Ursula Geier: Der Himmel ist nicht das Ende

Ursula Geier: Der Himmel ist nicht das Ende, Norderstedt 2015, BoD, Books on Demand, ISBN 978-3-73864-096-0, Softcover, 116 Seiten, Format: 20,3 x 12,7 x 0,6 cm, Buch: EUR 8,90, Kindle Edition: EUR 3,99.

Cover: (c) Sonja und Alexander Groß
Cover: (c) Sonja und Alexander Groß

Charly, Ursula Geiers zweiter Ehemann, muss ein faszinierender Mensch gewesen sein: lebensfroh, spontan, kreativ und fürsorglich. Ein Maler und Geschichtenerzähler, der auf Mallorca als Gastwirt und Umzugsunternehmer gearbeitet hat.

Auch die Autorin hat in den 1980er-Jahren auf Mallorca gelebt. In einer Disco hat sie Charly kennengelernt und wollte sich weder neu verlieben noch ein zweites Mal heiraten. Aber wie das Leben so spielt! Dem charmanten Lebenskünstler konnte sie nicht widerstehen.

Über 25 sind die beiden glücklich miteinander, auch wenn sie nicht auf Dauer auf ihrer geliebten Insel bleiben können. Charly erkrankt schwer, und das Ehepaar beschließt, dass es besser ist, nach Deutschland zurückzukehren. Auch wenn das Wetter schlecht und die Menschen mürrisch sind – medizinisch fühlen sie sich hier besser versorgt und die Familie ist auch in der Nähe.

Charly, der immer so stark war, magert zusehends ab und Ursula und er ahnen, dass sie nicht mehr viel Zeit miteinander haben werden. Der kleine Kater Samy, den Charly seiner Frau eines Tages mitbringt, wird zu einem Abschiedsgeschenk.

Aus dem künstlichen Koma wacht Charly nicht mehr auf

Aus einem künstlichen Koma, in das die Ärzte Charly versetzen, wacht er nicht mehr auf. Auch wenn Ursulas Geschwister und Kinder mit ihren Familien für sie da sind, den Verlust ihres Herzensmenschen muss sie ganz allein verkraften. Wie es ihr dabei geht, erzählt sie in diesem Buch, das sich streckenweise wie ein Brief an ihren geliebten Mann liest.

Nur langsam sickert es in ihr Bewusstsein, dass ihr Ehemann nie wieder nach Hause kommen wird. Natürlich weiß man das vom Verstand her, aber bis man nicht mehr hochschreckt, weil man meint, den Partner die Haustür aufsperren zu hören, das dauert!

Sie erinnert sich an glückliche Tage, sie hört die Musik, die er gerne mochte und sie trägt seinen Lieblingspullover. Sie spricht mit ihm und stellt sich vor, was er wohl antworten würde. In ihren Träumen ist er wieder jung, fröhlich und gesund.

Was ihr an einem Tag Trost und Hoffnung gibt, lässt sie an anderen Tagen verzweifeln. Manchmal schafft sie es kaum, morgens aufzustehen und kann nichts anderes tun als weinen. Dann ist das eben so, sagt sie sich. Trauer ist nun mal eine höchst individuelle Angelegenheit, und wenn sie in solchen Wellen verläuft, dann kann sie es nicht ändern.

Nichts wird mehr so sein wie es mal war

Interessiert hört sie sich an, wie andere Menschen den Verlust ihres Partners verarbeiten, aber sie verbittet sich unqualifizierte Ratschläge Unbeteiligter. Trauerkleidung, Trauerdauer, Bewältigungsstrategien – dafür gibt es nun einmal keine DIN-Norm. Nur, weil es TrauerJAHR heißt, bedeutet es nicht, dass nach 12 Monaten alles wieder „in Ordnung“ ist. Nichts wird mehr so sein wie es war, und auch der Hinterbliebene selbst verändert sich durch so einen schweren Verlust.

Feiertage, Geburtstage, Jahrestage, die man mit bestimmten Ritualen begangen hat, sind alleine besonders schwer zu verkraften. Es ist schön zu sehen, wie sich Ursulas Familie bemüht, ihr über diese schweren Tage hinwegzuhelfen. Diese Unterstützung hat nicht jeder. Aus dem seelischen Tief herauswursteln muss sie sich trotzdem alleine. Das ist so. Trauer lässt sich von außen kaum beeinflussen.

Ursula hilft die Vorstellung, dass die Seele ihres Mannes noch immer präsent ist. Sie erzählt Charly, was sie fühlt und erlebt und sie hofft, ihn nach ihrem Tod wiederzusehen.

Das Weiterleben ohne Partner ist eine Frage der Gewohnheit. Der Mensch ist anpassungsfähig und entwickelt bald eine neue Routine. Das muss so eine Art Selbstschutzmechanismus sein. Auch wenn Charly ihr jeden Tag fehlt, gibt es doch wieder Momente der Lebensfreude.

Beim Trauern gibt’s kein Richtig und kein Falsch

Zwei Jahre nach seinem Tod schreibt Ursula Geier wieder Geschichten und Bücher. Sie amüsiert sich über die Kapriolen ihres Katers Samy, hat Freude an der Natur, an schönen Erinnerungen und am Zusammensein mit ihrer Familie und mit Freunden. Sie kann sich Charlys bevorzugte Musik anhören und seine Lieblingsfilme sehen, ohne ihn Tränen auszubrechen und sie hat – endlich! – alte Erinnerungsfotos in Alben sortiert. Das hätte ihm gefallen.

Trauer mag in bestimmten Phasen verlaufen, doch jeder durchlebt sie anders. Da gibt es kein Richtig oder Falsch. Das will uns dieses Buch sagen. Und so schrecklich der Verlust des geliebten Partners ist – man verharrt nicht auf Dauer in der Schockstarre des ersten Moments. Irgendwann findet man seinen Weg zurück ins Leben. Diese Gewissheit könnte für manchen Menschen, der gerade in dieser Situation ist, Trost und Hilfe sein.

Die Autorin:
Ursula Geier, 1938 geboren, begann bereits im Alter von 14 Jahren mit ersten Kurzgeschichten. Seitdem nahm die Schreiberei eine zentrale Rolle ein. So veröffentlichte sie im Laufe der Zeit Tiergeschichten in Zeitschriften und verfasste Kolumnen. Während ihrer Jahre im Ausland engagierte sie sich für die Herausgabe einer deutschsprachigen Zeitung.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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