Bettina Ickelsheimer-Förster (Hrsg.): Magischer Tigerwald. Kurzgeschichten (8 – 10 Jahre)

Bettina Ickelsheimer-Förster (Hrsg.): Magischer Tigerwald . Kurzgeschichten, (8 – 10 Jahre) Shaddodex Verlag der Schatten, ISBN: 978-3-946381-61-7, 264 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Farbe und s/w. Format: 13,8 x 1,7 x 21,3 cm, Buch: EUR 15,00, Kindle: EUR 7,00.

Abb. (c) Shaddodex Verlag der Schatten

13 Autorinnen haben Kurzgeschichten für diese liebevoll gestaltete Anthologie beigesteuert. Die Held*innen der Geschichten sind ausnahmslos die Tiere des Raubtier- und Exotenasyls Ansbach. Menschen haben hier nur Statistenrollen.

Ich gehe davon aus, dass die Herausgeberin den Autorinnen einen Leitfaden an die Hand gegeben hat, damit die Geschichten auch zusammenpassen und einander nicht widersprechen. Sobald mehrere Verfasser*innen in ein und derselben phantastischen Welt unterwegs sind, ist das unabdingbar. Und das hat auch recht gut geklappt.

Nächtliche Abenteuer im Tigerwald

Darum geht’s: Tagsüber sind die Tiger, Pumas, Luchse, Füchse, Frettchen und Affen ganz „normale“ Wildtiere, die aus schlechter Haltung gerettet wurden und nun im Raubtierasyl Ansbach betreut und versorgt werden. Doch wenn die Besucher gegangen sind, entfaltet die Magie ihre Kraft. Die Tiere können ihre Gehege verlassen und im angrenzenden „Magischen Tigerwald“ Abenteuer erleben. Zum Frühstück sind sie dann wieder zurück, als wäre nie etwas gewesen.

Damit sich bei diesen Exkursionen niemand aufführt wie die Axt im Walde und damit die Menschen dem Wald fernbleiben, gibt es den „Waldwächter“. Den muss man sich wie einen vielfarbig glitzernden Tannenbaum vorstellen, der mit den Tieren kommunizieren kann und notfalls auch mobil ist.

„Anmoderiert“ werden die 13 Geschichten jeweils von dem Luchspärchen Anubis und Rokko. Diese beiden tierischen Conférenciers kennen einander so gut, dass sie sich in ihren kurzen Dialogen hervorragend gegenseitig auf die Schippe nehmen können. Dabei geraten sie einander auch mal in die getupfte Wolle.

Überall lauern Gefahren

Gleich in der ersten Geschichte lernen wir, dass man besser nicht allein im Tigerwald unterwegs ist, weil in dieser magischen Umgebung allerhand Gefahren lauern. Daran hat Schneeaffendame Nala nicht gedacht, als sie nach einem Streit mit ihrem Partner Tayo wütend in den Wald gelaufen ist. Jetzt rückt ein Rettungsteam aus um sie heil wieder zurückzubringen. Wird diese wild zusammengewürfelte „Mannschaft“ , bestehend aus Tigerin, Polarfüchsin, Frettchen und Schneeaffe, die Vermisste finden?

Manchmal wird der Tigerwald auch von außen bedroht und die Tiere müssen helfend eingreifen: Mal ist der Bach versiegt und die pflanzlichen und tierischen Bewohner drohen zu verdursten. Das muss doch eine Ursache haben, die man hoffentlich beseitigen kann! Mal treibt ein Schneemonster sein Unwesen, mal legen Hilfsdämonen Feuer. Um die zu bekämpfen, sind viele verschiedene Fähigkeiten vonnöten. Das funktioniert nur mit einem Team, das gut zusammenarbeitet und fest zusammenhält.

Geister gibt’s auch im Tigerwald. Die sind auf einmal wie wild hinter dem Goldschatz eines alten Römers her, obwohl sie doch für weltliche Güter gar keine Verwendung mehr haben. Können die Tiere sie zur Vernunft bringen? — Und wenn einmal rein gar nichts Aufregendes passiert und es dem Waldwächter langweilig wird, dann amüsiert er sich damit, den Tieren verrückte Träume zu bescheren. Zwei Füchse und eine Tigerin können ein Lied davon singen!

