Mariella Blümel: Mein Hund und ich

Mariella Blümel: Mein Hund und ich, Wien 2016, Verlag Perlen-Reihe, ISBN 978-3-99006-050-6, Softcover/KIappenbroschur, 126 Seiten mit zahlreichen, meist ganzseitigen Farbfotos, Format: 10,6 x 2 x 14,7 cm, EUR 12,95.

Abbildung: (c) Verlag Perlen-Reihe
Abbildung: (c) Verlag Perlen-Reihe

MEIN HUND UND ICH bringt uns das kleine Einmaleins des Zusammenlebens zwischen Hund und Mensch bei. Es soll keine Hundeschule ersetzen und auch keine Expertenhilfe, wo diese vonnöten ist. Die Autorin formuliert es so: „Dieses Buch soll einen Einblick in die Welt der Hundeerziehung geben und Hundehaltern und solchen, die es werden wollen, zeigen, wie einfach es sein kann, mit seinem Vierbeiner eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Sie ist die Basis für alle späteren Erziehungsmaßnahmen und macht das eigentliche Training zur schönsten Nebensache der Welt.“ (Seite 6)

Der Mensch hat den Hund in seine Welt geholt, in der die „Hundegesetze“ nicht gelten. In dieser Umgebung werden natürliche tierische Verhaltensweisen abgelehnt und andere gewünscht, die der Hund erst lernen muss. Außerdem gibt es Gefahren, die der Hund selbst nicht einschätzen kann. Deshalb also ist Hundeerziehung notwendig.

Wie man zum souveränen Teamleiter wird


Der Hundehalter seinerseits muss lernen, was einen souveränen, glaubwürdigen Teamleiter auszeichnet und was den Hund zu einem entspannten Begleiter werden lässt. Konsequenz gehört dazu, eine gute Beobachtungsgabe, ein genaues Timing, die richtige Körpersprache, unmissverständliche Kommandos – und viel Übung.

Mariella Blümel versteht ihre Ausführungen als Tipps und Vorschläge. Die individuellen Besonderheiten der verschiedenen Hunde kann sie in diesem Buch naturgemäß nicht berücksichtigen, sie kann aber allgemeine Leitsätze vermitteln.

Wir erfahren, was der Hund alles können muss, um in der Welt der Menschen klarzukommen, und was man ihm demzufolge schon am ersten Tag, in der ersten Woche und im ersten Monat seines Einzugs beibringen sollte. Dabei gilt: „Was der Hund (…) wenn er ausgewachsen ist, nicht darf, darf er jetzt auch nicht.“ (Seite 18)

Wir bekommen ein Basiswissen für das Training mit Hunden (Seite 77 ff) vermittelt, um überhaupt in der Lage zu sein, dem Vierbeiner alles Nötige beibringen zu können. Sie Autorin erläutert die Bedeutung der 10 wichtigsten Kommandos, gibt Anwendungsbeispiele und erklärt kurz, wie man sie seinem Hund vermittelt (Seite 87 ff). Das klingt alles überaus logisch und einleuchtend. Ich hoffe nur, der Hundehalter, der das alles gelesen hat, merkt im Ernstfall auch, wenn das bei seinem Hund und ihm nicht so funktioniert wie es soll und holt sich zeitnah Hilfe. Ich glaube nämlich nicht, dass man mit dem Hund gleichzeitig auch das Talent zum Hundetrainer erwirbt. Mit dem Menschenkind kommt bei den Eltern ja auch nicht automatisch die Gabe des Erziehens.

Kommandos für den Hund, Knigge für den Halter


Da, wie gesagt, nicht nur der Hund was lernen muss, sondern auch sein Mensch, gibt uns die Verfasserin eine „Hundehalter-Knigge“ an die Hand (Seite 107 ff): „10 Regeln des guten Benehmens für das andere Ende der Leine.“ Aus lauter Liebe und Begeisterung für das eigene Tier kann es schon sein, dass Mensch vergisst, dass nicht alle seine Artgenossen Hundenarren sind.

Süß ist ja die Rubrik „Fina fragt“, in der eine kleine Hundedame immer wieder Verständnisfragen zum verhalten ihres Zweibeiners äußert. Geduldig antwortet jeweils die Autorin in einem fiktiven Brief an die „liebe Fina“, erklärt ihr die Zusammenhänge und bittet um Nachsicht für den aus Hundeperspektive manchmal unzulänglichen Homo sapiens. Das hat den Retro-Charme der Zeitschriften-Kummerkästen, wie es sie in den 1970er Jahren noch gab.

Ohne Fleiß kein Preis


Wenn man dem Hund die jeweilige Problematik in einer ruhigen Minute so sachlich erklären könnte, wie in dieser „Fina“-Rubrik, wäre die Hundeerziehung viel einfacher. So aber muss man einiges an Zeit und Energie investieren, damit die Kommunikation mit dem Tier klappt. „In der Hundeerziehung gilt (…) wie überall: ohne Fleiß kein Preis“, schreibt die Autorin (Seite 9). Wer sich diese Erziehungsarbeit unter seinen gegenwärtigen Lebensumständen nicht zutraut, wird sich fragen müssen, ob es wirklich eine gute Idee ist, sich jetzt einen Hund anzuschaffen. So gesehen fungiert dieses Buch auch als Realitäts-Check für potentielle Hundehalter. Auch das ist zum Wohl der Tiere.

MEIN HUND UND ICH ist nicht nur lehrreich, das Büchlein wird auch noch umweltfreundlich produziert: Seit 2011 werden die Bände der Perlen-Reihe umweltschonend hergestellt. Der Druck erfolgt auf FSC-zertifiziertem Papier aus nachhaltigen Quellen unter der Verwendung von Pflanzenölfarben. Aufgrund der klimaneutralen Produktion tragen die Bücher das Gütesiegel von Climate Austria.

Die Autorin
Als Mariella Blümel mit drei Jahren ihren ersten Hund bekam, war es um sie geschehen – und eine lebenslange Leidenschaft geboren. Nach ihrem Studium der Theater- und Kommunikationswissenschaften entschloss sie sich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und absolvierte eine Ausbildung zur Hundetrainerin. Seit einigen Jahren coacht sie Mensch und Hund mit ihrem „Hundsgemein Hundetraining“.

Mariella Blümel arbeitete und lebte bereits mit Alaskan Husky-Rudeln, studierte das Verhalten von Dingos und erforscht aktuell die Welt des „Mantrailing“ – also die Fähigkeit der Hunde, Menschen anhand ihres Eigengeruchs zu verfolgen und zu finden. Darüber hinaus liegt ihr die Arbeit mit traumatisierten Hunden sehr am Herzen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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Ein Kommentar

  1. Kein Kind bekommt mit drei Jahren einen Hund, ausser die Erziehungsberechtigten sind wahnsinnig. So wie Frau Blümel oder Mariano oder wie auch immer selbst.
    Jeder Hund, der bei dieser selbsternannten „Hundetrainerin“ im Training war, hat später Probleme mit anderen Hunden, weil deren Training nicht darin besteht, den Hund zu sozialisieren, sondern ihn zu dressieren.

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