Amy Greenfield: Ein Fall für Katzendetektiv Ra. Der große Grabraub, Bd. 2 (ab 8 J.)

Amy Greenfield: Ein Fall für Katzendetektiv Ra. Der große Grabraub, Bd 2, (ab 8 J.),  OT: Ra the Mighty, The great tomb robbery, aus dem Englischen von Birgitt Kollmann, München 2022, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-64090-9,Hardcover, 303 Seiten, mit Illustrationen von Felicitas Horstschäfer, Format: 14,4 x 2,8 x 21,2 cm, Buch: EUR 13,00 (D), EUR 13,40 (A), Kindle: EUR 9,99, auch als Hörbuch und Audio-CD erhältlich.

Abb.: (c) dtv Hanser

Bei aller Liebe: Ra, der verwöhnte Kater des Pharao, ist ein verfressenes Faulpelzchen. Er ruht sich aus auf dem Ruhm, ein großer Katzendetektiv zu sein (siehe Band 1: EIN FALL FÜR KATZENDETEKTIV RA. DAS VERSCHWUNDENE AMULETT), zeigt aber null Interesse an den neuen Fällen, die seine unternehmungslustigeren Mit-Detektive, der Mistkäfer Kephri und die Küchenkatze Miu, ständig anschleppen. Geklaute Brotlaibe, verschwundene Dunghaufen, geheimnisvolle Fremde bei Hofe – das alles ist unter seinem Niveau. Er wartet auf den nächsten großen Fall, sagt er. Was er meint, ist: „Lasst mich bloß in Ruhe!“

Reise ins Tal der Könige

Als ihn der Pharao ins Tal der Könige schickt, wo er einem Maler und einem Bildhauer für sein Grabmal Modell sitzen soll, kommt ein bisschen Leben in den Kater. Porträtiert zu werden schmeichelt seiner Eitelkeit, dafür reist er sogar mit dem unsympathischen Wesir. Der Pharao selbst muss leider in Theben bleiben. Ras Freunde, Kephri und Miu, kommen natürlich mit.

Kaum in Set Ma’at eingetroffen, dem Dorf der Handwerker, freundet sich Ra mit „seinem“ Maler Kenamon an. Der ist sehr jung – erst 11 Jahre alt –, außerordentlich begabt und kann wunderbar mit Katzen umgehen. Da tritt bei Ra auch ein bisschen die Eifersucht in den Hintergrund. Katze Miu hat nämlich hier im Dorf ihren Cousin Sabu wiedergetroffen, den großspurigen Chef der örtlichen Katzen, und hängt jetzt dauernd mit ihm ab. Für Ra hat sie kaum mehr Zeit.

Dramatische Verwechslung

Genervt ist der Kater von Goldschmied Neferhotep, der ihm als erstes sein geliebtes Goldkettchen vom Hals nimmt, angeblich um eine Kopie davon für die Statue anzufertigen. Ohne sein Erkennungszeichen schaut der königliche Kater leider aus wie eine ganz gewöhnliche Katze. Die Menschen und Tiere in Set Ma’at lassen es auch prompt am nötigen Respekt fehlen. So kommt es, dass der Wesir schließlich mit einem falschen Kater zurück nach Theben reist. Ra und seine zwei Kumpels haben die Rückfahrt verpasst. Sie waren mit einem neuen Fall beschäftigt, der es in sich hat.

Grabräuber!

Jemand hat das Grab des Pharao Thutmosis II ausgeraubt! Na, jetzt haben die drei tierischen Detektive ja Zeit, sich der Sache anzunehmen! Bis der Wesir in Theben eintrifft, der Pharao die unglückselige Katerverwechslung bemerkt und Hilfe schickt, sitzen sie erst einmal im Dorf fest.

Gott Anubis – der mit dem Schakalkopf – selbst soll das Grab ausgeräumt haben, glauben die Dorfbewohner. Jedenfalls wurde er nachts im Ort gesehen. Jetzt trauen sich die Leute kaum mehr aus dem Haus. Ra und seine Detektivfreunde schon! Und Sabu und dessen Katzen auch. Der möchte jetzt nämlich ebenfalls Detektiv werden und möglichst ein noch besserer als Ra. Also schnüffeln jetzt zwei konkurrierende tierische Detekteien in den Gräbern herum. Da kann die unheimliche Schakal-Gang noch so furchteinflößend „Aaaaanuuuubiiiis!“ jaulen und düstere Warnungen ausstoßen: Die Katzen ermitteln und sind der Wahrheit alsbald auf der Spur.

Den Tätern auf der Spur

Das erfreut die Grabräuber natürlich ganz und gar nicht! Sie tun alles, um von sich abzulenken, Angst zu schüren und Verwirrung zu stiften. Das gelingt ihnen überraschend gut und die Katzendetektive wissen bald nicht mehr, wem sie noch trauen können. Als einer ihrer Freunde aus dem Dorf verschwindet, stellt sich die Frage, ob er schuldig ist oder in akuter Gefahr schwebt. 

