Andrew Shaffer: Hope Never Dies. Ein Fall für Obama und Biden. Kriminalroman

Andrew Shaffer: Hope Never Dies. Ein Fall für Obama und Biden. Kriminalroman, OT: Hope Never Dies, aus dem Amerikanischen von Eva Bonné, München 2019, Droemer Verlag, ISBN 978-3-426-30746-5, Klappenbroschur, 318 Seiten, Format: 13,5 x 2,5 x 20,9 cm, Buch: EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99, auch als Hörbuch lieferbar.

Abb. (c) Droemer-Verlag

„Das wichtigste Beweisstück war verloren. Ich hätte den Brief kopieren sollen, bevor ich das Haus verließ. Ich hatte immer gewusst, dass meine mangelnde Weitsicht mich eines Tages in die Bredouille bringen würde. Wie groß sie sein würde, hatte ich allerdings nicht geahnt.“ (Seite 281)

Wilmington/Delaware, USA 2016: Jetzt wissen wir also, warum Joe Biden, Jahrgang 1942, noch einmal für das Präsidentenamt kandidiert: Als Ex-Vizepräsident ist es ihm daheim schlichtweg fad. Er hat nicht viel zu tun, sein Ruhm verblasst selbst an seinem Wohnort, ja man hat sogar seine Leibwächter abgezogen, weil er jetzt nicht mehr so wichtig ist, dass er auf Staatskosten beschützt werden müsste. Seine deutlich jüngere Ehefrau hat Interessanteres zu tun, als dauernd um ihn herumzuwuseln, und was ihn am allermeisten wurmt: Von Barack Obama, den er bewundert und als Freund betrachtet, hört er rein gar nichts mehr. Und das nach 8 Jahren vertrauensvoller Zusammenarbeit!

Alter Sack und coole Socke

Obama jettet jetzt durch die Welt und hat jede Menge neuer Promifreunde. Da ist Joe, der spießige Provinz-Opi, natürlich abgemeldet. Alter Sack und coole Socke, das passt außerhalb der beruflichen Zwangsgemeinschaft wohl doch nicht zusammen.

Das alles erzählt uns Joe Biden in der Ich-Form – im Stil des Roman bzw. Film noir. Allerdings mit einem quengelig-wehleidigen Unterton, was das Genre ziemlich durch den Kakao zieht. Die noir-Detektive waren doch immer so eisenharte Kerle, die nichts erschüttern konnte.

Eines späten Abends steht plötzlich Obama bei Joe im Garten, begleitet von seinem Bodyguard, dem ehrgeizigen jungen Secret-Service-Agent Steve. Die beiden bringen schlechte Nachrichten für Joe: der Zugschaffner Finn Donnelly ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Joe kannte ihn aus der Zeit, als er regelmäßig mit der Bahn von Wilmington nach Washington D.C. pendelte. Sie waren ins Gespräch gekommen und hatten sich angefreundet.

Mysteriöser Tod eines alten Bekannten

Jetzt also ist Finn tot. Ausgerechnet vor einen Zug soll er sich geworfen haben! Das hätte der altgediente Amtrak-Mitarbeiter niemals einem Lokführer aus seinem Kollegenkreis angetan! Drogen soll er bei sich gehabt haben, er, der, genau wie Joe, als überzeugter Abstinenzler weder Alkohol noch Koffein zu sich nahm! Und weshalb der Secret Service und das FBI sich für den Todesfall interessieren: Er hatte eine Karte bei sich, auf der das Anwesen der Familie Biden markiert war.

Obama ist gekommen, um seinen ehemaligen Stellvertreter zu warnen: Wenn Finn in was Kriminelles verwickelt und sein Tod womöglich gar kein Suizid war, könnte auch Biden in Gefahr sein. Er solle doch bitte einen privaten Sicherheitsdienst engagieren. Biden denkt gar nicht daran. Er setzt sich vielmehr in den Kopf, die Umstände von Donnellys Tod selbst aufzuklären. Polizist Dan Capriotti, den Joe schon ewig kennt, bestärkt ihn darin, dass dies nötig sei. Offenbar war der Verstorbene doch nicht nur der biedere Familienvater, als den Joe ihn kannte.

Amateur-Ermittler Joe ist überfordert

Der Fall wird immer seltsamer: Bei Finns Witwe taucht ein Seelsorger auf, der keiner ist, und als die Donnellys von der Beerdigung kommen, hat jemand ihr Haus durchwühlt. Die Drogenfahndung mischt sich ein und eine rabiate Versicherungsdetektivin. Amateur-Ermittler Joe Biden ist bald heillos überfordert.

