Ute Wehrle, Hans Jürgen Kugler: Alles klar, Herr Kommissar? Kuriose Kriminalfälle in Baden-Württemberg

Ute Wehrle, Hans Jürgen Kugler: Alles klar, Herr Kommissar? Kuriose Kriminalfälle in Baden-Württemberg, Tübingen 2016, Silberburg-Verlag, ISBN 978-3-8425-1496-6, Hardcover, 143 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe und schwarz-weiß, Format: 13,4 x 1,7 x 20,5 cm, EUR 14,90.

Abbildung: (c) Silberburg-Verlag
Abbildung: (c) Silberburg-Verlag

Wer in der Tageszeitung gern die kuriosen kleinen (Polizei-)Meldungen liest, die dort oftmals als Füllmaterial dienen, der wird auch Gefallen an diesem Buch finden. Ute Wehrle und Hans Jürgen Kugler haben die schrägsten Polizeimeldungen Baden-Württembergs zusammengetragen und mit einem Augenzwinkern nacherzählt. Außerdem präsentieren sie – unter Mitarbeit von Kriminalhauptkommissar a.D. Günter Boetsch – Geschichten aus dem Kriminalmuseum Freiburg. In einem Kapitel blicken sie auch über die Grenzen des Bundeslandes hinaus und widmen sich ganz zum Schluss gelösten und ungelösten berühmten Kriminalfällen.

Rutscht die Dose aus der Hose …


Die aufbereiteten Polizeimeldungen könnten auch unter der Überschrift „Baden-Württembergs dümmste Verbrecher“ stehen, denn nicht die gruseligsten Fälle haben es in das Buch geschafft, sondern die, über die man so richtig schön schadenfroh feixen kann. Wenn Ganoven mit viel Aufwand einen leeren Tresor stehlen oder ein E-Bike, dem ein wesentliches Bauteil fehlt, oder wenn sie nächtens mit dem Lastwagen den Kontoauszugsdrucker einer Bank abtransportieren statt des Geldausgabeautomats, dann zeugt das nicht gerade von großen Geistesgaben. Wenn einem Dieb unterwegs die geklaute Ware aus dem Hosenbein rutscht oder er seine Papiere am Tatort verliert, dann kann man nur sagen: dumm gelaufen!

Manchmal muss die Polizei auch bei Pleiten, Pech und Pannen ausrücken, ohne dass ein Verbrechen vorliegt: wenn mit viel Getöse ein Luftbett explodiert, zum Beispiel … wenn plötzlich bei jemandem ein fremder Mensch in der Wohnung schläft und nicht zum Gehen zu bewegen ist … wenn mitten in der Nacht Kirchenglocken läuten und einfach nicht zu beruhigen sind oder wenn ein Lastwagen mit seinem Planenaufbau unter einer Brücke feststeckt.

Der Nikolaus in der Radarfalle


Auch bei tierischen Einsätzen kann man nicht von einem vorsätzlichen Fehlverhalten ausgehen: Ob es darum geht, Fledermäuse aus einer menschlichen Behausung zu entfernen, eine Schafherde von einer Terrasse zu komplimentieren, einen Igel oder einen Uhu in Not zu retten oder entlaufene Esel oder Strauße einzufangen – die Polizei gibt alles. Selbst orientierungslose Touristen, auf dem Rastplatz vergessene Reisegefährten oder Kinder, die ohne Wissen ihrer Erziehungsberechtigten alleine auf Reisen gehen, fallen in ihr Ressort.

Ein Polizeibeamter dürfte eigentlich durch nichts mehr zu erschüttern sein. Bei der Freiburger Bußgeldbehörde haben die Mitarbeiter aber schon ein bisschen überrascht geschaut, als ihnen ausgerechnet der Nikolaus auf seiner weihnachtlich geschmückten Kutsche in die Radarfalle ging. Auch ein Unfall mit Fahrerflucht im Heißluftballon dürfte eine äußerst seltene Angelegenheit sein. Und was passiert wohl, wenn ein Horrordarsteller unabgeschminkt nach Feierabend in sein Auto steigt und auf der Heimfahrt in eine Polizeikontrolle gerät …?

Fälle aus dem Kriminalmuseum


Dem ehemaligen KHK Günther Boetsch, der viele Jahre lang dem Morddezernat in Freiburg angehört hat, ist es zu verdanken, dass manch skurriles Verbrechen nicht in Vergessenheit gerät. Er hat im Lauf seines Berufslebens zahlreiche Beweisstücke zusammengetragen, die später im Kriminalmuseum Freiburg ausgestellt wurden. In diesem Buch erzählt er Anekdoten, die mit ausgewählten Exponaten verbunden sind. Vom Raub der Kronjuwelen der preußischen Könige aus der Burg Hohenzollern im Jahr 1953, zum Beispiel. Der Täter hätte sich nie träumen lassen, woran er schließlich scheitern würde! – Ein eher unappetitliches Beweisstück wurde einem Einbrecher in Freiburg zum Verhängnis. Manchmal ist die Arbeit bei der Polizei halt auch ein Sch***job. – Zu einer makaberen Autofahrt sah sich KHK Boetsch im Jahr 1966 genötigt. Mit einem Mordopfer auf dem Rücksitz musste er am späten Abend quer durch die Stadt zur Rechtsmedizin fahren.

Berühmte und historische Fälle


Berühmte und historische Kriminalfälle bilden den Abschluss: ein Raubmord aus dem Jahr 1904, bei dem ein Mensch für eine relativ geringe Beute sein Leben lassen musste … eine Schwarzwälder Version des Verbrecherduos Bonnie und Clyde sowie das bis heute ungelöste Rätsel um das Findelkind Kaspar Hauser. Der Fall des Stuttgarter Geltransporträubers Roger Hagelganz aus dem Jahr 2004 kam sogar in der Fernsehsendung AKTENZEICHEN XY UNGELÖST. Der Täter hat sich zwar gestellt, aber wo die Beute geblieben ist, wird wohl auf ewig ungeklärt bleiben.

Die eine oder andere skurrile Polizei-Anekdote wird einem vielleicht im Gedächtnis bleiben und man hat dann bei passender Gelegenheit etwas Interessantes zu erzählen. ALLES KLAR, HERR KOMMISSAR? Ist harmlose, vergnügliche Unterhaltung ohne Belehrungsabsichten. Dass sich Verbrechen nicht lohnt, das wissen wir ja schon aus dem sonntäglichen TATORT.

Die Autoren
Ute Wehrle ist 1961 in Freiburg zur Welt gekommen und studierte Touristik-Betriebswirtschaft in Heilbronn. Sie arbeitet als freie Autorin und Journalistin.

Hans Jürgen Kugler, geboren 1957 in Villingen, studierte Philosophie und Germanistik in Freiburg. Der freiberufliche Journalist, Autor und Lektor schreibt regelmäßig für die »Badische Zeitung«, für verschiedene Literaturzeitschriften und für die Bühne. Er wurde mit dem Wissenschaftler- und Journalisten-Preis »Hauptsache Biologie« und für sein Stück »Aus dem Staub« beim Dramatikerwettbewerb des Göttinger Universitätstheaters ausgezeichnet. Kugler lebt bei Freiburg.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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