Sophie Feige: Polizeikater Champ. Ein Katzensprung ins Glück (ab 12 J.)

Sophie Feige: Polizeikater Champ. Ein Katzensprung ins Glück (ab 12 J.),  Senden 2021, Traum3 Verlag, ISBN 978-3-75491577-6, Softcover, 328 Seiten, Format: 12,5 x 1,91 x 19 cm, Buch: EUR 13,99, Kindle: EUR 4,99.

Abb.: (c) Traum3 Verlag

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landet Maine-Coon-Kater Champ als hilfloses kleines Kitten allein auf der Straße. Kater Diabolo, der Chef einer kriminellen Katzengang, nimmt sich des Kleinen an, rettet ihn vor dem Hungertod und wird für ihn zu einer Vaterfigur. Doch Diabolo tut nichts aus reiner, äh, Katzenfreundlichkeit. Er zieht sich mit dieser Aktion einen treuen Helfer heran, dem er, genau wie seinen anderen Lakaien, unter dem Siegel der Verschwiegenheit in Aussicht stellt, später mal sein Nachfolger zu werden. So tun alle brav, was Diabolo will, weil sie ihre Position als „Kronprinz“ nicht gefährden wollen.

Ein Kater bei der Hundestaffel!

Wie sehr Diabolo unseren Helden Champ manipuliert, bekommen wir Leser:innen erst nach und nach mit. Zunächst erleben wir, wie der kleine Maine-Coon-Kater im Tierheim landet und dort von der Schäferhündin Lucy und ihrem Menschen dafür ausgewählt wird, bei der Ausbildung der Polizeihund-Rekruten mitzuwirken. Keine Sorge: Die Hunde sollen den Kater nicht jagen! Er soll beruhigend auf sie einwirken. Manche Katzen können das wohl.

Lucys Hintergedanken dabei: Der schlaue Champ soll ihrem Neffen, dem schusseligen Welpen Rocky, bei seiner Ausbildung ein bisschen auf die Sprünge helfen. Doch auch Champ hat einen geheimen Plan. Besser gesagt, Diabolo hat einen: Der Kater soll sich das Vertrauen der Polizeihunde erschleichen. Davon verspricht sich der Gangsterboss eine Art Polizeischutz für seine illegalen Aktivitäten … und auch sonst noch allerlei.

Champ ist jung, haltlos und leicht zu beeindrucken. Die Welt der Hunde ist ihm zwar fremd, doch es gefällt ihm, wie sie zusammenhalten und für ihr Rudel sorgen. Und dass er dem ungeschickten Rocky durch die Prüfungen helfen kann, ist für ihn ein Erfolgserlebnis. Kurz: Er fühlt sich als Polizeikater sehr wohl. Der Gedanke, seine neuen Freunde hintergehen zu sollen, bereitet ihm Unbehagen. Seinem Ziehvater und Förderer Diabolo fühlt er sich aber auch verpflichtet. Und er fürchtet sich vor ihm, weil er weiß, wozu der Kerl fähig ist. 

Polizist oder Gangsterboss?

Der arme Champ ist also in einen massiven Loyalitätskonflikt geraten. Er eiert herum, mogelt sich durch und weiß selbst nicht so recht, was er will. Je enger er sich der Hundestaffel anschließt, desto schäbiger und weniger erstrebenswert erscheint ihm ein Dasein als Gangsterboss. Wenn da nur nicht seine Liebe zu Diabolos Tochter Chocolate wäre! Diese Beziehung kann er knicken, wenn er aus der Gang aussteigt. Wobei das vermutlich noch sein geringstes Problem wäre.

Anscheinend hat aber Diabolo diese Entwicklung schon vorausgesehen. Nur einen Gefallen soll der Jungkater ihm noch tun, danach ist er frei. Erleichtert geht der naive Champ darauf ein, nicht ahnend, dass er geradewegs in eine Falle läuft. Jetzt zeigt sich, wer wirklich seine Freunde sind …

Das ist ein Buch für Katzen- und für Hundefreunde. Die Szenen, in denen Champ mit allen Tricks und wachsender Verzweiflung versucht, den dusseligen Rocky durch die Prüfungen zu bringen, sind zum Piepen! Sehr berührend ist es, wie die alte Hündin Lucy, die spürt, dass ihre Tage gezählt sind, ihre letzten Angelegenheiten regelt. Champs Zerrissenheit ist gut nachvollziehbar und die Art, wie windige Geschäftemacher und gefühllose M*stkerle mit Tieren umgehen, macht einen sprachlos. Manches, was die Autorin hier schildert, ist schon krass! 

Witzig, spannend – aber nicht ganz rund

Spannend ist das Buch, weil man unbedingt wissen will, wie Champ sich entscheidet und welche Konsequenzen das für ihn hat. Und doch … so ganz rund ist die Geschichte nicht. An den Schnittstellen zu den Menschen knirscht es ein bisschen. Auch in einer Welt, in der Tiere so vermenschlicht denken und handeln wie hier, werden sich die Zweibeiner nicht so vor deren Karren spannen lassen. Die Hundestaffel rückt nicht aus, nur weil die Hunde das möchten. 

Vom kriminellen Superhirn geleimt

Und ich glaube, ich hätte das kriminelle Superhirn Diabolo mehr geschätzt, wenn ich mich nicht fortwährend von ihm übertölpelt gefühlt hätte. Immer ist er allen anderen einen Schritt voraus, auch uns Leser:innen! Ihn kann nichts überraschen, erschüttern oder sonstwie aus dem Konzept bringen, weil er ja alles im Voraus gewusst und genau so geplant hat. Ich denke lieber mit als vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Ätsch, reingefallen! Diabolo hat euch wieder mal alle geleimt!

Ob die Geschichte ursprünglich mit menschlichen Hauptfiguren geplant gewesen ist? Jugendlicher aus dem Gang-Milieu bewirbt sich aus den falschen Motiven bei der Polizei, findet wider Erwarten Gefallen an seiner Aufgabe und weiß nicht mehr, wohin er gehört. Das hätte auch funktionieren können, aber wenn man die Story mit Menschen erzählt hätte, wären manche Ereignisse vielleicht doch zu brutal für ein Jugendbuch gewesen.

Das Buch hat tolle Momente, aber restlos überzeugt bin ich nicht von dem Konzept.

Die Autorin

Sophie Feige, Jahrgang 1997, wurde in Bayern geboren. Das Medizinstudium führte sie nach Wien, wo sie bis heute lebt. 

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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