Georg Fraberger, Roland Raske: Ich verstehe dich. Endlich Klarheit in der Kommunikation

Georg Fraberger, Roland Raske: Ich verstehe dich. Endlich Klarheit in der Kommunikation, Wien 2016, Ueberreuter, ISBN 978-3-8000-7662-8, Hardcover mit Schutzumschlag, 172 Seiten, Format: 14,9 x 2,7 x 22,1 cm, Buch: EUR 19,99, Kindle Edition: 16,99.

Abbildung: (c) Ueberreuter Verlag

„Das Ziel menschlicher Kommunikation soll darin liegen, dass wir einander verstehen, nicht darin, dass der andere macht, was ich sage. In der Hundekommunikation ist nicht Verstehen das Ziel, sondern das Verhalten des Hundes.“ (Seite 164)

Für einen Rezensenten ist es natürlich besonders peinlich, zugeben zu müssen, dass er nicht alles verstanden hat, wenn das Buch ausgerechnet ICH VERSTEHE DICH. ENDLICH KLARHEIT IN DER KOMMUNIKATION heißt.

Kann der Psychologe vom Hundetrainer lernen?


Die Idee, die hinter dem Werk steht, klingt sehr reizvoll: Ein renommierter (Menschen-)Psychologe scheitert an der Erziehung eines Hundewelpen, weil er das Tier wie einen Menschen behandelt. Ein erfahrener Hunde-Coach hilft ihm mit seinem Fachwissen, woraufhin die beiden Experten überlegen, ob man aus der Mensch-Hund-Kommunikation nicht vielleicht was für die Mensch-Mensch-Kommunikation lernen kann.

Kommunikation ist mehr als nur das gesprochene oder geschriebene Wort. Sie „(…) beginnt mit einem Blick, einem Ausdruck von Empfindung, Gefühl oder Wissen und sie benötigt jemanden, der diesen Ausdruck als Botschaft erkennt.“ (Seite 11)

Wie wir alle aus Erfahrung wissen, ist nicht garantiert, dass das, was der eine meint auch genau so beim anderen ankommt. Wenn man sich unverstanden fühlt, bringt es allerdings nicht, laut und unwirsch zu werden. Man muss sich im Gespräch mit seinen Mitmenschen – genau wie bei der Hundeerziehung – fragen: Wie muss ich kommunizieren, damit ich verstanden werde? Und es gegebenenfalls nochmals ganz anders versuchen. Wichtig ist, dass man eindeutig bleibt, ganz egal, ob man es mit Mensch oder Hund zu tun hat. Sobald Worte, Mimik und Gestik einander widersprechen, wird es für den Kommunikationspartner verwirrend.

Verschiedene Kommunikationsmodelle


Georg Fraberger stellt uns verschiedene Kommunikationsmodelle vor. Von Paul Watzlawicks Sender-und-Empfänger-Modell hat man schon gehört. Auch die Transaktionsanalayse von Eric Berne und das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun sind bekannt. Marshall Rosenbergs Modell der gewaltfreien Kommunikation war mir dem Namen nach neu, genau wie das Modell, das der Autor selbst aufgestellt hat. Nach dem Fraberger’schen Kommunikationsmodell hat jede Botschaft vier Aspekte, die in vier Phasen übermittelt werden:

  1. Emotionalität
  2. Identität und Menschenbild (wer ich bin und was ich vom anderen halte)
  3. Unbewusste Ziele
  4. Die Seele. (Hier zeigt man seinem Gegenüber etwas von seinem innersten Wesen, davon, was einen ausmacht).

Oft ist schon nach Stufe 1 Schluss mit der Kommunikation – man reagiert auf die Stimmung des anderen und kriegt den Rest gar nicht mehr mit. Eine rein sachliche Kommunikation gibt es also gar nicht. Es spielt immer noch Persönliches mit hinein.

Wir erfahren einiges über Missverständnisse, deren Folgen und den Umgang damit. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit Liebe und Partnerwahl. Je enger die Beziehung, desto dramatischer sind die Folgen, wenn es mit der Kommunikation nicht klappt.

Wie Mitgefühl zum Problem werden kann


Dass das Mitgefühl, das man empfindet, zum Problem werden kann, war mir neu. So, wie der Autor das beschreibt, habe ich es noch nie gesehen. Wie man sich nicht davon stressen lässt, erklärt er uns zum Glück auch. Im ersten Moment klingt es ein bisschen herzlos, was man da machen soll, doch es hält einem eine Menge Probleme von der Backe. Leicht umzusetzen ist es sicher nicht.

In einem anderen Kapitel geht es um die „Erziehung zur Beziehung“ und darum, wie man Werte kommuniziert. Wir erfahren etwas über Autorität und Respektverhalten und darüber, was Konsequenz, also Folgerichtigkeit, Unbeirrbarkeit und Entschlossenheit, in einer Beziehung anrichten kann. Das ist nämlich durchaus nichts Positives!

