Angelika Godau: Luise und ihr Traum von Freiheit. Roman

Angelika Godau: Luise und ihr Traum von Freiheit. Roman. Bd. 3 der Trilogie MEINE URURGROSSMUTTER AUS DER KAISERZEIT. Überarbeitete Neuauflage des 2017 im Gmeiner Verlag erschienenen Romans VIER MORDE UND EIN WEIHNACHTSBRATEN, Zweibrücken 2022, independently published, ISBN 979-8-42908404-6, Softcover, 354 Seiten, Format: 12,7 x 2,03 x 20,32 cm, Buch: EUR 9,99, Kindle: EUR 3,99.

Alle drei Bände der Reihe haben neue Cover bekommen. Wer noch das blaue Buch mit dem Karren auf dem Cover auf seinem Stapel ungelesener Bücher liegen hat: Das ist inhaltlich identisch mit dem linken.

Heidelberg, 2022: Seit eineinhalb Jahren hat die allein erziehende Journalistin Sabrina Wagner (Mitte/Ende 20) nichts mehr von ihrer zeitreisenden Ururgroßmutter aus der Kaiserzeit gehört. Gut, denkt sie, keine Nachrichten sind gute Nachrichten. „Granny“ Luise Klewe aus Detmold, Jahrgang 1868, die erst als junge Erwachsene entdeckt hat, dass sie durch die Jahrhunderte reisen kann, wird die Zeit mit ihrem Verlobten, Heinrich von Raden, genießen. Vielleicht sind sie sogar schon verheiratet. 

Diesen Heinrich muss es ja schwer erwischt haben, wenn er ausgerechnet die eigensinnige Luise heiraten will! Sie ist mit 30 nicht mehr blutjung, hegt für ihre Zeit verblüffend moderne Gedanken (klar, sie besucht ja auch regelmäßig das 21. Jahrhundert!) und hat auch noch einen unehelichen Sohn vom inzwischen verstorbenen Kanzleiminister Otto von Wolfgram. Damit ist sie für einen vornehmen, gut situierten Herrn des 19. Jahrhunderts nicht gerade die ideale Heiratskandidatin. 

Notruf von der Zeitreisenden

Wie dem auch sei: Sabrina freut sich für die beiden. Auch in ihrem Leben hat sich in der Zwischenzeit etwas verändert. Sie ist mit ihren Kindern Isi (6) und Lasse (fast 5) und ihren beiden Katern zu ihrem neuen Freund, dem geschiedenen Tierarzt Karsten Heller, gezogen. Beziehungsweise, ihr Einzug in seine Wohnung befindet sich gerade in der finalen chaotischen Phase. Mitten im größten Durcheinander erscheint „Granny“ Luise. Nicht, wie üblich, in dem alten Sessel, der einst ihr gehört hat und der ihr nun als Zeitmaschine dient, sondern in Sabrinas Träumen mit bruchstückhaften, panisch klingenden Botschaften. Anscheinend wird sie irgendwo gefangen gehalten, weiß aber nicht, warum, von wem und wo.

Sabrina ist schockiert und besorgt, kann ihrer Vorfahrin aber nicht helfen. Für sie funktioniert die Zeitmaschine in Richtung Kaiserzeit nicht. Obwohl … hat sie’s denn schon mal probiert? Grannys Verlobter war offenbar verzweifelt genug, genau das zu tun. Denn plötzlich sitzt er mitten in der Nacht im Schlafzimmer von Sabrina und Karsten. 

Granny wurde entführt!

Die Zeitmaschine hat ihre Mucken. Nur Karsten kann den Besucher aus der Vergangenheit sehen und hören, Sabrina vernimmt lediglich seine Stimme. (Granny ist ja ausschließlich für Sabrina und die Katzen wahrnehmbar, weshalb Karsten ihr die Geschichte auch nie geglaubt hat. Jetzt weiß er, wie das ist!)

Was Heinrich von Raden zu berichten hat, bestätigt Sabrinas Befürchtungen: Granny ist entführt worden. Heinrich, der im Dienst des Kaisers steht und so etwas wie geheimdienstliche Aufgaben erfüllt, hat auch schon einen Verdächtigen. Beweise hat er allerdings keine und er ist auch viel zu sehr durch den Wind, um einen Plan und eine Strategie zu erarbeiten. Sabrina und Karsten helfen ihm dabei. Konkret tun können sie nichts. Es müssen sämtliche Freunde und Verwandte des Paares aus der Kaiserzeit eingespannt werden, um Luise zu befreien. Da die Entführung nur einen Teil der Geschichte ausmacht, verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, dass dies auch unter großem Einsatz gelingen wird. 

