Von Monstern, der Kunst und dem Leben

Vor ein paar Wochen habe ich in einem örtlichen Fachgeschäft zufällig einen Stapel Werbeflyer für eine Kunstausstellung gesehen. Der Name einer der Künstlerinnen kam mir bekannt vor. Wenn es die war, die ich meinte, hatte ich sie allerdings unter ihrem Mädchennamen gekannt. Und weil der genau so lautete wie der des Geschäftsinhabers, habe ich die Angestellte gefragt:

„Sagen sie, kann es sein, dass Frau U. früher einmal [Mädchenname] geheißen hat?“
Die Mitarbeiterin bestätigte das.
„Oh“, sagte ich erfreut, „dann weiß ich, wer das ist. Wir waren vor 30 Jahren oder so mal Kolleginnen.“
Ich bedankte mich, steckte den Flyer ein und ging.

Meine Frage bereitet Kopfzerbrechen


Dass man mich in dem Laden zwar als gelegentliche Kundin kennt, aber nicht weiß, wie ich heiße, war mir nicht bewusst. Meinen Cousin kennen sie schließlich auch. 😉 Und so habe ich der Künstlerin einiges Kopfzerbrechen bereitet. Die Angestellte erzählte ihr nämlich, dass sich eine Ex-Kollegin nach ihr erkundigt hatte, aber mit der Beschreibung meiner Person konnte sie nicht viel anfangen. Vielleicht hätte die Angestellte nicht nur mein Aussehen beschreiben, sondern auch meine Stimme erwähnen sollen. Die bleibt den Leuten in der Regel im Gedächtnis.

Auf jeden Fall war es gut, dass ich am Wochenende zu der Ausstellungeröffnung gegangen bin. Da hat sich das Ganze dann unter viel Gelächter aufgeklärt.

Ich habe beeindruckende Bilder sehr unterschiedlicher Künstlerinnen gesehen, mich durch ein leckeres Buffet gefuttert, habe ein Atelier entdeckt, von dessen Existenz ich nichts gewusst hatte, obwohl ich jahrelang in der Nähe gewohnt habe – und ich habe in Erfahrung gebracht, dass meine damalige Kollegin, nachdem sich unsere beruflichen Wege getretnnt hatten, ein sehr interessantes Leben geführt hat.

Ein normales und aufregendes Leben


Sie hat einen Mann und zwei erwachsene Kinder, ist herumgekommen im Land, hat auch ein paar Jahre im Ausland verbracht und eine komplett neue Laufbahn eingeschlagen. Sie hat von verschiedenen KünstlerInnen gelernt, hat jetzt ein Atelier und verkauft ihre Bilder. Ein aufregendes, abwechslungsreiches und erfolgreiches Leben. Und doch irgendwie „normal“ … mit Familie und so.

Ich neide ihr das nicht. Ich finde es toll. Und ich frage mich, warum ich so etwas nicht hinbekommen habe. Warum habe ich das nicht mal wollen können?

Für das Familienleben, wie spannend das Drumherum auch immer ausgesehen hätte, war ich einfach nicht geschaffen. Mann ja – er ist ja leider verstorben – aber Kinder? Nein. Dafür war ich zu egoistisch. Und ich hatte zu viel Angst, dass es mir so ergehen würde wie meinen Eltern: Da haste dann endlich ein Kind, und dann kannste es nicht leiden. Das ist ja irgendwie auch blöd.

Das Monster im Künstler


In einem Artikeln, dein eine Netzwerkkollegin dieser Tage verlinkt hat, habe ich gelesen, dass man bis zu einem gewissen Grad egoistisch sein muss, ja geradezu ein Monster, um wirklich große Kunstwerke schaffen und diese auch vollenden zu können.

Das mit dem egoistischen Monster kriege ich manchmal schon ganz gut hin. Nur die großen Kunstwerke bin ich der Welt noch schuldig …

Foto: © Paul-Georg Meister / pixelio.de

Foto: (c) Paul-Georg Meister / www.pixelio.de

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