Rita Falk: Guglhupfgeschwader: Ein Provinzkrimi. Der zehnte Fall für Franz Eberhofer

Rita Falk: Guglhupfgeschwader: Ein Provinzkrimi. Der zehnte Fall für Franz Eberhofer, München 2019, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: 978-3 423-26231-6, Klappenbroschur, 317 Seiten (Krimi, Rezepte, Glossar), Format: 13,5 x 3,2 x 21,1 cm, Buch: EUR 15,90 (D), EUR 14,40 (A), Kindle: EUR 12,90. Auch als Hörbuch lieferbar.

Abb.: (c) dtv

„Das war eine ganz herrliche Dings. (…) Da hättens dabei sein müssen, Eberhofer- Warum sinds denn nicht da gewesen?“, fragt mich der Bürgermeister, und ja, er riecht nach Alkohol.
„Weil ich der Meinung bin, es sollte wenigstens einer zur Arbeit gehen in diesem depperten Kaff“, antworte ich und steige in den Wagen.
(Seite 185)

Franz hat Jubiläum …

Zum zehnjährigen Jubiläum bei der Polizei in Niederkaltenkirchen will der Bürgermeister dem Eberhofer Franz eine Feier ausrichten. Der hat aber gar keinen Bock auf so ein Trara. dass der Kreisverkehr zwischen Frontenhausen und Niederkaltenkirchen künftig „Eberhofer-Kreisel“ heißen soll, in Anerkennung seiner Verdienste, das gefällt ihm schon besser. (Kenner der Eberhofer-Filme wissen genau, welcher Kreisel gemeint ist!) Doch das wiederum stinkt dem Bürgermeister. Er findet, diese Ehrung hätte ihm zugestanden.

Dem Birkenberger Rudi, Eberhofers Privatdetektiv-Spezl, passt beides nicht. Er macht immer mindestens die halbe Arbeit und der Franz streicht die Belohnung dafür ein. Und jetzt gibt der Rudi mal wieder die 1A beleidigte Leberwurst. 😀

… seine Freunde haben die Krise

Auch in Franzens Freundeskreis ist die Stimmung derzeit nicht gut. Gisela, die Metzgersgattin, hat ein neues Hobby und ihr Mann, der Simmerl, hat ‘ne Krise. Wie das ursächlich zusammenhängt, kann er viel besser erklären als ich. Und das macht er auch … im Buch.

Installateur Ignatz Flötzinger, der „Heizungspfuscher“, verkommt zusehends, seit ihn seine Frau mitsamt den Kindern verlassen hat und zurück nach England gegangen ist. Da hat er wohl einmal zu oft fremdgev*gelt. Nie hätte er gedacht, dass ihm seine Familie, die er nie haben wollte, so fehlen würde. Aber jetzt ist sie weg – und sein Führerschein ebenfalls. Wenn er so weitermacht, sind Haus und Firma auch bald perdü.

Nur beim Eberhofer daheim ist alles wie immer: Papa kifft, Oma kocht und hört nur, was sie hören will, Bruder Leopold redet gescheiter daher als er ist und Franzens Lebensgefährtin Susi scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie weitgehend allein für „Aufzucht und Pflege“ des gemeinsamen Sohns Paul zuständig ist – und dass das mit dem Heiraten in diesem Leben wohl nichts mehr wird.

Lotto-Otto hat Angst und Schulden

Auch wenn alle Welt momentan schlecht drauf zu sein scheint: Franz hat für sowas gerade keine Zeit. Oscar Feistl, 25, genannt „Lotto-Otto“, weil er zusammen mit seiner Mutter den örtlichen Lotto-Laden betreibt, wird bei Franz vorstellig. Er hat bei den falschen Leuten Schulden gemacht, und die drohen jetzt seine Mutter umzubringen, wenn er nicht zahlt. Erst nimmt Franz die Geschichte nicht ernst – die Mafia auf dem Dorf, oder was? -, doch als er hört, wer die Finger in diesen unlauteren Kreditgeschäften drin haben soll, wird ihm doch mulmig.

Er beschließt, Mutter und Sohn Feistl erst einmal aus der Schusslinie zu nehmen. Das gelingt nur unvollkommen. Auf einmal sind die Feistls weg und mit ihnen ein Haufen Geld. Der Lotto-Laden geht in Flammen auf und im Hinterzimmer liegt eine Leiche. Jetzt ist die Lage richtig ernst. Um nicht zu sagen, besch*ssen.

Franz als Einzelkämpfer

Das Dumme ist: Bis auf einen Kollegen in Landshut, der Franz in diesem Fall unterstützt, steht er mutterseelenallein da. Der Birkenberger schmollt und wird darin noch von seiner neuen Freundin Theresa bestärkt. Richter Morawetz glaubt Franz kein Wort, und den offiziellen Dienstweg kann er aus bestimmten Gründen nicht beschreiten. Schaut ganz so aus, als hätte er ein fettes Problem …

Und privat? Seine Kumpels schleichen ja zum Teil schon auf die Fünfzig zu. Da wär’s so langsam an der Zeit, erwachsen zu werden, oder? Simmerl und Frau sind zwar noch im Krisenmodus, aber vielleicht geht ihnen doch noch ein Licht auf, was ihre Beziehung angeht. Der Flötzinger scheint schon begriffen zu haben, was die Uhr geschlagen hat und was er nun zu tun hat. Und mit etwas Glück nimmt sich der Franz Theresas Gardinenpredigt ein wenig zu Herzen. Da kann er sie noch so sehr als Esoteriktussi verunglimpfen: In der Sache hat sie recht.

Endlich erwachsen?

Ganz so entwicklungsresistent, wie es bislang den Anschein hatte, sind die Herren wohl doch nicht. Der Groschen fällt bei ihnen nur langsamer als bei anderen Leuten. Immerhin gibt der Franz in diesem Band schon mal freiwillig zu, dass ein Hinweis seines Bruders („der Schleimsau“) bei den Ermittlungen überaus hilfreich war. Es besteht also noch Hoffnung.

Irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass Franz seine Susi in Band 10 endlich heiratet. Aber nix! Meine Güte, für ihn würde sich ja nicht viel ändern und die Susi möchte es doch so gern! Und außerdem: Sollte dem Franz iwas passieren, steht Susi mit leeren Händen da. Franz schaut nämlich nicht so aus, als hätte er diesbezüglich Vorkehrungen getroffen. Darüber sollte jemand mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden!

Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin, dass nach Band 10 Schluss sein müsste mit der Reihe. Vielleicht, weil ein paar Bände zwischendrin nicht ganz so prickelnd waren und ich dachte, das Konzept rennt sich langsam tot. Aber so, wie ich das sehe, geht’s mit dem Eberhofer, seinem Anhang und seinen Fällen munter weiter. Und der Fall hier war ja nicht schlecht. Ich hätt‘ also nicht direkt was dagegen.

Für Kenner*innen der Reihe: Natürlich gibt’s im Anhang auch wieder Rezepte, auch den titelgebenden Guglhupf, von dem der Franz im ganzen Buch nix abkriegt. Und ein Glossar mit nicht allgemein bekannten Dialektausdrücken hat’s ebenfalls.

Die Autorin

Rita Falk, Jahrgang 1964, hat sich mit ihrer Provinzkrimiserie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Von sich selber sagt die Autorin, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat. Dort hat sie ihre Kindheit verbracht, wuchs bei der Oma auf. Dem ihr so vertrauten Landstrich ist Rita Falk auch als Erwachsene treu geblieben. Sie lebt heute in München. Rita Falk ist mit einem Polizisten verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Abb. © dtv

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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