Viola Eigenbrodt, Christiane Hoff: Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten. Elf skurrile Märchen

Viola Eigenbrodt, Christiane Hoff: Der Hamsterfuchs und andere Kuriositäten. Elf skurrile Märchen, Norderstedt 2014, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-7357-7140-7, Softcover, 133 Seiten mit s/w-Illustrationen von Peter Verwunderlich, Format: 20,3 x 0,7 x 20,3 cm, Buch: EUR 14,90, Kindle Edition: EUR 7,99.

Abbildung: (c) Eigenbrodt, Hoff, Verwunderlich
Abbildung: (c) Eigenbrodt, Hoff, Verwunderlich

Das Leben im Märchenland ist eigentlich recht vorhersehbar, wenn man es mit klassischen Prinzen und Prinzessinnen, Hexen und Feen zu tun hat. In den Phantasiewelten, die sich Viola Eigenbrodt und Christiane Hoff ausgedacht haben, ist dagegen alles möglich. Es gibt praktisch keine „Präzedenzfälle“. Wer hat je schon etwas von Hamsterfuchs und Bärenhäsin, Flederelster, Elektrolurch UKW-Wellensittich gehört? – Eben!

  • Und so staunen wir über einen Zauberpark voller Mischwesen, in dem auch der dichtende Hamsterfuchs lebt. Auf diesem kleinen Kerl liegt ein böser Zauber. Wie man den brechen kann, weiß allerdings kaum jemand. Und wenn es jemand wüsste, würde er den Schritt nicht wagen: DER HAMSTERFUCHS UND DIE LIEBE (Seite 9)
  • DER PAPAGEI IM FRACK (Seite 19) ist der dickliche Kakadu Karl, der unter ärmlichen Bedingungen auf einer Trauerweide lebt – bis er durch seinen Nachbarn Drosselmann ins halbseidene Milieu der Spieler und Hochstapler gerät. Das geht nicht lange gut …
  • LOTHAR DER ELEKTROLURCH (Seite 33) haust in einer vollgerümpelten Scheune und ist süchtig nach Stromschlägen. Keines der anderen Tiere will etwas mit ihm zu tun haben, weil er immer so geladen ist. Eine Ladung Gleichstrom verändert sein Leben …
  • ODELIE DIE OKTOPUSSIN (Seite 43) will unbedingt bei den Strandfestspielen auftreten. Aber mit welcher Darbietung? Und was bitte hat man sich unter dem Veranstaltungsmotto S.I.M vorzustellen?
  • DER MAIGLÖCKCHENWEINTRUNKENE MARIENKÄFER (Seite 51) heißt Fred und hat sich die Kante gegeben aus Verzweiflung darüber, dass er nicht so toll aussieht die aufgedruckten Käfer auf der Teetasse eines Menschenkindes. Jetzt will er nicht mehr leben.
  • DER TÖRICHTE WUNSCH (Seite 63) ist auf dem Mist der Bienenkönigin gewachsen. Ja, Majestät, es hat schon seinen Grund, warum das Wasser bergab läuft, auch wenn es Ihnen nicht in Ihren königlichen Kram passt!
  • DER KATER ALS RETTER IN DER NOT (Seite 75): Wie wird man im Märchenland der Mäuseplage Herr? Mit „Finnen, die mit Linnen spinnen“, wie ein heruntergekommener Philosoph meint? Johann, der Mann am Spinett, hat einen viel pragmatischeren Vorschlag.
  • SCHICKSALSJAHRE EINER WANDERRATTE (Seite 85): In diesem märchenhaften Roadmovie will Ratte Pedro nach Übersee ins Land seiner Ahnen reisen. Eine Mundharmonika, die er unterwegs findet entpuppt sich als Glücksfall für ihn: Pedro hat den Blues …
  • LORE & LEILA, LORE-LEI (Seite 101): Eine Ente mit dichterischen Ambitionen trifft auf ein Drachenmädchen mit Liebe zum Theatralischen. Was dabei wohl herauskommt?
  • WALTER, DER UKW-WELLENSITTICH (Seite 111) lebt bei Schausteller Zoran und schmachtet eine Meisendame an. Musizieren müsste man können, dann klappt es auch mit den Frauen. Das hat er von seinem Menschen gelernt. Als ihn das Schicksal in ein Geschäft mit antiken Radios katapultiert, wähnt er sich am Ziel …
  • EIN BESONDERER SAFT (Seite 123) ist Champagner. Er hält die Geschöpfe eines Spielzeugherstellers am Leben: Puppen, die Gefühle haben und wie Menschen altern. Da verschwindet der alte Kellermeister …

Den kreativen Ideen und Wortspielen merkt man an, dass die beiden Autorinnen viel Spaß beim Schreiben hatten. Und das überträgt sich auch auf den Leser. Von der „ältlichen Schwalbe Elke“ ist da die Rede, „die früher ein gut gehendes Geschäft am Bordstein gehabt hatte.“ (Seite 27, von der rot gewandeten „Fürstin von Geranien“ (Seite 76 und vom Tukan, der als Großschnabel verrufen ist (Seite 102).

Die Probleme, die die Märchenwesen haben, sind recht menschlich: Auch im Märchenland sucht man einen Ort, an dem man sich zuhause fühlen kann, die Liebe und das Glück. Dabei machen die Kreaturen ähnliche Fehler wie wir. Und auch in Politik und Kultur geht es dort nicht gescheiter zu als bei uns. In einem Punkt ist mal im Märchenland allerdings weiter als in unserer schnöden Realität: Wenn eines der Märchenwesen feststellt, dass es mit einem anderen desselben Geschlechts am glücklichsten ist, dann ist das einfach so und kein Katzenmeerschwein regt sich darüber auf. Das ist doch ein sympathischer Zug!

Illustriert wurde der Band vom Meraner Künstler Peter Verwunderlich. Er gibt den literarischen Märchenwesen eine angemessen phantastische Gestalt.

Abbildung: (c) Eigenbrodt, Hoff, Verwunderlich
Abbildung: (c) Eigenbrodt, Hoff, Verwunderlich
Abbildung: (c) Eigenbrodt, Hoff, Verwunderlich
Abbildung: (c) Eigenbrodt, Hoff, Verwunderlich

Auch wenn man beim Stichwort „Märchen“ als erstes an Kinder denkt: Für die ist dieses Buch nur bedingt geeignet. Mit Aussagen wie dieser sind junge Leser sicher noch überfordert: „Sie tanzten (…) eine moderne Version von ‚Schwanensee‘, in der die Schwanenprinzessin Odette eine von einem Ölmulti verzauberte Greenpeace-Aktivistin war.“ (Seite 48). Die skurrilen Märchen von Viola Eigenbrodt und Christiane Hoffmann sind etwas für erwachsene Leser, die das Träumen, Phantasieren und Spinnen noch nicht ganz verlernt haben.

Die Autorinnen
Viola Eigenbrodt, Schrifstellerin und Journalistin, war lange Jahre für die Kulturseiten verschiedener deutscher Tageszeitungen tätig. Fünf Jahre hat sie in Südtirol gelebt und schrieb dort Künstlerporträts und Reportagen. Seit 2012 lebt und schreibt sie wieder in ihrer alten Heimat, der Kurpfalz.
Christiane Hoff ist Lektorin und Korrektorin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Der Illustrator
Der Künstler Peter Verwunderlich, Absolvent der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien, lebt und arbeitet in Meran/Südtirol.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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