Anna Fleck: Meeresglühen. Für immer versunken (Band 3, ab 14 J.)

Anna Fleck: Meeresglühen. Für immer versunken (Band 3, ab 14 J.), Münster 2022, Coppenrath Verlag, ISBN 978-3-649-63908-4, Hardcover, 492 Seiten, Format: 15,1 x 4,7 x 21,4 cm, Buch: EUR 20,00, Kindle: EUR 14,99, auch als Hörbuch lieferbar.

Cover Meeresglühen Band 3
Abb.: (c) Coppenrath Verlag

„Willkommen an Bord, Baby, begrüßte mich meine innere Stimme. Bereit für eine Fahrt ins Unbekannte? –  Kein bisschen. Ich atmete ein, tief und zittrig. Aber scheiß drauf. Los geht’s!“ 

(Seite 287)

Eine Berlinerin in Atlantis

Blondinen haben mehr Spaß? Das ist auch nur so ein Hollywood-Klischee! Die Berlinerin Ella Keane, 18  – ihr englischer Nachname stammt vom Vater – hat mit ihrer goldenen Mähne nichts als Ärger. Im unterseeischen Atlantis, wo sie seit einem halben Jahr inkognito lebt, weist ihre Haarfarbe sie als Bewohnerin der Oberfläche aus. Das kann sie das Leben kosten. Denn mit denen da oben wollen die da unten nichts zu tun haben.

Das andere Extrem gibt’s auch: Religiöse Atlanter sehen in der Blondine eine Gesandte der „Göttin der Winde“ und erbitten ihren Segen. Ellas goldenes Haar erinnert sie wohl an die allgegenwärtigen goldenen Statuen der Göttin. Auch das ist gefährlich, denn was geschieht, wenn Ella den Erwartungen der Gläubigen nicht gerecht wird und man sie als gewöhnliche Sterbliche enttarnt?

Verliebt in den Prinzen

Wie Ella nach Atlantis gekommen ist, wird in den Bänden 1 und 2 erzählt (MEERESGLÜHEN: GEHEIMNIS IN DER TIEFE und MEERESGLÜHEN: WIEDERSEHEN IN ATLANTIS.) Warum sie wider alle Vernunft und entgegen ihren Beteuerungen nicht an die Oberfläche zurückgekehrt ist, ist schnell erklärt: Sie liebt den atlantischen Königssohn Aris und er liebt sie. Doch als Prinz muss er aus politischen Gründen Prinzessin Elyria von Pacifika heiraten. Die hatte zwar auch andere Pläne für ihr Leben, aber so ist das nun mal in Königshäusern.

Auch wenn es verrückt ist: Am Tag der königlichen Hochzeit mischt Ella sich heimlich unters Volk um mit eigenen Augen zu sehen, dass Aris für sie für immer verloren ist. Und dann gibt es doch noch einen Aufschub, wenn auch aus einem schrecklichen Grund: Ein heftiges Erdbeben unterbricht die Trauungszeremonie, die daraufhin auf unbestimmte Zeit verschoben wird.

Erdbeben!

Das ist nicht das erste schwere Beben dieser Art. In jüngster Zeit gab’s mehrere. Noch so eines, und Atlantis und Pacifika sind Geschichte! Die beiden Königreiche haben nicht genügend Schiffe, um alle Bewohner:innen auf die Oberfläche zu evakuieren.

Religion und Wissenschaft gehen bei den Atlantern und Pacifikern nahtlos ineinander über. Die Menschen dort glauben zu wissen, wer die Erdbeben auslöst: „Der aus der Tiefe“, der Krakengott, dem es nicht passt, wie sie „seine Kinder“ behandeln. Damit ist die Diener-Kaste von Atlantis gemeint, die telepathisch kommunizierenden „Statthalter“. Das sind menschenähnliche Wesen, die äußerlich ein bisschen was von einem Hai haben. Für die meisten Atlanter sind sie rechtlose Sklaven. Doch der Krakengott sieht offenbar mehr in ihnen. Aus Gründen.

Ein Opfer für den Krakengott

Jetzt wollen die Atlanter eine Delegation in den unterseeischen Graben schicken, in dem sie diesen Gott vermuten, und ihn besänftigen – mit einem Menschenopfer! Das Opfer muss jemand aus der Aristokratie sein, und eine Anzahl hochgeborener Zeugen braucht diese Zeremonie auch. Deren Chance, wieder heil nach Hause zu kommen, ist jedoch gering. Und so finden sich Ella, Prinz Aris, sein Statthalter-Kumpel, der Heiler Som und dessen Lebensgefährtin, die Kriegerin Saa zusammen mit anderen Edelleuten an Bord eines U-Boots wieder. 

Leider ist der großspurige und übergriffige Neron aus dem Hause des Stiers auch mit von der Partie. Ihm gehört das Schiff. Ein unangenehmer Kerl, der seine eigenen egoistischen Ziele verfolgt. An Götter glaubt er genau so wenig wie Ella. Was immer da unten ist, Monster, Alien oder Maschine: Wenn es tatsächlich die Erdbeben auslöst, wird er, sie oder es erledigt und gut ist’s. Diese Einstellung wird noch zu einer Menge Problemen führen, denn ganz so einfach ist die Sache nicht! 

