Marlies Ferber: Ein Sommer auf Malta. Roman, Hamburg 2026, Atlantik – ein Imprint des Hoffmann und Campe Verlags, ISBN 978-3-455-02148-6, Klappenbroschur, 222 Seiten, Format: 14 x 2 x 21 cm, Buch: EUR 18,00, Kindle: EUR 15,99, auch als Hörbuch erhältlich.

„Du hättest damals, nach eurer ersten Begegnung, schon auf deine beste Freundin hören sollen. Weißt du noch, was ich dir geraten habe?“
(Seite 67)
Linda nickte, und obwohl ihr gerade noch zum Heulen zumute gewesen war, musste sie lachen. „Vergiss den Ar***.“
Beziehungs-Aus: Neustart in Malta
Die Lehrerin Linda Schneider (30) – Vater Deutscher, Mutter Britin – hat nach 6 Jahren Beziehung die Nase voll von den Affären und Lügen ihres Lebensgefährten David. Immer wieder hat er sich wortgewandt herausgeredet, aber nun reicht’s! Sie verlässt ihn und London und geht als Englischlehrerin an eine private Sprachschule nach Malta. Der Job ist befristet, was danach kommt, ist ungewiss.
Linda fliegt ein paar Tage vor Arbeitsantritt nach Malta – zur Hochzeit ihrer Freundin Claire Plummer mit dem Sizilianer Enzo Camillieri. Herzschmerz hin oder her: Das wird bestimmt romantisch!
Eine interessante Zufallsbekanntschaft
Auch ihr Sitznachbar im Flugzeug, der etwas aufgeblasene Brite Clive Taylor (41) fliegt, wie sich herausstellt, wegen einer Hochzeit nach Malta. Als Scheidungsanwalt hat er allerdings zum Thema Heiraten ein deutlich prosaischeres Verhältnis als Linda. Die beiden ziehen sich gegenseitig ein bisschen auf und haben bis zur Landung eine gute Zeit – genau wie wir Leser:innen. Sie ahnen ja nicht, wie schnell sie einander wiedersehen werden!
Der Anwalt ist sehr angetan von der schlagfertigen Lehrerin. Sie aber ist frisch getrennt und hat den Kopf nicht frei.
Bei ihrem nächsten zufälligen Zusammentreffen geraten Clive und Linda sich über das Thema „Ehevertrag“ in die Haare. Er arbeitet gerade einen für seinen Kumpel aus, sie findet dieses Misstrauen fürchterlich. Clive kann das durchaus nachvollziehen: So vertrauensselig war er auch mal.
Attraktiv ist er ja, der Herr Rechtsanwalt, das muss Linda zugeben. Aber für ihren Geschmack zu zynisch und abgebrüht. Und seine Geheimnistuerei nervt auch. Hat er vielleicht etwas zu verbergen? Da wissen wir Leserinnen mehr als sie …
Zwei weitere Bewerber um Lindas Gunst
Zu Lindas Glück ist ihr Sprachschüler Niko nicht so kompliziert. Der sportliche Ingenieur sprüht vor Unternehmungslust und guter Laune und flirtet ganz offen mit ihr.
Da erscheint noch ein dritter Bewerber auf der Bildfläche: David, Lindas Ex, ist nach Malta gekommen und versucht, sie nach allen Regeln der Kunst zurückzuerobern. Er verspricht ihr alles Mögliche und legt sich mächtig ins Zeug. Man beginnt zu ahnen, wie er war, als sie sich damals in ihn verliebt hat. Aber kann man ihm trauen? Der hat doch sicher Hintergedanken! Kann ein intriganter M*stkerl überhaupt aufhören, einer zu sein? Ich meine, solange er am Leben ist? 😉 – Nee? Also!
Und wie’s so ist: Einer der drei Kerle findet bald jemand Neues, der andere fällt aus seiner Rolle und der dritte fliegt mit seinen Geschichten auf. Und auch in der jungen Ehe von Lindas Freundin hängt der Himmel auf einmal voller Ar***geigen! (Was Leser:innen reiferen Alters schon von Weitem kommen sahen.)
Schluss mit dem Drama! Linda zieht sich zurück
Schluss mit dem ganzen Drama, beschließt Linda und zieht sich von allen zurück. Ein Hoch auf die Blockierfunktion!