Obama bringt es nicht übers Herz, Joe so planlos wursteln lassen und hilft ihm. Sein Bodyguard macht gottergeben mit. Dessen Job ist es nun mal, den Ex-Präsidenten zu beschützen, wie fahrlässig dieser auch immer agiert. 

Nobody is perfect – nicht einmal Obama

Zu dritt gurken sie also mit Obamas überdimensioniertem SUV durch die Lande, gehen Spuren nach und Leuten auf die Nerven. Dabei legen sie sich mit mehreren ermittelnden Behörden an, mit kleinen und großen Ganoven – und mit einer Kuh. Das geht nicht ohne Blessuren ab. Vor allem Joe und der arme Bodyguard müssen ordentlich einstecken. Bei Obama wird, egal was passiert, nicht einmal das Hemd zerknittert. 😀

Joes Groll wächst. Ja, ja, Obama ist der Coole, der immer einen Plan hat, stets wie aus dem Ei gepellt daherkommt, sportlich fit ist und sich nur von ekelhaft gesundem Zeug ernährt. Er dagegen, Joe, hat seine besten Jahre hinter sich, ein kaputtes Knie und eine ungesunde Vorliebe für Junkfood. Und er macht niemals Pläne. Er agiert stets spontan.

Die beiden Männer haben lange zusammengearbeitet, sie kennen die Stärken und Schwächen des jeweils anderen genau und kabbeln sich wie ein altes Ehepaar. Doch nobody is perfect, nicht einmal Obama. Der ist genauso überrascht wie Joe, wenn sich wieder mal ein Freund als Feind entpuppt und umgekehrt …

Roman noir trifft Bromance

Okay: Außerhalb der USA krepiert so mancher Gag, weil Witze über Promis, Firmen oder Sportarten, die der Leser nicht kennt, auch nicht zünden können. Aber wenn der schnodderige noir-Ton (1) mit dem Bromance-Gezicke (2) kollidiert, ist das schon komisch:

(1) „Der Laden war schon alt, als ich noch ein Kind gewesen war, und jetzt war er noch älter. Wahrscheinlich würden manche Leute über Dan Capriotti dasselbe sagen.“ (Seite 27)

(2) „Ich habe zwanzig Minuten gebraucht, um die Rückbank [deines Autos] so weit freizuschaufeln, dass Steve Platz zum Sitzen hat. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn du mit geöffneten Fenstern Gas gibst und er ganze Abfall hinausgewirbelt wird. Du gehst ein hohes Unfallrisiko ein.“
„Tut mir leid, wenn ich meinen Wagen nicht vom Secret Service reinigen lassen kann wie gewisse andere Leute“, murmelte ich.“
(Seite 117)

Ja, am „Dreamteam“ müssen die zwei noch arbeiten, aber den komplexen und überaus wendungsreichen Fall lösen sie … irgendwie. 

Privatdetektiv statt Präsidentenamt?

In den USA hat der Autor die zwei Helden schon auf einen weiteren Fall angesetzt. Wenn’s also nix wird mit dem Präsidentenamt, wäre für Biden immer noch eine Karriere als Privatdetektiv drin – wenn er sich nun mal nicht mit dem Ruhestand anfreunden kann. Aber das politische Amt wäre ihm schon lieber. Einmal möchte er doch die Nummer eins sein. Bei ihren privaten Ermittlungen hinkt er ja auch nur dem lässigen Obama hinterher.

Diese überaus schräge Idee wurde spannend und amüsant umgesetzt. Dass man die Hauptakteure aus dem realen Leben kennt, macht natürlich den Reiz dieses Konzepts aus. Als Joe Smith und Barry Jones wären die zwei nur halb so witzig.

Jetzt dürften zwei Seelen in der Brust des Autors wohnen: Wenn Biden Präsident würde, käme ihm das politisch sicher gelegen, geschäftlich aber nicht: Die schöne Krimiserien-Idee wäre damit hinüber.

Der Autor

Andrew Shaffer ist Autor zahlreicher New York Times Bestseller u. a. »The Day of the Donald: Trump trumps America« und »Fifty Shames of Earl Grey«. Er lebt mit seiner Frau, der Autorin Tiffany Reisz, in Lexington, Kentucky. Er unterrichtet am Carnegie-Center for Literary and Learning. »Hope Never Dies« ist sein Krimi-Debüt.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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