Heike Abidi: Arthurs wildes Hundeleben (ab 8 Jahre)

Heike Abidi: Arthurs wildes Hundeleben (ab 8 Jahre), Ravensburg 2020, Hummelburg-Verlag, ISBN 978-3-7478-0020-1, Hardcover, 160 Seiten mit Illustrationen von Barbara Fisinger, Format: 14,3 x 1,8 x 21,5 cm, EUR 11,99.

Abb.: (c) Hummelburg-Verlag

„Wie abgefahren ist das denn? Ich habe mir so sehr gewünscht, einen Hund zu bekommen – aber ganz bestimmt, nicht einer zu sein! Doch so verrückt es klingt: Genau das ist passiert.“ (Seite 58)

Arthur Winter, zehneinhalb Jahre alt, wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Seine Eltern sind dagegen. In der Familie Winter hat keiner Ahnung von Hunden und Winters haben auch keinen Bock, sich nachher allein um das Tier kümmern zu müssen, wenn Arthur das Interesse daran verliert. Also bleibt unser Held weiterhin einer der wenigen in seinem Freundeskreis, der kein Haustier hat.

Mischlingsrüde Lucky, vier Jahre alt und damit erwachsen, findet nichts ätzender als Menschenwelpen, also Kinder. Sie sind laut, wild und mindestens so lästig wie Flöhe.

Arthur bekommt einen Urlaubshund

Nun schlägt das Schicksal zu. Luckys Menschen, Manfred und Evelyn, verreisen für eine Woche und können ihn nicht mitnehmen. Eine Hundepension kommt aus guten Gründen nicht in Frage, und so landet Lucky mit Sack und Pack bei Manfreds hilfsbereitem Ex-Kollegen. Der ist niemand anderer als Arthurs Vater.

„Juhu, ein Hund!“, denkt der Junge. „Sch**ße, ein Menschenwelpe!“, denkt der Hund. Und es kommt genau so, wie Lucky es befürchtet hat: Niemand im Hause Winter weiß, wie man mit ihm umgehen muss und der unberechenbare und ungestüme Menschenwelpe macht ihm Angst. Er mag es gut meinen, aber er ist ein Hundealbtraum auf zwei Beinen! Der einzige Lichtblick ist Arthurs Kumpel Karim. Wenigstens ein Zweibeiner mit Einfühlungsvermögen und Hundesachverstand! Schade, dass er nicht hier wohnt.

Hund wird Kind und Kind wird Hund

Nach einem wilden Spielnachmittag im Garten passiert es dann: Arthur und Lucky schlafen hundemüde ein – und wachen im Körper des jeweils anderen wieder auf. Das Kind ist ein Hund und der Hund ist ein Kind. Der Schreck ist groß. Was sollen sie jetzt machen? Welche ihrer alten Fähigkeiten haben sie noch und welche, die sie für ihre neue Gestalt brauchen, sind dazugekommen?

Die jeweilige Fortbewegungsart müssen sie erst lernen – und so manches andere auch. Das mit  dem Beinheben beim Pieseln ist eine Wissenschaft für sich, stellt Neu-Hund Arthur frustriert fest. Und Lucky staunt, dass er jetzt sprechen und lesen kann. Doch die Umgangsformen der Zweibeiner sind ihm nach wie vor ein Rätsel. Hund Arthur hat Sprechen und Lesen verlernt. Wie man sich wie ein Hund benimmt, weiß er auch nicht. 

Am liebsten würden die zwei diesen unseligen Körpertausch noch vor dem Frühstück rückgängig machen, aber weil sie nicht wissen, wie er zustande gekommen ist, haben sie auch keinen Schimmer, was sie tun müssen, um den Spuk zu beenden. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihrem neuen Körper irgendwie durchzumogeln, bis sich eine Lösung findet. 

Durchmogeln, bis eine Lösung kommt

Auf die Idee, einen Zweibeiner einzuweihen und um Rat zu bitten, kommt Lucky nicht. Er wäre aber der einzige, der es könnte. Arthur kann nur bellen, wirklich verständlich machen kann er sich nicht. Also blamiert sich jetzt jeder, so gut er kann. Die Hunde halten Lucky für komplett durchgeknallt und die Menschen denken dasselbe von Arthur. Sie wissen ja nichts von dem Körpertausch.

