Maria Almana: Wer schreibt, darf eigensinnig sein. Kreativität, Selfpublishing und Eigensinn

Maria Almana: Wer schreibt, darf eigensinnig sein. Kreativität, Selfpublishing und Eigensinn. Ein Plädoyer, kein Schreibratgeber, Pulheim 2020, Edition Texthandwerk, ISBN 978-3-347-15258-8, Softcover, 384 Seiten, Format: 14,81 x 2,18 x 21,01 cm, Paperback: EUR 14,99, Hardcover: EUR 22,99.

Cover:  S. Taggruber / U. Ronnenberg

Ich bin sowohl ein Maulwurf als auch ein Eichhörnchen – mit leichter Tendenz zur Amsel. Nur eine Katze bin ich definitiv nicht. 😀 Nein, das ist kein neumodisches Horoskop! Das ist das Resultat des Tests „Welcher Schreibtyp sind Sie eigentlich?“ aus diesem Buch. Es sei nur ein Spiel, betont die Autorin – und doch erkenne ich darin meine Denk- und Arbeitsweise wieder. 

Verschiedene Typen, verschiedene Arbeitsweisen

Insgesamt ein Dutzend tierischer Typen stehen zur Auswahl, und das zeigt vor allem eines: Wir sind, denken, arbeiten und schreiben verschieden. Deswegen gibt’s auch keine Universal-Ratschläge, die für jede*n passen. Außer vielleicht diesem: Wenn wir etwas zu sagen haben und es uns danach drängt, ein Buch zu schreiben, sollten wir das so machen, wie es sich für uns gut und richtig anfühlt.

„Da möchte jemand unter allen Umständen von dem erzählen, was er oder sie gesehen, erlebt, gelernt oder durchlitten hat. Es ist der klassische Fall von: ‚Ich muss das unbedingt erzählen, ich kann nicht anders.’ Das ist ein deutlicher Impuls von Eigensinn.“ (Seite 163)

Und durch diesen Eigensinn werden Autor*innen und Leser*innen verbunden: 

„Über Bücher und Geschichten tauschen wir uns aus. Wir lernen scheinbar Altbekanntes anders zu sehen, erfahren Neues über Dinge, die uns bislang fremd oder unbekannt waren.“ (Seite 163)

Selbstpublishing als Glücksfall

O ja, das kann ich bestätigen! Vor allem in den letzten 20 Jahren habe ich eine Vielzahl von unkonventionellen Büchern gelesen und eine Menge dabei erfahren und gelernt. Auch wenn es Maria Almana in erster Linie um Sachbücher geht, habe ich durchaus auch faszinierende und inspirierende eigensinnige Romane und Kurzgeschichten-Sammlungen gelesen. Manche davon sind in bekannten großen Verlagshäusern erschienen, andere haben bei kleinen, experimentierfreudigen Verlagen ihre Heimat gefunden. Nicht wenige sind im Selfpublishing entstanden – was längst nicht mehr gleichbedeutend mit „amateurhaftem Hobbygeschreibsel“ ist! Das kann man heute überaus professionell aufziehen, gegebenenfalls mit Unterstützung von entsprechenden Dienstleistern. 

Das ist für die Autor*innen in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn, oder wie der ehemalige Journalist und Verleger Ruprecht Frieling sagt: 

„Aus Bittstellern, die bislang an den Toren der etablierten Verlage kratzen und sich im Ernstfall deren geschmacklichen und ökonomischen Vorgaben anpassen mussten, sind über Nacht selbstbewusste  Publizisten geworden.“ (Seite 261)

Wer oder was hilft uns beim Schreiben?

Wenn man also Buch schreiben möchte, gibt’s heute verschiedene Wege, es zu veröffentlichen. Was man sich von seinem Buch erhofft, darüber sollte man sich allerdings beizeiten klar werden: Will man Geschichten erzählen, Wissen weitergeben, das Buch schreiben, das man selbst gerne lesen würde oder möchte man sich als Expert*in für ein bestimmtes Thema ins Gespräch bringen, um beruflich davon zu profitieren – oder welche Gründe es sonst noch geben mag. Wer jedoch mit dem Vorsatz loszieht, auf Anhieb einen Bestseller zu schreiben und damit unermesslich reich zu werden, wird mit einer Enttäuschung rechnen müssen. So ein Geniestreich gelingt nur ganz wenigen. 

