Ich steh im Regen …

Nein, ich bereue meinen Umzug nicht. Ich liebe mein Haus, ich mag meine Heimatgemeinde und ich freue mich, wieder in der Nähe meiner Familie zu sein. Das einzige, was ich unterschätzt habe, ist das Pendeln zur Arbeit.

Zugegeben, ich habe reichlich Erfahrung damit: Ich bin, mit einer Unterbrechung von 8 Jahren, in denen ich aufs Auto angewiesen war, seit meinem 11. Lebensjahr täglich mit Bussen und Bahnen unterwegs. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen.

In den letzten 8 Jahren hatte ich es sehr bequem: Mit der Stadtbahn fuhr ich quasi von Haus zu Haus. Keine langen Fußwege, kein Umsteigen, das ging ruckzuck. Okay, dachte ich, durch die zusätzliche Strecke mit dem Bus verlängert sich mein Weg jeden Tag um eine halbe Stunde oder so, das passt auch. Hatten wir ja alles schon.

Das Fahrerei mit dem Bus hab’ ich unterschätzt


Von wegen! Zwar bin ich schon in den 1990ern mit der Linie 119 gefahren, aber eine andere Teilstrecke. Und wenn die 119 rumgespackt hat, konnte ich auf die Linie 120 ausweichen. Das war vergleichsweise komfortabel. Auch mit meinen Wochenendfahrten von meiner Wohnung aus zu meinen Eltern ist das werktägliche Pendeln nicht zu vergleichen – da herrscht jeweils ein ganz anderes Verkehrsaufkommen.

Ja, blöd.

Morgens um 6 funktioniert es noch ganz gut. Wir sind eine lustige Gruppe, die sich an der Bushaltestelle versammelt und reden schon um diese Zeit über die Nachrichten des Tages, das Wetter und die neuesten Erlebnisse beim Bus- und Bahnfahren. Eine Stunde, nachdem ich das Haus verlassen habe, sitze ich an meinem Schreibtisch. Das ist eine knappe Viertelstunde mehr als vor meinem Umzug. Aber abends! Viel Verkehr, große Baustellen, umständliche Umleitungen – ich brauche anderthalb bis zwei Stunden, bis ich endlich daheim bin.

Mal fährt mir der Bus vor der Nase weg, obwohl der Umstieg von der Bahn aus gewährleistet sein sollte, mal fallen Busse aus, warum auch immer. Es kommt einfach keiner. Gelegentlich geht wegen eines Staus gar nix mehr oder ein Fahrzeug gibt unterwegs den Geist auf. (Da sind aber auch ein paar alte Krampen unterwegs!) Wenn die Rollstuhlrampe nicht mehr reinfährt oder eine Tür sich nicht mehr schließen lässt, dann darf/kann der Bus eben auch nicht weiterfahren.

Panne, Stau, Verspätung – irgendwas ist immer


Wenn von drei Türen nur eine aufgeht, ist das noch kein Hindernis. Dann müssen sich die Fahrgäste da eben irgendwie rein- und rausdrängeln. Das Ein- und Aussteigen dauert dann bei einem vollbesetzten Fahrzeug natürlich eine Ewigkeit. Von Haltestelle zu Haltestelle häuft der Fahrer weitere Verspätungsminuten an. Dieser Tage wurde ein Bus dann schon vom folgenden eingeholt. Da fuhren sie die Strecke dann eben Stoßstange an Stoßstange ab. Ist ja auch nett.

40 Minuten haben wir gestern bei Regen, Dunkelheit und Kälte auf den Bus gewartet. Ein paar Leute sind dann zu Fuß losgelatscht. Im Sommer habe ich das auch schon gemacht. Aber bei diesen Witterungsverhältnissen mit meinen Büroschlappen im Dunkeln auf einem unbeleuchteten Feldweg … und dann noch durch die garstige Unterführung? Nee, ohne mich! Da graust mir ja schon bei Tag.

Drei Stunden auf der Strecke


Taxi? Auch für die Katz. Das steht im selben Stau wie der Bus. Die müssen alle eine Straße lang. Und so verbringe ich an manchen Tagen 3 Stunden „auf der Strecke“.

Busfahrzeit ist unnütz verbaselte Lebenszeit. In der Bahn kann ich lesen. Im Bus ist es duster und man wird rumgeschleudert wie in einer Waschmaschine, da geht das nicht. Da sitzt, steht oder purzelt man rum und hofft nur, dass man endlich ans Ziel kommt.

Die Großbaustellen auf der Strecke sollen noch ein paar Jahre bestehen. Diese Zustände werden mich womöglich bis zu meiner Rente begleiten. Ich werde mich wohl oder übel daran gewöhnen müssen.

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