Rob Harrell: Spotz (Band 2). Ein trollkühner Held. Ein Comic-Roman (10 – 12 Jahre)

Rob Harrell: Spotz (Band 2). Ein trollkühner Held. Ein Comic-Roman (10 – 12 Jahre), OT: Life of Zarf – The Troll Who Cried Wolf, aus dem amerikanischen Englischen von Gabriele Haefs, Münster 2016, Coppenrath-Verlag, ISBN 978-3-649-66845-9, Hardcover, Einband mit Hochprägung und Relieflack, 280 Seiten mit zahlreichen Illustrationen des Autors, Format: 16,5 x 3,7 x 21,9 cm, Buch: EUR 14,95 (D), EUR 15,40 (A), Kindle Edition: EUR 11,99.

Abbildung: (c) Coppenrath Verlag
Abbildung: (c) Coppenrath Verlag

Wer Band 1 gelesen hat, weiß schon, dass Trolle in der Rangordnung des Märchenreichs Niegelungen ganz weit unten stehen. Wer ALLES UNTER KONTROLLE nicht kennt, dem erklärt der Troll Spotz Belford, Schüler an der Scherwutz-Gesamtschule, gleich zu Beginn, was hier Sache ist: Balladensänger, Musikanten, Tiere, gewöhnliche Menschen, Zauberer und Hexen, Ogers und Riesen, Ritter und Jubeljungfrauen, Prinzen und Prinzessinnen … sie alle stehen in Ansehen und Beliebtheit weit über ihm und seinen Leuten. Dabei sind Trolle gute Freunde, treu, stark und mutig, nur sind sie eben haarig, nicht allzu schnell im Denken und riechen ein bisschen streng.

Trolle und Wölfe stehen ganz unten in der Hackordnung


Zwei gute Kumpels hat Spotz immerhin: das ängstliche Ferkel Kevin Kleinschwein – ein Sohn eines der DREI KLEINEN SCHWEINCHEN – und Joe K. Flintwater, den absolut unlustigen Filius des Hofnarren.

Noch unbeliebter als Trolle sind nur die Wölfe. Die gelten nach der Pleite mit ROTKÄPPCHEN und dem Fiasko mit den DREI KLEINEN SCHWEINCHEN als die absoluten Verlierer. Sie haben sich unter der Führung des Großen Bösen Wolfs zu einer brutalen Motorradgang zusammengerottet und hausen irgendwo weitab vom Schuss. In Niegelungen wurden jedenfalls schon lange keine mehr gesichtet. Mit wohligem Gruseln erinnert man sich ihrer beim alljährlichen Hust- und Pust-Fest zu Ehren der DREI KLEINEN SCHWEINCHEN.

Kevin Kleinschwein ist verschwunden!


Für Spotz endet das diesjährige Fest mit einer faustdicken Blamage. Schuld daran ist sein Klassenkamerad und Lieblingsfeind, der großspurige Prinz Roquefort. Der hat ihm einen hundsgemeinen Streich gespielt. Doch das ist nichts gegen das, was am Montag in der Schule auf Spotz wartet: Seine Mathe-Lehrerin Miss Flett ist verschwunden und der Aushilfslehrer Mr. Wollenschweif ist offenbar nicht ganz das, was er zu sein vorgibt. Ein sprichwörtlicher Wolf im Schafspelz. Und dann verschwindet auch noch Spotz’ Kumpel Kevin Kleinschwein.

Schnell wird klar: Dahinter stecken die Wölfe. Sie halten die gesamte Familie Kleinschwein sowie die Lehrerin gefangen und verlangen als Austausch für ihre Geiseln Rotkäppchens Kind. Das soll in Scherwutz auf die Gesamtschule gehen, doch davon hat noch nie jemand etwas gehört. Wenn weder Schuldirektor Haggard Bescheid weiß noch die stets gut informierte Kantinenwirtin Goldie Locke – in Kindertagen bekannt als Goldlöckchen – dann sind die Wölfe vermutlich falsch informiert. Das Kind ist gar nicht in Scherwutz. Aber was wird dann aus den Kleinschweins und Miss Flett?

Eine dramatische Rettungsaktion


Plötzlich outet sich eine von Spotz’ Mitschülerinnen als Rotkäppchens Tochter. Die taffe Kleine ist auch sofort bereit, sich gegen die Geiseln austauschen zu lassen. Sie hat viel von ihrer Mutter gelernt und ist überzeugt davon, mit den Wölfen schon irgendwie fertigzuwerden. Doch das kann Spotz nicht zulassen. Er ist ein sehr ritterlicher Troll. Er ringt seinem widerstrebenden Hirn eine Idee ab und startet mit Hilfe von Mrs. Locke und drei Schulkameraden eine fellsträubende und kreischkomische Befreiungsaktion. Und Prinz Roquefort, Spotz’ Intimfeind, wünscht sich bald, nicht so großkotzig dazwischengefunkt zu haben …

Die Geschichte ist witzig, anarchisch, actionreich und voller Anspielungen auf populäre Märchen aus dem deutschsprachigen und angelsächsischen Bereich. Dass die Kids in ihrer etwas altmodisch anmutenden Märchenbuchwelt mit modernen Handys telefonieren, ist einer von vielen schrägen Einfällen des Autors. Allzu etepetete darf man beim Lesen freilich nicht sein: Der Trollhumor ist manchmal etwas deftig.

Text mit Comic-Elementen. Auch für Lesemuffel


Als Comic-Roman gilt das Buch deshalb, weil es auf jeder Seite mehrere Illustrationen hat – mit Sprechblasen. Diese liefern keine redundante Information. Sie gehören zum Fließtext und müssen mitgelesen werden, um die Story verstehen zu können. Die vielen lustigen Bildchen scheinen durchaus geeignet zu sein, selbst Lesemuffel in den Text hineinzuziehen. Wer wissen will, was es mit gezeichneten Szenen auf sich hat, wird die Texte dazwischen lesen müssen und dürfte das vermutlich mit wachsendem Vergnügen tun.

Und ein bisschen was fürs Leben lernt man auch noch: Jeder einzelne der Kumpels mag seine Schwächen haben – der eine hat ein Wutproblem, der zweite Angst und der dritte nervt alle mit seinen Flachwitzen -, aber wenn sie zusammenhalten, bilden sie ein unschlagbares Team und machen selbst das Unmögliche möglich.

Und auch für Band zwei gilt, dass die Übersetzerin einen tollen Job gemacht hat. Wortspiele und Witze zu übersetzen, die zum Teil auch noch bildlich aufgegriffen werden, das ist wirklich nicht so einfach.

Klare Leseempfehlung für die angepeilte junge Zielgruppe sowie für Kindsköpfe jeden Alters.

Der Autor
Rob Harrell ist ein erfolgreicher amerikanischer Comiczeichner. Er hat die Schule überlebt und wohnt heute mit seiner Frau in Austin, Texas.

Die Übersetzerin
Gabriele Haefs, geb. 1953, ist eine deutsche Autorin und Übersetzerin literarischer Werke. Sie studierte Volkskunde, Sprachwissenschaft, Keltologie und Nordistik an den Universitäten in Bonn und Hamburg. Seit den Achtzigerjahren ist sie als Übersetzerin aus dem Norwegischen, Dänischen, Schwedischen, Englischen, Niederländischen und Gälischen tätig. Gabriele Haefs, die mit dem norwegischen Schriftsteller Ingvar Ambjørnsen verheiratet ist, lebt in Hamburg.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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