Wie meint er das genau?


Vielleicht ist dieses Buch nicht der richtige Einstieg in die Arbeit von Dr. Georg Fraberger. Möglicherweise sollte man seine anderen Bücher kennen oder ihn in einem seiner Workshops erlebt habe, um seinen Ausführungen wirklich in vollem Umfang folgen zu können. Ich habe mehr als einmal das Bedürfnis gehabt, nachzufragen, wie er das eine oder andere denn meint.

  • Man soll wertschätzend kommunizieren und seine Mitmenschen so lassen, wie sie sind.
  • Man soll stets konsequent zu seinen Werten stehen und unbeirrbar seine Meinung vertreten.
  • In einer Beziehung dagegen hat Konsequenz nichts zu suchen. Denn das führt nur dazu, dass man den anderen beschämt, beschimpft, bestraft, kränkt oder demütigt.
  • Ziele und Erwartungen darf man bei der beziehungsinternen Kommunikation auch keine haben.
  • Man muss für alle Entwicklungen offen sein, auch für die, den Partner eventuell zu verlieren. Sich zu verbiegen und zu verstellen bringt nichts außer Spannungen.
  • Man muss verstehen, was den anderen umtreibt, sich dessen Gefühle aber nicht zu eigen machen. Wenn der andere neidisch, wütend oder verliebt ist, ist das allein dessen Problem. Man muss nicht darauf eingehen, sondern kann neutral, ausweichend und unverbindlich reagieren.

Irgendwas muss ich übersehen haben, denn ich lese hier heraus: Jeder macht, was er will, und was die anderen tun oder möchten, ist egal, wenn man es gar nicht an sich heranlässt. Und das kann ja nicht gemeint sein.

Solange die Beziehungspartner dieselben Bedürfnisse haben, ist alles gut, aber wenn nicht? Wie kommt man dann zu einem Kompromiss? Wie einigt man sich im Konfliktfall, wenn jeder nur seine eigenen Bedürfnisse einfordert und keiner sich verbiegen soll? Kommt man echt durchs Leben, ohne jemals etwas tun zu müssen, das man nicht so toll findet?

Und wie ist das jetzt mit der Konsequenz?


Darf auch bei der Kindererziehung nichts, was der Nachwuchs tut, Konsequenzen haben? Ich rede nicht von Ohrfeigen oder Handyverbot, sondern von Erfahrungen wie „Wenn du trödelst und zu spät zur Schule kommst, dann musst du für die Folgen geradestehen!“. Das ist doch auch eine Konsequenz. Aber „wenn – dann“, heißt es hier, geht gar nicht. Oder bedeuten für Psychologen manche Begriffe etwas ganz anderes als für den Laien?

Wäre „Bringst du bitte mal den Müll runter?“ bereits eine verbotene zielgerichtete Kommunikation? Sie zielt ja auf eine bestimmte Aktion ab. Und wenn man vom anderen nichts erwarten darf, gilt das auch für die absoluten Basics? Ich würde zumindest meine körperliche Unversehrtheit und eine einigermaßen respektvolle Behandlung erwarten und durchaus Konsequenzen ziehen, wenn dem nicht so wäre.

Verwirrter statt klüger


Fallbeispiele, die die theoretischen Überlegungen in die Praxis überführen, gibt es schon, aber die sind manchmal sehr kurz gehalten. Wenn in acht Zeilen die Geschichte einer Ehe abgehandelt wird, geht mir das zu schnell (Seite 101). Ich bin noch dabei, mich über das Zustandekommen der Beziehung zu wundern, und da das Paar schon wieder geschieden. Okay, das ist jetzt ein Extrembeispiel. Ich will damit auch nur sagen, dass ich oft mehr Informationen gebraucht hätte, als mir das Buch geliefert hat. So bin ich durch die Lektüre eher verwirrter als klüger geworden. Und dabei ist mir das Thema „Kommunikation“ von Ausbildung und Beruf her durchaus vertraut.

Aus einer Buchvorstellung:

Die Autoren
Dr. Georg Fraberger, geboren 1973 in Wien, ist österreichischer Psychologe und Autor, der ohne Arme und Beine geboren wurde. Mittlerweile Psychologe an einer Universitätsklinik in einem der größten Krankenhäuser Europas, verheiratet, vier Kinder. Der Bestsellerautor zeigt, dass man in jedem Körper ein glückliches und erfolgreiches Leben führen kann mit der richtigen Kommunikation.

Roland Raske, seit über 30 Jahren als Tiertrainer weltweit erfolgreich bei schwierigen Aufgaben mit Mensch und Tier. Seit über zehn Jahren schult Roland Raske kompetente, private Hundetrainer persönlich zum Hunde-Coach für Haus- und Spaziertermine. Er ist der erste HundeCoach-Lehrer, der ein völlig neues Bewegungs-Trainings-System erfand und mit Erfolg zahlreichen Familien geholfen hat.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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