Eve Schwender (Text), Petra Spoerle-Strohmenger (Fotos): Der Dackel

Eve Schwender (Text), Petra Spoerle-Strohmenger (Fotos): Der Dackel, München 2015, Knesebeck Verlag, ISBN 978-3868738414, Hardcover mit Schutzumschlag, 175 Seiten mit zahlreichen, oft großformatigen Farbaufnahmen, Format: 25,5 x 2,3 x 26,4 cm, EUR 34,95.

Abbildung: (c) Knesebeck-Verlag
Abbildung: (c) Knesebeck-Verlag

„Wenn Sie bereits Dackelbesitzer sind, werden Sie hoffentlich Freude haben an der Lektüre und an der einen oder anderen Stelle auch etwas dazulernen. Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, einen Dackel anzuschaffen, überlegen Sie beim Lesen dieses Buches, ob Sie mit jeder Faser ihres Herzens Ja zu diesem ganz besonderen kleinen Hund sagen können.“ (Seite 14)

Dass sie einmal Tiertrainerin werden und die gesamte Fernsehnation ihre(n) Dackel kennen würde, hätte sich Eve Schwender als Kind nicht träumen lassen. Zwar war sie schon immer tierlieb, aber dem Dackel ihrer Tante kam sie lieber nicht zu nahe. Der war ein verzogener Grantler und hatte sein Frauchen fest im Griff.

Viele Jahre und etliche Seminare später trainierte Eve Schwender Pferde, Katzen, Nager und Hunde für Fernsehproduktionen. Eines Tages wurde sie gefragt, ob sie denn auch Dackel ausbilde. Für die SAT.1-Fernsehserie HAUSMEISTER KRAUSE bräuchte man einen. Nun gelten diese Hunde ja als stur und wenig geeignet für die Arbeit am Filmset, aber Eve Schwender traute sich die Aufgabe zu und sagte ja. Und so kam sie auf den Dackel. Mittlerweile lebt ein ganzes Rudel bei ihr und es dürfte kaum etwas geben, was sie nicht über diese Hunde weiß. Und weil ihr die Hunderasse so am Herzen liegt, teilt sie ihr Wissen gern mit uns.

Informieren! Dann klappt’s auch mit dem Dackel

Wie bei Menschen-Mensch Beziehungen müssen auch bei Mensch-Hund-Beziehungen die Bedürfnisse, Temperamente und Eigenheiten zusammenpassen, damit man gemeinsam glücklich werden kann. Wenn man sich schon im Vorfeld gut darüber informiert, was auf einen zukommt, dann klappt’s auch mit dem Dackel.

Wir erfahren zunächst ein bisschen etwas über die Kulturgeschichte des Dackels. Schon vor rund 2.000 Jahren hopsten Dackel-Vorfahren über die Erde. Das typisch münchnerische Haustier hat in Wahrheit einen Migrationshintergrund: Er stammt aus Frankreich. Seine Vorfahren sind die Keltenbracken (Segusier).

Gezüchtet wurden diese Hunde, um selbstständig Füchse und Dachse unter der Erde zu stellen. Diese waren für die Landwirte ja so etwas wie „Nahrungskonkurrenten“, weil sie Hühner rissen und Feldfrüchte fraßen. Waren Dachs und Fuchs erst einmal in ihrem Bau verschwunden, hatten die Jäger keinen Zugriff mehr auf sie – die buddelfreudigen kleinen Dachshunde mit ihren kurzen Beinchen aber sehr wohl.

Die verkürzten Beine sind das Resultat einer gezielten Zuchtauswahl von Hunden mit einer genetischen Störung der Knorpelbildung: Chondrodysplasie bzw. Achondroplasie. Das ist die häufigste Form des genetisch bedingten Kleinwuchses und kommt auch beim Menschen vor.

Nicht nur ein Rentner-Accessoire

Im 19. Jahrhundert wurden für die Dackel die ersten Rassekennzeichen aufgestellt. Die ersten Variationen der Ur-Rasse, des schwarz-roten Kurzhaardackels, entstanden, und der Dackel wurde auch außerhalb Deutschlands bekannt und beliebt. 1972 war der Dackel noch Maskottchen der Olympischen Spiele in München, danach sank sein Stern. Er galt lange Zeit als typisches „Rentner-Accessoire“. Erst seit sich neuerdings ein paar prominente Künstler stolz mit Dackel zeigen, steigt seine Popularität wieder.

Für den Dackel ist es sicher gut, wenn er kein ausgesprochener Modehund wird. Nicht jeder Mensch, der Gefallen an dem kleinen Kobold findet, ist auch wirklich „dackelkompatibel“.