Arthur als Hund sorgt nur für leichte Irritationen. Lucky als Mensch dagegen ist echt eine Nummer! Tischmanieren? Schulpflicht? Das sagt ihm alles nichts. Wenn Karim nicht gewesen wäre, hätte er nicht mal hingefunden. Der Versuch, mit ihm Fußball zu spielen, geht auch grandios daneben. Er kennt ja die Regeln nicht und spielt mit dem Ball wie ein Hund. 😀

Höflich um heikle Themen herum zu reden, dieses Konzept ist Lucky fremd. Und so äußert sich Arthur neuerdings ausgesprochen unverblümt. Da kommt sogar der strenge Schulleiter aus dem Konzept.

Wie macht man den Tausch rückgängig?

So lustig das alles ist und so viel Arthur auf diese Weise über die Bedürfnisse von Hunden lernt – so kann es ja nicht bleiben! Irgendwie müssen Kind und Hund wieder in ihren eigenen Körper zurück. Denn man stelle sich vor: Am Ende der Woche kommen Manfred und Evelyn von ihrer Reise heim, holen ihren Hund ab – und Arthur und Lucky sehen sich womöglich nie wieder. Dann müssen sie für den Rest ihres Lebens in der falschen Gestalt leben! Das darf nicht passieren!

Die Zeit drängt, die zwei müssen unbedingt etwas unternehmen, aber sie wissen halt leider nicht, was …

Lachen und lernen

Der erwachsene Leser kapiert natürlich gleich, dass Arthurs unfreiwillige „Hundwerdung“ pädagogische Gründe hat. Indem er am eigenen Leib erfährt, wie es ist, ein Hund zu sein, lernt er aus erster Pfote, wie er das Tier behandeln muss. Ob die jungen Leser*innen dieses Vorgehen als ein Unterjubeln von Wissen empfinden, kann ich nicht sagen. Selbst wenn: Es spricht nichts dagegen, sich über ulkige Missverständnisse zu amüsieren und gleichzeitig etwas Neues zu erfahren. 

Mädchen oder Junge: Wenn ich wüsste, dass ein Kind passenden Alters unbedingt einen Hund haben wollte, würde ich ihm ohne zu zögern dieses Buch in die Hand drücken.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive, abwechselnd von Arthur und Lucky. Ungefähr alle fünf Seiten wechselt der Erzähler. Fehlinterpretationen und eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge werden so schnell entlarvt. Der Junge glaubt, der Hund hat Spaß? Das Gegenteil ist der Fall! Lucky als Mensch meint, eine brenzlige Situation gut gemeistert zu haben? Chaos hat er angerichtet! Dieser ständige Perspektivwechsel führt aber nie zur Verwirrung der Leser*innen. 1. Steht jeweils oben drüber, wer gerade spricht und 2. sind Arthurs und Luckys Kapitel in verschiedenen Schriften gesetzt. 

Herrliche komische Illustrationen

Barbara Fisingers witzige Illustrationen setzen Geschichte noch die Krone auf. Vor allem das Mienenspiel des Hundes spricht Bände! Ich gehöre zwar bei weitem nicht mehr zur Zielgruppe, aber ich habe mich tierisch amüsiert. Vor allem bei den Essens-Szenen und beim Gespräch mit dem Schulleiter.

Die Autorin

Heike Abidi, Jahrgang 1965, ist studierte Sprachwissenschaftlerin. Sie lebt mit Mann, Sohn und Hund in der Pfalz bei Kaiserslautern, wo sie als freiberufliche Werbetexterin und Autorin arbeitet. Heike Abidi schreibt vor allem Unterhaltungsromane, Kinder- und Jugendbücher sowie unterhaltende Sachbücher wie z.B. ICH DACHTE, ÄLTER WERDEN DAUERT LÄNGER (2018 SPIEGEL-ONLINE-Bestsellerliste). Mehr Infos über die Autorin: www.AbidiBooks.de

Die Illustratorin

Barbara Fisinger wurde 1980 in Slowenien geboren. Sie studierte Kunstpädagogik in Ljubljana und Zeichentrickfilm in Luxemburg. Seitdem illustriert sie Kinderbücher und arbeitet für Zeichentrickproduktionen mit. Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Trier. Wenn sie nicht gerade malt oder mit ihrer Katze Flora spielt, erkundet sie mit ihrer Familie gern ferne Länder. Seit 2007 lebt sie in Trier.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.