Edmund Schauer: Agent TQ under Cover. Die Jagd nach Suspect Zero (Band 6), ab 10 Jahren

Edmund Schauer: Agent TQ under Cover. Die Jagd nach Suspect Zero (Band 6), Zillingdorf/Österreich 2011, Selbstverlag, ISBN 978-3-9502360-2-6, 274 Seiten mit 224 schwarz-weiß-Aufnahmen und Illustrationen, Softcover, Format: 14,8 x 20,8 x 1,7 cm, EUR 12,90. Zu beziehen im Buchhandel oder direkt beim Autor: http://www.ATQ.at.

Nachdem der Ex-Pilot und leidenschaftliche Tüftler Edi Cooper seine Elektronikfirma einem Nachfolger übergeben hat, könnte er ein ruhiges Rentnerleben führen. Auch wenn er so um die 60 Jahre alt sein dürfte – das wäre ihm zu fad! Mit seiner Tochter Mara betreibt Cooper eine Mini-Fluglinie. Gerade mal einen geleasten Airbus A 320 haben sie.

Zusammen mit seinem sprechenden Siam-Kater Simba führt Cooper außerdem eine Detektei. Mit Ladendieben und untreuen Ehepartnern halten sich die Detektive aber nicht auf. Agent Edi Cooper und „Agent TQ“ Simba arbeiten mit der geheimen Regierungsorganisation COBRA zusammen und haben Fälle ganz anderen Kalibers.

Dafür, dass in Familien- und Alltagsangelegenheiten alles rund läuft und die Agenten nicht vom Fleisch fallen, sorgt Coopers patente Ehefrau Nandi. Aber selbst sie kann nicht verhindern, dass Edi und TQ sich verzetteln. Sie können einfach keiner interessanten Aufgabe widerstehen. Ruckzuck haben sie viel zu viele Fälle am Hals und kommen mächtig ins Rudern. Dann wird im Freundeskreis alles rekrutiert, was gerade eine Hand oder Pfote frei hat und muss helfen. Ja, auch die Haustiere!

Auch in diesem Band fängt es ganz harmlos an: Als erstes ruft der Erfinder Max von Zillingdorf an. Er hat einen Konverter konstruiert, der Tachyonen aus dem Weltall in Energie umwandelt. Das bedeutet: unerschöpfliche Energiereserven und Maschinen, die quasi zum Nulltarif laufen. Jetzt möchte er seine Erfindung als Automotor testen. Natürlich im Geheimen, denn der Mann weiß, dass seine Idee eine Menge Geld wert ist und kriminelle Elemente auf den Plan rufen könnte.

Technik-Getüftel in geheimer Mission? Da lassen sich Cooper und TQ nicht zweimal bitten! In Absprache mit dem Erfinder statten sie einen alten VW Käfer mit der „Weltraum-Energie“ aus und organisieren eine Rätsel-Rallye, bei der der getunte Käfer ausgiebig getestet werden soll.

Mitten in die Vorbereitungen platzt ein alter Bekannter der Agenten, Kommissar Serge Poljakov, mit der Nachricht, dass es in der Sankt Petersburger Eremitage einen spektakulären Kunstraub gegeben habe. Der russische Kommissar hat Grund zu der Annahme, dass das Diebesgut mit einem Flug von Coopers Airline außer Landes geschafft werden soll. Wenn Cooper und seine Leute die geraubten Kunstwerke mit einem Sender versehen könnten, würde das die Polizei vielleicht zum Kopf der Bande führen.

Und dann kommt noch ein weiterer Fall dazwischen. Vier Schülerinnen entdecken beim Spielen in einer verfallenen Schmiede nicht weit weg von Coopers Haus ein Lager von Drogenhändlern. Weil eines der Mädchen Cooper kennt, landet der Fall zunächst bei ihm und nicht bei der Polizei.