Wer noch unentschlossen ist, ob er sich einen Dackel anschaffen soll oder nicht, erfährt in diesem Buch, ob so ein Hund überhaupt zu ihm passt und wenn ja, welcher. Standard-, Zwerg- oder Kaninchendackel? Kurzhaar, Langhaar oder Rauhaar? Ein Welpe oder schon ein etwas älteres Tier? Rüde oder Hündin? Rot, gelb, schwarz mit rostbraunen oder gelben Abzeichen? Saufarben? Schokoladenbraun? Aus einer Jagdlinie oder aus einer Schönheitszucht? Dackel ist beileibe nicht gleich Dackel!

Wie erzieht man einen Dackel?

Und wenn man dann weiß, was für einen Dackel man gerne hätte, woran erkennt man dann einen guten und seriösen Züchter? Auch das verrät uns dieses Buch. Wir lernen, was ein Dackel(welpe) alles baucht, wenn er schließlich in den Haushalt einzieht, wie er sich am besten eingewöhnt, worauf man bei seiner Erziehung Wert legen sollte und worauf man achten muss, wenn er Kontakt mit anderen Tieren oder mit Kindern hat.

Wie kommuniziert man mit dem Dackel so, dass er es auch versteht? Ist er wirklich so stur wie man sagt? Wie beschäftigen wir ihn sinnvoll, damit er gefordert wird und uns nicht aus Langeweile den Hausstand zerlegt? Was muss man über seine Gesundheit und Pflege wissen? Wie geht man vor, wenn man seinen Dackel bei einer Rassehundeausstellung präsentieren will? Soll man mit dem Tier züchten oder ist es sinnvoll(er) es kastrieren zu lassen? Welche Vorschriften sind jeweils zu befolgen? Und wie gestaltet sich das Zusammenleben, wenn der Hund älter wird? Das alles wird bildhaft, kompetent und mit leisem Humor beschrieben.

Im Kapitel DER DACKEL, MEIN JAGDGEFÄHRTE (Seite 164) ändert sich unvermittelt der Erzählton. Es wimmelt auf einmal vor unbekannten Fachbegriffen. Und was heißt „wie wir es in der Jägersprache nennen“ (Seite 166)? Ich denke, die Autorin ist Tiertrainerin! Erst im Impressum klärt sich das auf: Diesen Textbeitrag hat Frau Schwender zusammen mit der Jägerin Alexandra Wunsch-Momberger verfasst. Das hätte man, um Irritationen zu vermeiden, vielleicht schon im Inhaltverzeichnis und/oder unmittelbar beim entsprechenden Kapitel erwähnen sollen.

Foto: Nebel / Knesebeck
Foto: Nebel / Knesebeck
Foto: Nebel / Knesebeck
Foto: Nebel / Knesebeck

Dackelgrundkurs mit zauberhaften Fotos

Für einen Dackelfan ist dieses prachtvolle Buch ein Traum, doch irgendwie bilden Text und Fotos keine so rechte Einheit. Das Buch bietet einen informativen Dackel-Grundkurs mit zauberhaften, oft großformatigen Farbaufnahmen, die allerdings nicht primär dazu da sind, um Eve Schwenders Textbeiträge zu illustrieren. Wenn zum Beispiel von Haartypen und Farbschlägen die Rede ist, hätte ich mir gewünscht, dass die passende Abbildung beim entsprechenden Text steht und eine aussagekräftige Bildunterschrift trägt: „Rauhaardackel, dürrlaubfarben“, und nicht, dass ich mir die Bilder zum Text selber auf den Seiten zusammensuchen muss. Da stehen dann mitten im Beitrag Hinweise wie: „Abbildungen Seite 49 links, Seite 51 unten und Seite 52/53 unten.“ (Seite 50)

Für Dackelfreunde, die noch etwas dazulernen wollen, ist das ein bisschen unkomfortabel. Dackelkenner, die das alles schon wissen, brauchen wiederum die Grundlagen-Informationen in den Textbeiträgen nicht. Hundertprozentig schlüssig ist das Buchkonzept meines Erachtens nicht. Als reines Dackel-Fanbuch, bei der schnelle und unkomplizierte Zugriff auf zentrale Informationen nicht die allererste Priorität hat, ist dieser opulente Bild und Textband natürlich klasse.

Wer sich eingehender über Dackel informieren möchte, für den hat die Autorin im Anhang eine Liste mit Buchtipps zusammengestellt.

Die Autorin
Eve Schwender ist Tiertrainerin und arbeitet für namhafte Filmproduktionen. Ihr bekanntester Dackel Bodo war nicht nur der vierbeinige Star der Serie Hausmeister Krause, auch im Tatort und zahlreichen anderen Projekten begeisterten Bodo und der Rest der Dackelbande.

Die Fotografin
Petra Spoerle-Strohmenger ist Redakteurin und fotografiert seit vielen Jahren passioniert Dackel.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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