Bin mal laden …

Alles, was modern, mobil und elektronisch ist, hat einen Nachteil: Es muss irgendwann wieder mit Energie aufgeladen werden. Und schon hat man ein Problem mehr, das es ’žseinerzeit auf den Bäumen’œ noch nicht gab: die Ladegeräte.

Es fing so harmlos an … mit den ersten beiden Handys. Sie waren baugleich, und somit waren es auch die Ladegeräte. Das eine Ladegerät lag in einem rosaroten Weidenkörbchen in der Küche, das andere bei mir im Büro. Soweit, so gut. Dann kam die erste Digitalkamera dazu, natürlich mit Ladegerät. Das natürlich an der entscheidenden Stelle ganz anders aussah als das der Handys. Also nicht kompatibel. Okay, das war nicht weiter schlimm. Das Ladegerät wurde zu dem anderen ins rosarote Körbchen gelegt und bei Bedarf eingestöpselt.

Zwei solcher Dinger kann man ja noch ganz gut auseinander halten.

Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Weitere digitale Kameras kamen dazu, ein Akku-Staubsauger, diverse ferngesteuerte Mini-Helikopter und sonstiges technisches Gedöns, das der moderne Mensch zu brauchen glaubt. Aus den zwei Ladegeräten im rosaroten Weidenkorb wurden ein halbes Dutzend und mehr. Jedes anders als das andere, und keins ist mit irgendeinem anderen Gerät kompatibel.

Manchmal hab ich sogar den Verdacht, die vermehren sich ohne unser Zutun. Ob Ladegeräte Junge kriegen?

Müssen wir ein Gerät aufladen, fängt das große Wühlen, Vergleichen und Entwursteln an: ’žJetzt lass mal gucken: Da ist ein rechteckiges Loch, irgendwie geriffelt. Also brauch ich ein Ladegerät mit dem dazu passenden Stecker. Das? Oder das? Oder vielleicht doch eher das da?’œ Ich zerre an dem Kabel und hoffe, das richtige Gerät aus dem Wirrwarr befreit zu haben. ’žAch, Mist, nee, jetzt hab ich an dem falschen gezogen! Das da hat ein rundes Dingens vorne.’œ Und das Wühlen und Wursteln geht in die zweite Runde. Wenigstens beim Laptop gibt es kein Vertun: dessen Ladegerät wird in der Laptoptasche aufbewahrt, getrennt von allen anderen.

In der Zwischenzeit haben schon zwei bis drei Familien-Handys das Zeitliche gesegnet und sind durch neue ersetzt worden, eine Kamera und auch ein paar Helis hat das gleiche Schicksal ereilt. Ihre Ladegeräte existieren allerdings immer noch und liegen weiterhin im rosaroten Weidenkorb. So quasi als Geister längst verstorbener elektronischer Geräte. So ähnlich wie bei unseren Fernbedienungen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Weil längst niemand mehr weiß, welches Ladegerät zu welchem Apparat gehört, getraut sich auch keiner, eines davon wegzuschmeißen. Es könnte ja zu Verwechslungen kommen, und dann steht man irgendwann da und braucht’™s ’“ und dann isses weg. Nicht auszudenken! Man kann ja nicht einfach ein anderes nehmen. Es passt ja keins.

Wir fragen uns seit Jahren, warum selbst Geräte ein und derselben Art von ein und derselben Firma unterschiedliche Ladegeräte haben müssen. Er hatte ein Handy der Firma S. und ich hatte ein Handy der Firma S. Nix ist kompatibel. Die Gestalten und Erscheinungsformen der Ladegeräte scheinen so individuell und vielfältig zu sein wie die der Menschen. Das macht die Sache so unübersichtlich. Warum das so ist? Wie gesagt: keine Ahnung. Im Zweifelsfall liegt’™s an einem EU-Gesetz. Oder am Marketing.

Nach jedem Wühl- und Wursteleinsatz räumen wir den Weidenkorb wieder in die Ecke und sagen uns, dass es ja im Grunde so einfach wäre: Man müsste nur mal hergehen, und die Ladegeräte alle zuordnen und beschriften: Handy E. und Handy G., Kamera groß und Kamera klein, Staubsauger, Gedönsbach und Dingenskirchen sowie Heli 1 bis Heli X … und den Rest entsorgen. Wenn wir mal viel Zeit haben, dann machen wir das. Ehrlich! Das schwören wir uns jedes Mal. Und alles bleibt beim alten.

Also wühlen und wursteln wir immer noch im rosaroten Weidenkorb, bis es uns eines Tages wirklich mal zu bunt wird und wir uns endlich dazu aufraffen, in dem Ladegeräte-Chaos Ordnung zu schaffen.

Ich erzähle es euch dann, wenn es so weit ist. Bis dahin gilt: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wursteln sie so weiter …

  1. Mööönsch Edith !

    Es gibt zuviel Erdöl, Kupfer, Sonstwas in der Erde! Das muß weg! Und außerdem – wenn Ladegerät A der Firma X woanders passen würde, Würde ja X die andere Firma unterstützen. Die Konkurrenz! Das geht schon garnicht. Und wenn Du Geld übrig hättest, was Du sonst in Ladegeräte steckst, könntest Du es ja in Kulturgüter stecken, die Deinen Horizont erweitern und das Nachdenken über die Lage fördern. Und das geht ja nun über-über- überhaupt nicht!

    T’K’G,
    McF.

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