So langsam fragt sich Ra auch, ob der Pharao überhaupt bemerkt hat, dass man ihm einen Ra-Doppelgänger untergejubelt hat. Ob er überhaupt nach ihm suchen lässt? Ist er, der königliche Kater, am Ende auf Dauer hier in diesem elenden Wüstenkaff gestrandet?

Wer steht auf wessen Seite?

Dann überschlagen sich die Ereignisse, und selbst der erwachsene Leser staunt, wer hier auf wessen Seite steht. Ich jedenfalls hatte den Verräter nicht auf dem Schirm! Ich glaub’, ich hab’ den einfach unterschätzt.

Wird es den Katzendetektiven gelingen, sämtliche kriminellen Mistkerle in dieser Geschichte der irdischen Gerechtigkeit zuzuführen? Dass die Tiere wissen, wer die Schuldigen sind, heißt ja noch lange nicht, dass sie es auch schaffen, es den begriffsstutzigen Zweibeinern zu verklickern. Und vor allem: Kommen sie wieder heil und gesund zurück nach Theben? Zumindest Ra wünscht sich nichts sehnlicher! Miu kommt in dem Wüstendorf gut klar, Kephri ist alles egal, solange er genügend Dung und Action hat, aber für den verwöhnten Palastkater ist dieses Dorfleben gar nichts!

Ein liebenswertes Großmaul

Kater Ra ist schon ein Unikum! Inzwischen hat er zwar kapiert, dass er auf seine Freunde angewiesen ist und ohne sie überhaupt keine Fälle lösen würde, aber wann er besser seine große Klappe halten sollte, muss er noch lernen. Jede einzelne Zeugenbefragung, bei der es auf Raffinesse und Feinfühligkeit ankommt, macht er mit seiner impulsiven und großmäuligen Art zunichte. Das ist schlecht für die Ermittlungsergebnisse und lustig für die Leser:innen. Manchmal möchte man Ra am liebsten fesseln und knebeln wie den falsch singenden Troubadix aus den Asterix-Comics, weil man es schon kommen sieht, dass er wieder alles vermasseln wird. Trotzdem ist er liebenswert. Katzen dürfen sich eben vieles erlauben.

Spannend, witzig, informativ

Im Anhang gibt’s noch Sachinformationen zum realen Hintergrund dieser phantastischen Geschichte. Die jungen Leser:innen erfahren ein bisschen etwas über das wirkliche alte Ägypten. Das Buch bietet also nicht nur Spannung, Witz und Unterhaltung, sondern auch ein wenig Hintergrundwissen. Ein Personenverzeichnis gibt’s ebenfalls. Das fand ich sehr hilfreich, denn am Anfang tat ich mich mit den vielen neuen Personen und den ungewohnten Namen etwas schwer. („Wer ist nochmal Huya? Ah ja, der Zimmermann! Und Nefru? Die kleine Schwester des Malers? Ach nee, das Kätzchen des Goldschmieds!“)

Ein bisschen gruselig

Die Illustratorin scheint ihren Zeichenstil geändert zu haben. Im ersten Band waren die Bilder detailreicher und nicht ganz so gruselig. Jetzt sind sie irgendwie „gröber“ und expressiver. Die düsteren Gestalten mit den schrecklich vielen Zähnen wären mir als Kind im Traum erschienen. Aber die Kids von heute sind, glaube ich, mehr gewöhnt als wir damals.

Auf den letzten paar Seiten des Buchs findet man eine Vorschau auf Band 3. Die Story geht also weiter. Bis jetzt sieht es so aus, als sei nach dem dritten Band Schluss. Die Reihe ist jedoch international für mehrere Preise nominiert. Vielleicht wird sie ja aufgrund ihres Erfolgs fortgesetzt. Warten wir’s ab.

Die Autorin

Amy Butler Greenfield studierte Geschichte in den USA und England und schreibt nun für Kinder und Jugendliche. Sie wurde mehrfach für ihre Bücher ausgezeichnet. Amy Greenfield lebt mit ihrer Familie am Rande der Cotswolds in England.

Die Illustratorin

Felicitas Horstschäfer studierte Design an der FH Münster. Seit 2009 arbeitet sie als freischaffende Designerin für Verlage im In- und Ausland. Für ihre Arbeiten wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Im Moment lebt sie in Berlin, weil da alles so schön bunt ist.

Die Übersetzerin

Birgitt Kollmann, 1953 in Duisburg geboren, studierte in Heidelberg Englisch, Spanisch und Schwedisch. Sie arbeitete als Übersetzerin im Bereich Entwicklungshilfe, anschließend sechs Jahre in Südamerika, und lebt heute als freie Übersetzerin bei Darmstadt. Für die Reihe Hanser übersetzte sie u.a. die Romane von Erin Entrada Kelly, Joyce Carol Oates und Alison McGhee.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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