Heinrich unter Verdacht

Doch von einem Happy End sind wir noch weit entfernt, denn der Hauptverdächtige im Entführungsfall Luise Klewe wird ermordet aufgefunden. Heinrich gerät unter Verdacht – er könnte sich ja an ihm für die Entführung seiner Verlobten gerächt haben – und wird unter Hausarrest gestellt. Natürlich hat Heinrich den Mann nicht umgebracht! Er hat sogar ein Alibi.

Luise fragt sich, ob eigentlich Heinrichs Chef, der Kaiser, weiß, was die Provinzler hier mit ihm anstellen. Die Frage, ob das den Kaiser überhaupt interessiert, stellt sie sich nicht. Sie ist eine Frau der Tat, lässt über Bekannte Kontakte zum kaiserlichen Hof herstellen, schnappt sich zwei Freunde als Begleitschutz und reist mit ihnen nach Berlin. Was „die Leute“ dazu sagen, ist ihr egal. Jetzt gilt es, ihren Liebsten aus dem Hausarrest zu befreien und den wahren Mörder zu überführen, denn sonst hört das ja nie auf!

Ihrer Zeit voraus

Beflügelt durch das Wissen, was Frauen in 120+ Jahren alles möglich sein wird, ist Luise wild entschlossen, sich beim Kaiser Gehör zu verschaffen. Sie hat ein berechtigtes Anliegen und wird sich von keinem Kerl der Welt sagen lassen, sie solle den Mund halten, heimgehen und Socken stopfen. Ihre unerschrockene und resolute Art macht auf einige Menschen großen Eindruck. Andere wiederum fühlen sich eingeschüchtert, weil diese Frau ihrer Zeit so weit voraus ist. (Gut, dass sie den Grund dafür nicht kennen!) So gesehen ist der Buchtitel mehrdeutig: Nicht nur während ihrer Gefangenschaft träumt Luise von der Freiheit, sondern ihr ganzes Leben lang. Schließlich hat sie die Zukunft gesehen.

Ein Mann seiner Zeit

Und Heinrich? Statt dass er seiner Verlobten dankbar ist für ihr Engagement, ist er gekränkt, weil sie als Frau ihm zu helfen versucht. Wenn das rauskommt, denkt er, steht er als Weichei da. Er ist eben ein Mann seiner Zeit. Die gesellschaftlichen Entwicklungen haben ihn bei seinen Besuchen im 21. Jahrhundert nie interessiert. Er wollte lieber haarklein erklärt haben, wie Autos, Fernseher und Internet funktionieren. Über seine Technikbegeisterung konnte er glatt den eigentlichen Zweck seiner Zeitreise vergessen.

Wird es dem bewährten Team aus dem 19. Und 21. Jahrhundert gelingen, den oder die Mörder samt allfälligen Drahtziehern zu überführen? Kann Heinrich von Raden auf Dauer mit Luises Eigenständigkeit leben oder ist sie ihm doch zu modern und zu anstrengend? In anderen Worten: Wird ihre mehrfach verschobene Hochzeit nun stattfinden oder nicht? 

Mich hätte ja noch interessiert, ob das kreative Arrangement von Luises Berliner Freunden funktioniert und auch wirklich ein Geheimnis bleibt. Und was wohl passiert, wenn sich Sabrina mal in den Zeitreisesessel setzt und ganz fest an Luise denkt. Das könnte allenfalls in einem vierten Band geklärt werden, den es leider nicht gibt. Das ist nun mal eine Trilogie.

Spannend, klug, humorvoll

Ich mag diese Reihe, weil sie so plastisch, spannend und humorvoll die Rolle der Frau im Wandel der Zeit thematisiert. Herrlich, wenn da Welten aufeinanderprallen! Da ist es auch nebensächlich, dass die Geschichte irgendwo zwischen Fantasy, Krimi und „Chick lit“ herumflirrt. Das könnte sich vielleicht hinderlich auf den Verkauf auswirken, weil der Buchhandel eine genaue Genre-Zuordnung verlangt. Wenn ich als Leserin mich gut unterhalten fühle – und das tu ich hier –, dann brauche ich kein Etikett.

Die neuen Cover der gesamten Reihe:

Abb.: (c) A. Godau

Die Autorin

Angelika Godau, geboren in Oberbayern, hat in verschiedenen Regionen Deutschlands gelebt und fast 10 Jahre lang in der Türkei. Sie hat als Journalistin gearbeitet, Psychologie studiert und in Mannheim eine eigene Praxis betrieben. Heute lebt sie mit ihrem Mann, zwei Hunden und einer Katze in Zweibrücken, schreibt Bücher und engagiert sich im Tierschutz.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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