Was man auch in Betracht ziehen sollte: dass ein eigensinniges Werk auch auf Unverständnis und Ablehnung stoßen kann. Mit Kritik, auch der unsachlichen Art, muss man umgehen können.

Wenn wir jetzt also wissen, warum wir etwas schreiben wollen, wo und wie wir es veröffentlichen können – das Für und Wider von Verlag und Selfpublishing wird hier ausführlich beleuchtet -, wer oder was hilft uns dann beim eigentlichen Schreiben? Bringen Schreibkurse etwas? Oder Schreib-Ratgeber? Jjjjjein! Es kann nützlich sein, es kann uns aber auch verwirren und verunsichern.

Ein Schreibcoach, vielleicht?

Erst muss uns bewusst sein, wer wir sind, wie wir ticken, was – und wohin –  wir selbst möchten. Wenn wir das nicht wissen, laufen wir Gefahr, „der Wahrnehmung, dem Weg, den Ideen und Schwerpunkten fremder Menschen zu folgen. Genau das ist aus meiner Sicht grundfalsch.“ (Seite 27) Wenn man das Gefühl hat, Unterstützung zu benötigen, wäre vielleicht ein Schreibcoach ein Weg. Da muss aber meines Erachtens zwischen Coachee und Coach die Chemie stimmen und ein ähnliches Vertrauensverhältnis herrschen wie zwischen Patient und Therapeut. Sonst geht man am Ende vielleicht doch mit den Ideen eines anderen Menschen nach Hause.

WER SCHREIBT, DARF EIGENSINNIG SEIN ist zwar ausdrücklich kein Schreibratgeber – das steht ja schon auf Cover -, aber Beispiele, Tipps, Anregungen und Übungen findet man hier auch. Man kann damit seinem persönlichen Eigensinn auf die Spur kommen und die eine oder andere erprobte Methode entdecken, die einem ein bisschen weiterhilft. Auf jeden Fall ist das Buch für Schreibende ein Wegweiser durch den Dschungel der Möglichkeiten.

Konkret und von praktischem Nutzen

Nachdem mir der erste Band MEIN KOMPASS IST DER EIGENSINN etwas zu „hoch“ und zu theoretisch war – ich bin nun mal keine Geisteswissenschaftlerin – empfinde ich das vorliegende Buch als deutlich konkreter und sehe mehr praktischen Nutzen darin. Zu meinem Eigensinn gehört nun mal, dass ich ganz schrecklich pragmatisch bin.  

Jetzt bin ich gespannt auf Band 3: EIGENSINN VERBINDET. Darin wird es Interviews geben mit eigensinnigen Menschen aus der sich ständig wandelnden Buchbranche. Als altes Verlagswesen (seit fast 40 Jahren dabei), stelle ich mir das überaus interessant und erhellend vor.

Die Autorin

Maria Almana wurde 1960 zu Füßen des Herkules in Kassel geboren, lebt mit Mann und Hund im Rheinland und fand immer schon, dass Sprache die aufregendste Heimat der Welt bietet. Sie ist Magistra Artium der Germanistik, Geschichte und Philosophie, zertifiziert als Schreib- und Systemischer Coach, seit einigen Jahren selbstständig als Texthandwerkerin (www.texthandwerkerin.de), Buchhebamme (www.buchhebamme.de), Lektorin und Schreibcoach. Fast zeitgleich mit den Möglichkeiten von Selfpublishing entdeckte sie den Eigensinn als Lebenskunst und Schreib-Maxime. Denn Eigensinn ist nicht nur ein unbestechlicher Kompass für unsere Orientierung im Dschungel viel zu vieler Möglichkeiten. Er führt uns auch auf direktem Weg zu uns selbst. Und zu einem besseren Verständnis untereinander. Darum ist er auch das perfekte Schreib-Instrument.

Rezensentin: Edith Nebel   
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

Ein Kommentar

  1. Liebe Edith,

    schon als ich las, was du zu meinem (eher theoretischen) ersten Buch der Trilogie des Eigensinns zu sagen hattest, habe ich gehofft, dass es so kommen würde … Dass du wenigstens den zweiten Teil magst. Es war von Anfang an wirklich so gedacht: Teil eins für Theorie-Junkies (wie mich), Teil zwei für alle Menschen mit Sinn für Pragmatismus – wie dich. Und in Teil 3 treffen sich dann hoffentlich Menschen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen. Ist in Arbeit.

    Ganz herzlichen Dank für deine unermüdlich tolle Arbeit!!!
    Maria

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