Jette Jorjan: Hoppelopp und Hummelum, Kinderroman (ab 6 J.)

Jette Jorjan: Hoppelopp und Hummelum, Kinderroman (ab 6 J.), Hamburg 2021, Tredition, ISBN 978-3-347-48780-2, Softcover, 272 Seiten, mit zahlreichen s/w-Fotos und Illustrationen verschiedener Urheber, Format: 12 x 1,8 x 19 cm, Buch: EUR 12,–, Hardcover: EUR 20,–.

Cover: M. Bartscher / STEF / Tredition

Kleiner Hase ohne Durchblick

Hasenjunge Hoppelopp war der Kümmerling in seinem Wurf und ist immer noch klein und ungeschickt. Seine Geschwister wissen nichts mit ihm anzufangen und seine Eltern machen sich Sorgen: Wird er jemals alleine zurechtkommen?

Der erwachsene (Vor-)Leser ahnt, was mit dem kleinen Kerl nicht stimmt, seiner Hasenfamilie offenbart dies erst die Traumgöttin: Hoppelopp sieht schlecht und rennt deswegen überall dagegen! Jetzt kann man als Hase ja nicht einfach in die Stadt fahren und zum Optiker gehen. Aber auch für dieses Problem weiß die Traumgöttin eine Lösung. Wie die genau aussieht, sei an dieser Stelle nicht verraten, aber der kleine Hase bekommt bald vollen Durchblick. Total begeistert läuft er in den Wald, schaut sich alles an – und findet nicht mehr nach Hause! Jetzt muss er wirklich selbstständig leben.

Bunt und knurrig: Hexe Hummelum

Unterwegs trifft er auf eine andere Außenseiterin, die ein ähnliches Schicksal hat wie er: Die gute Hexe Hummelum, eine Heilerin, weiß, wie es ist, angestarrt und ausgelacht zu werden. Sie hat von Natur aus mehrfarbige Haare sowie ein blaues und ein grünes Auge. Auch sie vermisst ihre Familie und hat ein Handicap, das sie nur sehr ungern zugibt: Sie hört schlecht.

Der kurzsichtige Hase und die schwerhörige Hexe freunden sich an und bestehen im Folgenden ihre Abenteuer gemeinsam. Dass sie von Charakter und Temperament her sehr unterschiedlich sind, ist dabei kein Hindernis. Die Erfahrungen, die sie im Leben machen mussten, schweißen sie zusammen.

Der sanfte, wohlerzogene Hase Hoppelopp will allen Lebewesen helfen. Hexe Hummelum hätte die Möglichkeiten dazu, hat aber meist keine Lust. Wenn sie ihre Ruhe haben will, ist sie hemmungslos knurrig und pampig. Zwar kann sie mit einer Engelsgeduld körperliche Krankheiten behandeln, doch für die seelischen Nöte anderer hat sie kein Verständnis. – Figurprobleme? So ein Quatsch! Warum sollte jemand eine andere Gestalt haben wollen als die, die die Natur für seine Art vorgesehen hat? – Heimlich verliebt? Wo ist das Problem? Dann spricht man denjenigen eben an, an dem man interessiert ist, dann wird man schon sehen. Man kann sich aber auch anstellen!

Ungleiche Freunde

So ist die kleine Hexe drauf. Aber der gutherzige Hase lässt nicht so schnell locker. Und wenn Hummelum sich schließlich dazu hat überreden lassen, jemandem zu helfen und alle glücklich und zufrieden sind, freut sie sich auch. Es soll aber keiner glauben, dass man mit jedem Unfug zu ihr kommen kann!

Die zwei ungleichen Freunde sind ein lustiges Gespann, und die Tiere und Pflanzen des Waldes sind auch immer für einen Lacher gut. Die Zypresse spricht mit französischem Akzent, den man wahrscheinlich erst üben muss, ehe man einem Kind die Geschichte vorliest: „Kügelründer Küschelwüschelbüsch“. Wenn sie die kleine Hexe mit „Ümmlüm“ anspricht, können sich die beiden Freunde ein Grinsen nicht verkneifen.

Über das „Wäää bättäää?“ („Wie bitte?“) des Eichelhähers kringelt sich nur der Hase. Von seinem ständigen Gekicher ist Hummelum bald genervt. Ich habe die Hexe anfangs ebenfalls für ein Kind gehalten, aber ich glaube, dass sie deutlich mehr Lebenserfahrung hat als ihr Kumpel Hoppelopp. Keine Ahnung, wie lange Hexen brauchen, um erwachsen zu werden. 😉

Helden mit Ecken und Kanten

In einer phantastischen, märchenhaften Welt ist alles möglich und die Leser:innen können nie voraussehen, was als nächstes passieren wird. Die Geschichte ist voller Überraschungen. Das ist das Tolle daran. Dies und die Tatsache, dass Hoppelopp und Hummelum keine Superhelden sind, sondern Lebewesen mit Macken und Eigenheiten. Dass ihre jeweilige Behinderung nicht weggezaubert und „repariert“ wird, damit sie so sind wie die anderen, ist auch schön. Sie bekommen aber Hilfsmittel an die Hand, mit denen sie ein selbstbestimmtes Leben führen und fast alles tun können, was sie gerne tun möchten.

Ein bisschen hadere ich mit den Illustrationen. Die sind ein Mix aus Schwarzweiß-Fotos und Zeichnungen von verschiedenen Künstlerinnen. Entsprechend unterschiedlich sind die Stile: Manche Abbildungen sind realistisch, andere sehen aus wie Cartoons, wieder andere wirken wie naive Kinderzeichnungen. Vielleicht fällt das den jungen Leser:innen gar nicht weiter auf oder es ist ihnen egal. Ich selbst bevorzuge eine einheitliche Gestaltung und empfinde eine Mischung stets als etwas verwirrend. Der phantasievoll-witzigen Geschichte der beiden grundverschiedenen Freunde tut das aber keinen Abbruch. Sie würde wahrscheinlich auch ganz ohne Bilder funktionieren.

Die Autorin

Jette Jorjan, geboren 1951 nahe der ostfriesischen Nordseeküste, nach Stationen in Berlin, England, Frankreich, USA, ist ihr Lebensmittelpunkt mit Mann und fünf Katzen im Sauerland. Als Sekretärin und techn. Übersetzerin (engl., franz.) arbeitete sie bei einem Maschinenhersteller. 

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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