Jetzt wird’s zeitlich und personell eng für die Agenten. Und es kommt noch schlimmer: Beim Einsatz auf dem Petersburger Flughafen verschwindet Agent TQ spurlos. Edi macht sich auf die Suche nach seinem Kater. Die Rätsel-Rallye fällt damit für ihn flach. An seiner Stelle fährt die pensionierte Agentin Sophie Winter den Test-Käfer mit der Weltraum-Energie. Und der Fall mit dem Drogenlager in der alten Schmiede wird an Polizeioberst Gerry Berger und seine Spezialeinheit übergeben. Und die macht eine verblüffende Entdeckung …

Während die COBRA-Agenten ihren verschwundenen Kollegen suchen und hinter den Kunsträubern her sind, wird eine Verbrecherorganisation auf den VW mit dem Tachyonen-Antrieb aufmerksam. Irgendwie klingt er nicht so, wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor klingen muss. Die Ganoven wittern eine gewinnbringende technische Innovation und wollen dieses Auto haben – koste es, was es wolle. Fahrerin Sophie Winter ahnt nichts davon …

Dieser spannende und unterhaltsame Krimi für junge Leser ab 10 Jahren kommt fast ohne Gewalt aus. Okay: Einmal muss Sophie jemandem mit ihrer Gehhilfe auf die Finger klopfen. Aber im Normalfall lösen die Ermittler ihre Fälle mit Verstand und technischen Hilfsmitteln und nicht mit Waffengewalt.

Die Agenten sprechen sich auch für eine gesunde und umweltbewusste Lebensführung aus, auch wenn sie selbstkritisch zugeben, dass sie ihren eigenen Idealen manchmal zuwiderhandeln. Die Welt ist eben nicht perfekt, auch nicht im Kinderkrimi.

Bei den COBRA-Agenten hat man als Leser Familienanschluss. Wer die Reihe kennt, freut sich bei jedem Band auf ein Wiedersehen mit Coopers Familie, auf den großen, internationalen Freundeskreis und die vielen Haustiere. Gibt’s sonstwo in der Literatur oder im Film einen Agenten mit derart bodenständigem Familienleben?

Auf jeden Fall ist Agenten-Gattin Nandi – über deren Interessen und Begabungen wir in diesem Band ein bisschen mehr erfahren -, immer froh, wenn ihr Edi einen Fall abgeschlossen hat. Denn dann bleibt ihm wieder mehr Zeit für Haus und Garten. Viel Zeit für die geplanten Renovierungsarbeiten werden die Coopers allerdings nach diesem Fall nicht haben, denn am Schluss des Abenteuers deutet der Autor schon an, dass das nächste nicht lange auf sich warten lassen wird.

Die Handlung ist ebenso packend wie amüsant, und die 124 schwarz-weiß-Abbildungen, die die Geschichte illustrieren, machen das Buch zu etwas Besonderem. 121 Fußnoten erklären Fachbegriffe aus Wissenschaft und Technik, so dass man ganz nebenbei auch noch was lernt.

Bei manchen der Erfindungen aus der Geschichte, die jetzt noch Science Fiction sind, wünschte man sich, es gäbe sie wirklich. Das Auto mit der Tarnvorrichtung … die Nachtsicht-Kontaktlinsen … und natürlich den Tachyonen-Konverter, der uns unabhängig vom Erdöl machen würde. Doch auch das würde vermutlich erst einmal Unfrieden in die Welt bringen.

Die Geschichte ist ziemlich komplex mit ihren verschiedenen Handlungssträngen. Man muss schon gut aufpassen, um nicht den Faden zu verlieren. Für Sprachpuristen: Es steht nicht jedes Komma genau da, wo’s der Onkel Duden gerne hätte. Man darf aber nicht vergessen, dass diese phantasievolle Buchreihe das Projekt engagierter Privatpersonen ist – ohne Verlagsmaschinerie im Hintergrund. Den Kindern wird’s beim Lesen egal sein. Sie sollten sich nur an der Zeichensetzung kein Beispiel nehmen und ihr Augenmerk lieber auf die Technik richten.

Auf jeden Fall dürfen wir gespannt sein, was uns beim nächsten Agenten-Abenteuer ins Haus steht.

Ich weiß nicht, wie der Autor seine diversen Handlungsstränge in Schach hält. Bei mir sieht das so aus:

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
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