Ein Wiedersehen mit verstorbenen Verwandten

Weil im Tigerwald die Naturgesetze teilweise außer Kraft gesetzt sind, kann man dort auch verstorbenen Artgenossen bzw. Mitbewohnern begegnen. Die sind im Magischen Tigerwald wieder fit und gesund wie zu ihren besten Zeiten. Kein Wunder, dass sich die jungen Tiger, die erst vor kurzem ihren Vater verloren haben, mit dem Gedanken tragen, bei ihm im Magischen Wald zu bleiben. Doch so läuft das nicht! Sie müssen zurück in ihre reale Welt und dort ihre Aufgaben erfüllen. Erst, wenn ihre Zeit gekommen ist, gibt es ein dauerhaftes Zusammenleben mit ihren verstorbenen Angehörigen und Freunden. Das ist für die Tiere ein tröstlicher Gedanke, und so kehren sie leichteren Herzens nach Hause zurück.

Der Beitrag DER BURGHERR IM MAGISCHEN WALD fällt etwas aus dem Rahmen. Darin können die Tiere etwas, was sie in den anderen Geschichten nicht können: Ihre Gestalt wandeln. Auch strikte inhaltliche Vorgaben kann man eben irgendwie unterlaufen. Sicher stand nicht im Leitfaden, dass Gestaltwandlung ausgeschlossen ist … 😉

13 kreative Köpfe, 13 phantasievolle Geschichten

Auch wenn sich das Buch über weite Strecken wie aus einem Guss liest: Kleinere Abweichungen und Widersprüche gibt’s natürlich schon. Das ist immer so, wenn verschiedene Autoren in einem gemeinsamen „Universum“ unterwegs sind. Dass die Tiere und ihre Beziehungen  zueinander unterschiedlich charakterisiert worden wären, ist mir jetzt nicht aufgefallen. Aber ihre Beziehung zum Waldwächter unterscheiden sich von Geschichte zu Geschichte: Hier gehen sie im Tigerwald ein und aus und kennen den Wächter gut, da müssen sie erste eine Prüfung ablegen, damit er sie überhaupt hineinlässt, und in wieder einer anderen Story glauben sie zunächst nicht einmal an seine Existenz. Da muss man sich als Leser erst wieder in Erinnerung rufen, dass man 13 verschiedene Interpretationen einer Vorgabenliste vor sich hat, weil 13 verschiedene kreative Köpfe hinter den Beiträgen stecken. Jeder Beitrag für sich ist phantasievoll, spannend und berührend.

Ich habe das Buch gar nicht als Kinderbuch gelesen. Mir ist erst durch die Altersangabe im Internet bewusst geworden, dass es als solches konzipiert ist. Ja, das passt. Für Kinder sind das Märchen der etwas anderen Art, die offenbar auch Erwachsenen gefallen.

Der Verkaufserlös geht ans Raubtierasyl

Der Erlös aus dem Verkauf dieses Buchs geht direkt an das Raubtier- und Exotenasyl Ansbach. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der sich über Spenden Unterstützer und Veranstaltungen finanziert. DER SPIEGEL hat 2017 über die eindrucksvolle Arbeit der Ansbacher berichtet. Großkatzen kann man nicht einfach so vermitteln wie Hauskatzen, und so bleiben die Tiere lebenslang  im Raubtier- und Exotenasyl. Die Kosten für Futter, Tierarzt, Strom etc. sind beachtlich. Da ist finanzielle Unterstützung natürlich immer willkommen, auch die aus dem Verkaufserlös dieses Buchs. Wer mehr über die Einrichtung wissen möchte: www.raubtierasyl.org

Die Autorinnen

Monika Grasl, P. C. Thomas, Heike Westendorf, Albertine Gaul, Rega Kerner, Eva von Kalm, Sarah Drews, Margo Wendt, Stefanie Guckes, Eve Grass, Julia A. Jorges, Patricia Rieger, Nora Olsen.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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