika Storm verbeißt sich in den Fall. Im Internet kursiert, dass Tech-Chef Zenberg schon zu seinen Studentenzeiten für se*uelle Übergriffe berüchtigt war. Ist das wahr? Und ist es Zufall, dass die Umstände von Isabelles Verschwinden dem Mordfall Petra Olsen von vor 7 Jahren gleichen?
Die Kommissarin setzt einen befreundeten Journalisten auf den Fall an. Weder ihr Chef noch ihr Freund, der Rechtsmediziner Jonas Cheng, dürfen davon wissen – aus unterschiedlichen Gründen.
Der Fall erweist sich als harte Nuss: An die Verdächtigen kommt man nicht ran, Zeugen schweigen aus Angst – manche:r hat was zu verbergen, was gar nichts mit der vermissten Studentin zu tun hat -, und der Mordfall Petra Olsen kann nicht offiziell für die Ermittlungen im Fall Isabelle Karlsson herangezogen werden, weil er als abgeschlossen gilt. Man hat seinerzeit einen jungen Mann für die Tat verurteilt, der stets seine Unschuld beteuert hat. Fredrika nimmt sich die alten Akten trotzdem vor und stößt prompt auf eine Reihe von Ungereimtheiten.
Eine ungeheuerliche Verschwörungstheorie
Fakt ist: Solange niemand den Mund aufmacht, wird keiner erfahren, wer damals wirklich für Petra Olsens Tod verantwortlich war und was mit Isabelle Karlsson geschehen ist. Zu allem Übel geistert jetzt auch noch eine ungeheuerliche Verschwörungstheorie durch die Medien, die bei näherer Betrachtung gar nicht so absurd ist.
Eine Soziologie-Professorin aus Kommissar Henry Calments Bekanntenkreis bringt die Ermittler schließlich auf eine neue Spur …
Eine sehr überraschende Wendung!
Die überraschende Wendung am Schluss lässt uns Leserinnen und Leser sprachlos zurück. Ja, klar, so ergibt das Sinn! Ich hätte nur gerne genauer gewusst, wie das alles vonstattengegangen ist. Es bleiben wichtige Fragen offen. Auf eine davon fallen mir zwei legale, eine illegale und eine naive Antwort ein. Ich mag’s aber nicht, wenn ich mir die Erklärungen selbst ausdenken muss. Das ist nicht mein Job. Ich bin hier schließlich nur die Leserin! 😉
Schreckliche Verwandtschaft und ein mysteriöser Wolf
Dadurch, dass ich die ersten beiden Bände (SCHWARZVOGEL und EISENBLUME) nicht kenne, war ich mit den Beziehungen und Vorgeschichten der Personen etwas überfordert. Die zahlreichen Angehörigen von Fredrika und Henry sind anscheinend die ganze Zeit damit beschäftigt, sich und andere in Schwierigkeiten zu bringen. Das sind nicht nur normal nervige Verwandte, da geht es düster und dramatisch zu.
Kann mir vielleicht jemand sagen, ob der Wolf, der immer wieder in der Geschichte auftaucht, eine symbolische Bedeutung hat? Oder ist das einfach eine Begegnung, die man dort in sehr ländlichen Gegenden haben kann? Mir hat sich das nicht erschlossen.
Die komplexe Krimihandlung habe ich interessiert verfolgt. Eine sture Polizistin gegen die Reichen, Mächtigen und gut Vernetzten – das hat schon was! Das private Drumherum fand ich aber eher anstrengend. Wer die Reihe von Anfang an verfolgt, mag das anders sehen. Ich als Quereinsteigerin habe das so empfunden.
Die Autorin
Frida Skybäck, 1980 in Göteryd geboren, hat als Autorin längst internationale Bekanntheit erreicht. Sie lebt mit ihrer Familie im südschwedischen Lund, wo ihre Krimiserie um die junge Polizistin Fredrika Storm spielt.
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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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