Jette Jorjan: Augen vor Tränen fast blind. Gedichte

Jette Jorjan: Augen vor Tränen fast blind. Gedichte, Hamburg 2020, Tredition, ISBN 978-3-347-01046-8, Hardcover mit Lesebändchen, 80 Seiten, Format: 12,7 x 0,6 x 20,3 cm, Buch: EUR 14,99, auch als E-Book lieferbar: ISBN 978-3-347-01047-5.

Abb. Tredition /STEF

„Wann?
ist das Wann
für das Ende der Tränen?
Hört es dann
auf, das Sehnen
in all meiner Liebe zu dir?“

(Seite 79)

Wer gerade einen nahestehenden Menschen verloren hat, findet oft Trost darin, wenn jemand anderer für seine Situation und Gefühlslage Verständnis hat. Nicht immer kann das unmittelbare Umfeld nachvollziehen, was der Trauernde im Moment empfindet. Da könnte es hilfreich sein, sich „wenigstens“ von einer Autorin verstanden zu fühlen, die den Weg der Trauer auch schon gegangen ist und ihre Gefühle in sehr persönlichen Gedichten verarbeitet hat.

Jette Jorjan konzentriert sich in ihren Gedichten auf das, was der Verlust in ihr auslöst, weniger auf die konkreten Umstände. Man kann aus den Versen herauslesen, dass dem Tod ein längerer Abschied vorausgegangen ist, das ja. Aber ob man nun ein Elternteil verloren hat oder den/die langjährigen Lebenspartner*in: Man findet sich in diesen Texten wieder. Und sie können tröstend sein.

Der Mensch, den man verloren hat, fehlt einem natürlich noch immer, aber man sieht, dass es anderen Hinterbliebenen ebenso ergangen ist wie einem selbst und dass es vollkommen in Ordnung ist, so zu fühlen, wie man gerade fühlt. Und man hat es bei der Autorin mit einer „Überlebenden“ zu tun. Sie hat die Trauer durchlitten und die Kraft aufgebracht, ihre Emotionen in Worte zu fassen und diesen kleinen Gedichtband herauszubringen, um anderen Betroffenen zu helfen.

Auch wenn es im Moment der Todesnachricht nicht so aussieht: Man bleibt nicht für den Rest seines Lebens in dieser Schockstarre, in der man denkt, die Welt müsse aufhören sich zu drehen. Man kann, will und wird eines Tages wieder Interesse an der Welt haben und etwas Neues auf die Beine stellen – so wie die Autorin dieses Buch.

Das Leben wird zwar nie wieder so sein wie vor dem Tod des geliebten Menschen, aber es geht tatsächlich weiter und man nimmt wieder daran teil.

„Jeder Tag
führt dich zurück
in ein bisschen Leben“

(Seite 37)

Die Autorin

Jette Jorjan, geboren 1951 nahe der ostfriesischen Nordseeküste, nach Stationen in Berlin, England, Frankreich, USA, ist ihr Lebensmittelpunkt mit Mann und fünf Katzen im Sauerland. Als Sekretärin und techn. Übersetzerin (engl., franz.) arbeitete sie bei einem Maschinenhersteller.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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