Kartons – ein altes Verlagswesen zieht um

Als ich in den 80er-Jahren in meine derzeitige Wohnung zog, hatte ich ein paar gebrauchte Küchenmöbel, ein wenig Geschirr, eine beachtliche Menge Klamotten und 13 Kartons mit Büchern. Der Rest wurde neu angeschafft. Jetzt ziehe ich wieder dort hin zurück, woher ich damals gekommen bin. Und es ist ein Albtraum im Karton, denn dazwischen liegen drei Jahrzehnte Verlagstätigkeit und eine unfassbare Anzahl an Büchern. Und noch einen Unterschied gibt es: Als ich herkam, hatte ich noch gesunde und fitte Eltern und einen Lebenspartner. Die leben jetzt alle nicht mehr. Wenn ich Hilfe brauche, muss ich Freunde oder Verwandte darum bitten. Mache ich ungern, aber es bleibt mir ja nichts anderes übrig. Manches kann ich einfach nicht alleine.

Die Möbel lasse ich dann schon von einer Firma transportieren, aber die Bücher und den sonstigen Kleinkram würde ich mir gern vorab schon vom Halse schaffen. Wie soll ich denn den ganzen Hausstand auf einmal in Kartons packen, wenn ich die außerhalb der Wohnung nirgendwo im Gebäude lagern darf? Mein Umzug auf Raten sieht dann so aus: Ich räume daheim die Regale leer und packe alles in Kartons, die ich auch selbst noch tragen kann. Wenn die Bude voll ist und ich wirklich nur noch seitwärts durch die Wohnung hoppeln kann, bitte ich jemanden mit einem großen Auto um ein bis zwei Fuhren ins Haus.

 

Dann schleppe ich die Kartons erst in den Hausgang und dann zum vereinbarten Termin vors Haus, damit alles ganz schnell eingeladen werden kann und der jeweilige Helfer nicht auf mich warten muss. In einer Stunde schaffen wir auf diese Weise zwei Fuhren.

Im Haus habe ich noch keine Regale. Die lasse ich mir erst anfertigen, wenn ich eingezogen bin. Ich hab zwar eine grobe Vorstellung davon, wo wie viele Regalbretter hin müssen, aber speziell in Wohnzimmer und Büro kann ich das im Detail erst dann sagen, wenn die Möbel drinstehen. Also werden die Kartons gelagert, wo auch immer Platz ist. Wir üben uns im Hochstapeln.

Zum Teil habe ich die eingeschleppten Bücher im Haus in bereits existierende Regale vorsortiert. Aber dort sollen sie nicht auf Dauer bleiben. Ich brauch Platz für die, die ich bei Booklooker anbiete.

So langsam sieht man Lücken in den Regalen meiner Wohnung. Dennoch steht das ganze wie ein Mount Everest aus Büchern vor mir. Aber, wie meine Kollegin immer so weise sagt: „Irgendwann ist auch das vorbei“.

2 Kommentare

    1. Die sind zwar davon genervt, dass ich die ganze Zeit hin- und herrenne, aber nachts machen sie Turmspringen von den Kartonburgen – ins Bett.

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