Corinna Wieja: Die Mittsommer-Bande (ab 9 J.)

Corinna Wieja: Die Mittsommer-Bande (ab 9 J.), München 2022, arsEdition, ISBN 978-3-8458-4582-1, Hardcover, 189 Seiten mit s/w-Illustrationen von Mila Marquis, Format: 5,5 x 2,5 x 21,9 cm, Buch: EUR 13,00 (D), EUR 13,40 (A), Kindle: EUR 10,99.

Abb.: (c) arsEdition

„Was machst du da?“ Biene lehnte sich zu ihr.
„Ich schreibe auf, was wir im Sommer alles erleben und erforschen wollen.“
„Schreib auch dazu, dass wir unbedingt alle Eissorten essen müssen, die es gibt. Um herauszufinden, ob Schokolade wirklich die beste ist. Und dass wir schwimmen gehen!“, schlug ihre Schwester vor.
Flo nickte und machte eine Liste […]
(Seite 11)

Egal, ob die jungen Leser:innen demnächst selbst nach Schweden reisen, ob sie das Buch zuhause lesen oder es sich vorlesen lassen: DIE MITTSOMMER-BANDE ist ein herrliches Ferienvergnügen! Man hat das Gefühl, man sei mittendrin im Geschehen und könne den Urlaub der Heldin sehen, hören, riechen und schmecken.

Sommerferien in Schweden!

Floriane „Flo“ Sundermann (10) ist ganz aufgeregt, weil sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester Fabienne „Biene“ (7) drei Wochen ihrer Sommerferien in Schweden verbringen wird. Auf der Schäreninsel Lyckaholmen haben sie ein Ferienhäuschen gemietet und Flo wird endlich ihre Brieffreundin Malin „Motte“ Andersson (10) persönlich kennenlernen. Die verbringt ihre Ferien bei den Großeltern, die ganz in der Nähe von Sundermanns Ferienhäuschen wohnen. 

Sprachschwierigkeiten dürfte es keine geben, denn Mottes Großeltern sind deutscher Abstammung. Auch Motte und ihr Bruder Jonte sprechen Deutsch. Ganz ohne Missverständnisse verlaufen die Begegnungen dennoch nicht, denn im Schwedischen lauern ein paar „false friends“ – Wörter, die ähnlich klingen wie im Deutschen aber eine andere Bedeutung haben. Schären sind keine Scheren, nicht Mofa ist gemeint, sondern Morfar. Das heißt Opa. – Tigerkaka ist was zu essen? Echt jetzt? Igitt! Und wer kann schon ahnen, dass Gammelmormor Urgroßmutter bedeutet?

Coole Großeltern

Mottes Großeltern sind wunderbar unkompliziert und scheren sich nicht darum, was andere Leute denken. Oma Klara ist eine begeisterte Heimwerkerin aber in der Küche ein hoffnungsloser Fall. Dafür ist Opa Anders ein wahrer Künstler am Herd. Ja, und? Jede:r macht eben das, was er/sie am besten kann. 

Für die Kinder haben sich die Großeltern ein Sommerrätsel ausgedacht. Für jede Aufgabe, die die Kids lösen, finden sie einen Buchstaben. Wer daraus als erstes das richtige Lösungswort zusammensetzen kann, gewinnt einen Preis. 

Konkurrierende Banden

Dass sich durch den Besuch aus Deutschland auf einmal zwei konkurrierende „Banden“ formieren, die beim Sommerrätsel gegeneinander antreten, war nicht der Plan. Aber jetzt ist es nun mal so. Jonte Andersson (12), sein gleichaltriger Kumpel Mats und dessen jüngerer Bruder Bo (8) bilden die Polarfuchs-Bande. Die drei Mädchen gründen kurzerhand eine eigene Gruppe und nennen sich nach Mottes Lieblings-Haustier „Der Klub der blauen Enten“.

Die Kinder gehen picknicken und Beeren sammeln, jagen den Buchstaben für das Sommerrätsel nach, streifen stundenlang durch den Wald, suchen das legendäre weiße Rentier und finden ein Baumhaus, das jede der beiden Banden gerne als Hauptquartier hätte. Sie streiten darum, ärgern einander, vertragen sich wieder und haben tierisch viel Spaß. 

Jetzt wird’s ernst!

