Heinz Marecek: Lauter lachende Lyrik

Heinz Marecek: Lauter lachende Lyrik, Wien 2016, Amalthea Signum Verlag, ISBN 978-3-99050-064-4, Hardcover mit Schutzumschlag, 141 Seiten, Format: 12,6 x 2,2 x 19,5 cm, Buch: EUR 20,-, Kindle Edition: EUR 14,99.

Abbildung: (c) Amalthea Signum Verlag

»Sobald mir ein Gedicht so gut gefällt, dass ich das Bedürfnis habe, es anderen Menschen zu erzählen, schreibe ich es ab, lerne es meistens bei der Gelegenheit gleich auswendig, und es kommt in einen Ordner. Immer wieder war plötzlich ein Gedicht da, über das ich laut lachen konnte. Und oft ist ja der Autor so eines Gedichtes einer, von dem man diese Art von Lyrik nicht erwartet hätte – das ist natürlich immer am lustigsten.« (Seite 13)

Heinz Marecek war mir bislang hauptsächlich als Schauspieler aus verschiedenen Fernsehserien bekannt. Ich mag die Figuren, die er spielt/e, ob das nun der naseweise Gastronom ist, der sich in SOKO KITZBÜHEL immer in die Ermittlungen der Polizei einmischt oder der charmante wenn auch reichlich zwielichtige Lebenskünstler in der LINDENSTRASSE. Und ich hatte immer den Eindruck, dass hinter diesen Rollen ein Mensch mit Geist und Humor stecken muss.

Das Beste aus Mareceks Gedichtesammlung


Dass er lustige Gedichte liebt und diese in einem ein Programm mit dem Titel LAUTER LACHENDE LYRIK vorträgt, war mir neu. Als ich las, dass er aus seiner persönlichen Gedichtsammlung ein Best-of zu einem Buch zusammengestellt hat da musste ich es haben.

„Herrlich komische Meisterwerke von Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine, Wilhelm Busch bis Karl Farkas, Hugo Wiener und Peter Hammerschlag“, verspricht der Klappentext, und er verspricht nicht zu viel. Ob Nonsens oder Hintersinn, ob Jahrhunderte alt oder recht aktuell, politisch, allzu menschlich oder sogar ein bisschen schweinisch – hier gibt es vieles zu entdecken, zu schmunzeln und zu lachen. Beim Lesen habe ich mir die ganze Zeit vorgestellt, wie es wohl wäre, die Texte tatsächlich von einem Meister seines Fachs vorgetragen zu bekommen. Noch vergnüglicher als das Selberlesen, nehme ich an. Und im Geiste hörte ich Herrn Marecek reden …

Das Buch steigt ein mit Gedichten von Erich Kästner, einem wichtigen „Fackelträger“ der lachenden Lyrik. Aber, ätsch, ihr Kästner-Erben, die ihr so gerne googelt: Ich werde den Teufel tun und hier auch nur eine einzige Zeile zitieren, so göttlich die Gedichte auch sein mögen. Ich lasse mich nämlich nicht abmahnen.

Lästerliches auch von Lessing und Goethe


Lessing und Goethe hätte ich solche lästerlichen Verse, wie wir sie in diesem Band finden, gar nicht zugetraut. Heine schon eher. Und Wilhelm Busch allemal. Natürlich ist auch Heinz Erhardt vertreten und man hat ihn sofort vor Augen und seine Stimme im Ohr. Seine Vortragskunst kennt man ja, vorausgesetzt, man ist im entsprechenden Alter, aus dem Fernsehen.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Marecek die Gedichte, die er vorträgt, alle auswendig kann und sein Manuskript nur zur Sicherheit und Orientierung dabei hat, dann ist das eine reife Leistung. Gut, ein Schauspieler hat Routine im Auswendiglernen, da sind im Gehirn vermutlich Synapsen vernetzt, die bei unsereinem seit der Schulzeit vernachlässigt vor sich hin kümmern. Trotzdem: Ein Gedicht wie Otto Jandls „Ottos Mops“ zu lernen, stelle ich mir ausnehmend schwierig vor. Und Peter Hammerschlags „Kaffee-Klatsch“ ist diesbezüglich auch nicht von schlechten Eltern.

Skurril wird’s mit Karl Valentin, politisch mit Erich Mühsam und Karl Farkas, schräg mit Robert Gernhardt, der mich hier mit Texten überrascht, die ich aus meiner Jugendzeit kenne – aus dem Bühnenprogramm von Otto Waalkes. „In den 1980er-Jahren war Gernhardt gemeinsam mit Bernd Eilert und Peter Knorr unter dem Kürzel GEK-Gruppe als Co-Autor diverser Otto-Shows tätig. Er gab auch Bücher von Otto Waalkes heraus und war am Drehbuch von vier Otto-Filmen beteiligt.“, weiß Wikipedia. Ich wusste das nicht. Wieder was gelernt.

Pikant und amüsant


Und dann kommen wir auch schon zum Kapitel „lüsterne Lyrik“. Hier wird’s pikant bis regelrecht versaut. Sehr amüsant, auch wenn’s vielleicht nicht jeder mögen wird. Hier dürfen sich Friedrich Schlegel, Oskar Ansull, Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Hugo Wiener, Claus Cäsar Zehrer, Fritz Grünbaum und Peter Hammerschlag so richtig austoben.

Im Anhang findet der Leser zu (fast) jedem im Band vertretenen Dichter ein paar wichtige Informationen. Die ganz Großen kennt man natürlich, doch es sind auch ein paar dabei, die mir zumindest nur dem Namen nach bekannt waren – oder noch gar nicht. Diese hier neu gewonnenen „Bekanntschaften“ lassen sich jedoch zum Glück ganz leicht vertiefen.

Der Autor
Heinz Marecek, geboren 1945 in Wien, Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar, Regisseur und Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt von 1971 bis 1998, Inszenierungen in Wien an der Volksoper, am Volkstheater, in Mörbisch, in Reichenau und Bern. Übersetzer, Autor und seit Jahren fast ausschließlich im Film und im Fernsehen tätig (»Bergretter«, »SOKO Kitzbühel«).

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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