Barbara Laban: Mitternachtskatzen, Band 1: Die Schule der Felidix (ab 9 J.)

Barbara Laban: Mitternachtskatzen, Band 1: Die Schule der Felidix (ab 9 J.), Ravensburg 2022, Ravensburger Verlag, ISBN 978-3-473-40863-4, Hardcover, 316 Seiten mit s/w-Illustrationen von Jérôme Pélissier, Format: 15,3 x 3,4 x 21,5 cm, Buch: EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99. Auch als Hörbuch lieferbar.

Abb.: (c) Ravensburger Verlag

Ein Stipendium für Nova

Nova Loxleys Pflegemutter hält nicht viel davon, dass Nova ein Stipendium für ein exklusives Londoner Internat bekommt. Aber ein bisschen geht’s ihr auch wie all den Pflegeeltern vor ihr: Sie ist erleichtert, das Mädchen auf gute Weise wieder loszuwerden. Nova ist den Menschen unheimlich: Sie hat Zirkusblut in den Adern, ihre Mutter ist vor Jahren verschwunden, ihr Vater sitzt im Knast – wenn er nicht gerade wieder einmal ausgebrochen ist. Er hat ihr vieles beigebracht: Sie kann klettern wie ein Affe, bewegt sich leise wie eine Katze, hat einen ausgezeichneten Orientierungssinn und kann schon seit dem Grundschulalter alle erdenklichen Schlösser knacken.

Die Eltern des anderen Neuzugangs an der Schule, Henry, stellen keine Fragen. Sie sind Forschungsreisende und den größten Teil des Jahres in entlegenen Weltregionen unterwegs. Sie sind froh, ihren Jungen irgendwo gut aufgehoben zu wissen.

Was lernt man hier im Internat?

Das noble Internat ist im berühmten Londoner Tower untergebracht. Es ist winzig – es hat gerade mal ein halbes Dutzend Schüler:innen. Schulleiter Horatio unterrichtet mehr schlecht als recht sämtliche Fächer. Überall laufen Katzen herum, die der Schulleiter liebevoll seine „Gäste“ nennt. Der erwachsene Leser fragt sich, was an der Schule so exklusiv sein soll. Die Kinder lernen hier ja gar nichts! Bis sich durch Zufall herausstellt, worum es hier wirklich geht: Hier werden Katzenbeschützer ausgebildet, so genannte „Felidix“. Die müssen erst die Katzensprache verstehen, ehe sie in den Genuss des vollständigen Unterrichts kommen. Und nicht jeder Kandidat schafft das.

Bei Nova und Henry geht das blitzartig. Sie wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, als eines Abends ein Streunerkater auftaucht, sich als Edison vorstellt und explizit von ihnen Hilfe erbittet. Die ebenso ehrgeizige wie skrupellose Siamkatze Penelope hat mit Hilfe ihrer Schergen die Katzenkönigin Quinn von Piccadilly gefangengenommen, den Großteil ihrer Leibwache – die Mitternachtskatzen – außer Gefecht gesetzt und will sich nun selbst zur Königin krönen. Das muss verhindert werden, denn eine so grausame Königin braucht die Tierwelt nicht!

Wichtig: Diese Rettungsmission muss geheim bleiben. Weder Schulleiter Horatio noch die Klassenkamerad:innen dürfen davon erfahren. Nova und Henry sind zwar als Katzenbeschützer denkbar unerfahren, argumentiert Edison, aber sie verfügen über Fähigkeiten, die den Katzen besonders wichtig erscheinen: Bei Henry ist es sein überdurchschnittlich ausgeprägter Geruchssinn, bei Nova all das, was sie von ihrem Vater gelernt hat. Ob die Katzen wissen, dass das Mädchen auch eine ganz spezielle Karte von London besitzt …?

Operation „Rettet die Königin!“

Auch, wenn es schwierig ist, an Hector, Horatios misstrauischen roten Riesenkater vorbeizukommen … wenn Henry es hasst, nachts unterwegs zu sein und wenn Nova für Operation „Rettet die Königin“ ihren Vater versetzen muss, den sie ohnehin nur so selten sieht: Die beiden Kids geben alles, um die Königin Quinn und ihre Getreuen aus dem unterirdischen Verlies zu befreien, in dem Penelope sie gefangen hält. 

Die Zeit drängt. Immer mehr Streunerkatzen verschwinden, und von den legendären Mitternachtskatzen ist nur noch Shayan auf freiem Fuß. Wenn Penelope den auch noch in ihre Gewalt bekommt, steht ihrer Krönung nichts und niemand mehr im Weg …

Das Abenteuer fängt erst an

Sprechende Katzen, mutige Kinder mit besonderen Talenten und geheimnisvoller Vorgeschichte, gruselige Gemäuer, Intrigen und Gefahren – aber auch unverbrüchliche Treue und Freundschaft: Hier ist alles drin, was eine Abenteuerreihe für junge Katzenfreund:innen braucht. Es gibt natürlich auch was zu lachen! Und wenn man den Katzen in dem Buch glauben kann, fängt das Abenteuer gerade erst an! Mit den beiden Findelkätzchen „Ick“ und „Ubi“ kündigt sich bereits das nächste Rätsel an, das die Katzenbeschützer:innen wohl zu lösen haben werden. Außerdem ist da ja noch die undurchsichtige Sache mit Novas Eltern …

Gut, im ersten Band einer neuen Fantasyreihe muss immer vieles erklärt werden. Das bremst ein bisschen das Erzähltempo. So richtig spannend wird’s hier erst, als der Rettungstrupp im unterirdischen London unterwegs ist. In den Folgebänden dürfte die Geschichte deutlich schneller auf den Punkt kommen.

Die Illustrationen von Jérôme Pélissier sind klasse – das sind regelrechte Gemälde! Das Buch ist überhaupt sehr ansprechend gestaltet. 

Abb.: (c) Ravensburger Verlag, Foto: E. Nebel

Wahrscheinlich würden jetzt alle jungen Leser:innen am liebsten sofort auf diese Katzenflüsterer-Schule gehen. Damit Eltern dieser Idee etwas abgewinnen könnten, müsste der zerstreute Schulleiter Horatio bei der Allgemeinbildung aber noch zwei, drei Schippen drauflegen. Das Thema scheint er nämlich nur zu gern zu vernachlässigen. Und ich glaube nicht, dass man allein vom Katzenbeschützen leben kann. 😉

Die Autorin

Barbara Laban studierte Sinologie und Japanologie in München, London und Taipei. Nach dem Studium arbeitete sie als Übersetzerin, Therapeutin für chinesische Medizin und Studienleiterin in München und Amsterdam. Ihr Kinderbuchdebüt Im Zeichen des Mondfests wurde 2012 mit dem Goldenen Pick ausgezeichnet. Seitdem schreibt sie auf Deutsch und Englisch Bücher für Kinder und Jugendliche. Barbara Laban lebt seit über zehn Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in London.

Der Illustrator

Jérôme Pélissier hatte schon als Absolvent der Kunsthochschule École Estienne in Paris regelmäßig Besuch von Katzen, denn es gilt unter ihnen als große Ehre, von ihm gezeichnet zu werden. Mittlerweile lebt der Illustrator mit seiner Familie in einem der schönsten Dörfer Frankreichs in der Bretagne.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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