Nach Wochen kommt jemand mit Hintergrundinformationen um die Kurve, die manch eine Handlung in ganz neuem Licht erscheinen lässt! Wie’s aussieht, hat Linda einem Menschen, der ihr nahesteht, bitter Unrecht getan. Ist diese Beziehung noch zu retten?
Malta ist mal ein interessanter Handlungsort! Das Land ist ungefähr so groß wie München, und wenn man da zur selben Zeit die Sehenswürdigkeiten abklappert, besteht eine gewisse Chance, dass man sich immer mal wieder über den Weg läuft. So kommt’s zu allerlei folgenschweren Begegnungen-, Ent- und Verwicklungen. Dass gleich drei attraktive Männer um eine Heldin werben, die von den Männern erst einmal die Nase voll hat, kommt in Liebesromanen auch nicht allzu häufig vor.
Die Heldin: naiv oder einfach nur jung?
Im Klappentext stand was von einem Neustart nach einer zerbrochenen langjährigen Beziehung. Anfangs hatte ich keine Vorstellung, wie alt die Heldin ist. Ist sie eine berufliche Wiedereinsteigerin nach 20 Jahren Ehe? Oder ist sie eine Berufsanfängerin mit Mitte 20? Clive bezeichnet sie bei einem ihrer lustigen Wortgeplänkel als „Millennial“. Sie widerspricht nicht. Aber er wehrt sich auch nicht, als sie ihn einen Hundertjährigen nennt. Also habe ich keine der beiden Angaben für bare Münze genommen und auf weitere Hinweise gewartet. Die kamen dann auch, aber erst in der Mitte des Buchs.
In diesem Fall fand ich das Alter der Heldin wichtig, um auf ihre Lebenserfahrung schließen zu können. Ist sie hoffnungslos naiv, weil sie schon beim Gedanken an einen Ehevertrag in die Luft geht? Oder ist sie einfach nur jung und romantisch veranlagt? Eine ehevertragliche Vereinbarung hielt ich in den im Roman geschilderten Fall für durchaus angebracht. Man hätte diese Idee dem weniger begüterten Partner allerdings deutlich diplomatischer nahebringen müssen! Und viel früher!
Ein Wunder wär‘ jetzt schön!
Aber gut: Es ist ja der Grundstoff vieler fiktiver Geschichten, dass die Leute nicht rechtzeitig offen miteinander reden. Da wird getrickst, geschönt und geschwindelt, gemutmaßt und fehlinterpretiert, bis das Chaos so groß ist, dass nur noch ein Wunder helfen kann. 😊
Ein Wunder könnten die Personen in diesem Roman auch gut gebrauchen. Aber sowas gibt’s hier nicht. Die werden sich alle schön aus eigener Kraft aus dem Schlamassel herauswursteln müssen, in den sie sich selbst hineinmanövriert haben.
Zugegeben: Ich bin etwas zu alt für die Lektüre. Ich gehöre eher zum Team „abgebrühte Juristen“ als zu den blind verliebten jungen Frauen. Für naive Vertrauensseligkeit habe ich nicht viel übrig. Dennoch habe ich mich von Linda und ihren grundverschiedenen Verehrern sehr gut unterhalten gefühlt. Und Malta ist sowieso immer eine „Reise“ wert.
Die Autorin
Marlies Ferber arbeitete nach ihrem Sinologiestudium viele Jahre als Verlagslektorin, bevor sie sich ganz dem Schreiben und Übersetzen widmete. Bei dtv ist ihre originelle vierbändige „Null-Null-Siebzig“-Krimireihe um den britischen Agenten a.D. James Gerald erschienen. Nach dem Gesellschaftsroman „Grün ist die Liebe“ erschien mit „Wohin die Reise geht“ ein spannender Roadtrip um vier sehr unterschiedliche Menschen und einen Hund, die ziemlich beste Freunde werden. 2026 erscheint bei Atlantik „Ein Sommer auf Malta“, ein heiterer Urlaubsroman um eine Frau zwischen drei Männern. Marlies Ferber ist freie Dozentin der Bundesakademie Wolfenbüttel sowie von „Schreibland NRW“.
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Rezensentin: Edith Nebel
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