Verlustreiche Mission

Die „Mission Menschenopfer“ erweist sich als gefahrvoll und verlustreich. Und wenn sie Creepy nicht hätten, den cleveren Land-Octopus der kleinen Kapitänin Tis, wäre das Unternehmen von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Creepy ist der einzige, der weiß, wo der Krakengott zu finden ist und kennt den Weg dorthin.

Eine ungeheuerliche Entdeckung

Ella, Aris und Som stoßen in der Tiefe des Meeres auf die Spuren einer uralten Zivilisation, auf eine längst tot geglaubte Feindin, auf giftige Quallenmenschen und auf eine ungeheuerliche Wahrheit, die alles, woran die Atlanter und Pacifiker seit Jahrhunderten glauben, als gigantische Lüge entlarvt. Wenn das zuhause bekannt wird, wird nichts mehr so sein, wie es war. Eine Revolution wird das geben! Doch das ist im Augenblick das geringste Problem der drei. Denn jetzt begegnen sie dem, was wirklich da unten im Tiefseegraben haust.

  • Egal, was das nun ist: Kann man mit „Dem in der Tiefe“ in irgendeiner Weise kommunizieren?
  • Ist er/sie/es wirklich für die Erdbeben verantwortlich?
  • Ist es nötig, einen der Ihren zu opfern, damit die Beben aufhören  – oder kann man sich anderweitig handelseinig werden?
  • Sind am Ende alle Bemühungen für die Katz und keiner, der zur „Mission Menschenopfer“ aufgebrochen ist, wird überleben? Es sieht ganz danach aus …

Faszinierende Unterwasserwelt

Mit Atlantis und Pacifika hat Anna Fleck eine herrlich faszinierende Welt geschaffen. Man würde das alles zu gerne mal sehen! Auch die politische Situation ist nachvollziehbar. Es geht da unten ganz ähnlich zu wie bei uns an der Oberfläche: Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht, will sich seine Pfründe sichern und nur ja nichts riskieren. Es wird intrigiert, vertuscht und gelogen, dass es eine wahre Pracht ist. Nicht einmal vor Mord schrecken die machtgierigen Gestalten zurück! 

Dass der Prinz unter diesen Umständen keinen Bock hat, das Reich zu regieren, wundert uns nicht. Er ist ja immer davon ausgegangen, dass einer seiner Brüder König werden wird. Nach deren Tod hat plötzlich er den Job an der Backe – und die pacifische Prinzessin, die ihn ebenso wenig heiraten will wie er sie.

Kriegen sie sich denn?

Vom ersten Band an habe ich mich gefragt, ob und wie die Autorin die beiden Liebenden – Ella und Aris – zusammenbringen will. Da Atlantis seine Existenz vor den Menschen an der Oberfläche geheim halten muss, gibt’s eigentlich nur drei Möglichkeiten: 

  1. Sie leben gemeinsam an der Oberfläche
  2. Sie leben gemeinsam in Atlantis
  3. Es gibt kein Happy End für die beiden. Sie kommen gar nicht zusammen.

Ich hatte noch die heimliche Hoffnung auf eine originelle vierte Variante, auf die ich selbst nicht gekommen bin. Wofür die Autorin sich schlussendlich entschieden hat, darf jede:r selber lesen.

Vielleicht liegt’s daran, dass ich’s generell nicht so mit Märchenprinzen habe: Ich hatte auch in Betracht gezogen, dass Ella ihren Prinzen sausen lässt und stattdessen den schlagfertigen Ratsherren Dromos nimmt. Er ist derjenige, der sie am Ende von Band 2 wieder mit nach Atlantis genommen hat, statt sie an Land abzusetzen, und der sie seitdem versteckt hält. 

Die zwei sind ständig zusammen, unterhalten und kabbeln sich und er scheint an ihr interessiert zu sein. Das hätte was werden können! Okay, vielleicht – nur vielleicht! – sieht Prinz Aris besser aus als der Ratsherr. Aber Aris ist doch irgendwie immer nur am Leiden. Ich denke, mit dem bodenständigen Dromos hätte Ella mehr Spaß gehabt. Aber gut … das muss die Heldin selber wissen. 😊

Spannend und phantasievoll

Ich kann dem Schluss, den sich die Autorin für diese Trilogie ausgedacht hat, wunderbar leben und hatte meine Freude an der spannenden und phantasievollen Reihe. Vor allem mit Ellas schnodderiger inneren Stimme („Der König hat einen in der Krone!“ – Seite 52), die meist gar nicht zu dem seriösen und würdevollen Eindruck passte, den sie gerade zu erwecken versuchte. 

Es war mir ein Vergnügen.

Die Autorin

Anna Fleck wurde 1974 in Norddeutschland geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Bullerbü, Phantásien und im Auenland. Sie ist Romanistin, Kulturmanagerin und PR-Beraterin, schafft aber lieber neue Welten per Tastatur und Zeichenstift. Heute lebt sie mit Mann und Kindern im Norden von Berlin und fährt so oft wie möglich ans Meer – egal an welches … www.anna-fleck.de

Rezensentin: Edith Nebel 
E-Mail: EdithNebel@aol.com 
www.boxmail.de

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