Schluss mit lustig ist, als plötzlich von Unbekannten ihre Sachen aus dem Baumhaus geräumt werden und Absperrbänder sowie ein großes Schild im Wald von einem Bauvorhaben künden. „Ihr Urwald“ soll abgeholzt werden, damit da eine hässliche Ferienhaussiedlung entstehen kann! Geht gar nicht! 

Jetzt müssen die Mädchen und die Jungs alle kleinlichen Streitereien beiseiteschieben und gemeinsam das Schlimmste verhindern. Mit einer Unterschriftensammlung kämen sie nicht weit: Das betroffene Dorf hat nur rund zwanzig Einwohner. Nun ist eine kreative Idee gefragt und zwar möglichst schnell! Ein Wunder wäre auch nicht schlecht …

Freiheit, Witz und Abenteuer

So einen Abenteuerurlaub wünschen sich bestimmt viele Kinder. Die Erwachsenen machen ihr Ding und lassen die Kinder ungestört durch die Natur stromern. Niemand stresst, nervt oder erzieht an ihnen herum – das ist Freiheit pur! Und was gibt es auf der Insel nicht alles zu entdecken und zu unternehmen! In unserer Phantasie sind wir alle mit dabei und sind am Schluss total Flos Meinung: „Das waren wirklich die zauberschönsten, wundertollsten, fentenantastischsten, abenteuerlichsten Ferien aller Zeiten.“ (Seite 181) Und, nein, „fentenantastisch“ ist kein Tippfehler. Diese Wortschöpfung gehört zur Geschichte.

Ich mochte den Wortwitz, der sich durchs Buch zieht. Da sind die Fehlinterpretationen schwedischer Vokabeln, da ist die kleine Biene, die sich ihr unbekannte Begriffe mit viel Phantasie selbst zurechterklärt und da ist Papa Erik Sundermann mit seinen unfassbaren Flachwitzen. Wenn er behauptet, dass Gespenster nur am Toten Meer Urlaub machen oder Frösche beim Regen ins Wasser springen, damit sie nicht nass werden, ist das so sensationell    b e s c h e u e r t    , dass es schon wieder gut ist. Ich hab mich jedenfalls amüsiert und stelle es mir sehr vergnüglich vor, diese Geschichte jemandem vorzulesen.

Im Anhang des Buchs gibt’s noch Anleitungen zum Spielen, Basteln und zum Zubereiten von Süßspeisen, die im Buch Erwähnung finden.

Gibt’s Fortsetzungen?

Diese Geschichte bietet verschiedene Möglichkeiten zu Fortsetzungen. Die Kinder im Buch träumen schon davon, gemeinsam in Schweden Weihnachten zu feiern. Vielleicht gäbe es auch mal die Chance eines Gegenbesuchs der Schweden in Deutschland? Das wäre dann eine ganz andere Art von Abenteuer, weil Sundermanns sicher nicht mit unberührter Natur vor der Haustür punkten können. Doch darüber müsste sich zu gegebener Zeit die Autorin den Kopf zerbrechen und nicht ich. 😀

Die Autorin

Corinna Wieja schreibt, übersetzt und liest am liebsten spannende Gute-Laune-Geschichten. Ihre Freizeit verbringt sie gern (mit und ohne Buch) im Garten. Dort erforscht und genießt sie die Kräuter- und Blumenmagie und freut sich, wenn tierischer Besuch, wie Schmetterlinge und Hummeln, am Pflanzenbüfett nascht. Ihre Lieblingsblumen sind Gänseblümchen, dicht gefolgt von Löwenmäulchen, Lavendel und Sonnenblumen. Sie lebt mit ihrer Familie, zwei Katzen und Holzritter Kunibert in der Nähe von Frankfurt am Main. Weitere Informationen unter www.corinnawieja.de.

Die Illustratorin

Schon als kleines Mädchen hat sich Mila Marquis fantasievolle Traumwelten mit Stift und Pinsel erschaffen und konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als Tag für Tag darin zu versinken. Seit ihrem Modedesignstudium an der HAW ist sie nun beständig seit vielen Jahren dabei, ihre lustigen, hübschen oder verträumten Ideen zu Papier zu bringen, die als Bücher, Postkarten oder auch als Kalender viele Fans gefunden haben. Sie lebt glücklich in Hamburg mit ihrem Sohn, einem weißen Wuschelhund, einer kleinen frechen roten Katze und vielen wilden Pflanzen und freut sich jeden Tag aufs Neue, einen so wundervollen Beruf ausüben zu dürfen!

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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