Kim Tomsic (Text), Hadley Cooper (Illustr.): Die Elefanten kommen nach Hause, Bilderbuch, (3 – 5 J.)

Kim Tomsic (Text), Hadley Cooper (Illustr.): Die Elefanten kommen nach Hause. Die wahre Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft, Bilderbuch, 3 – 5 Jahre, OT: The Elephants Come Home, übersetzt von Rebecca Wehrmann, München 2021, mvg-Verlag, ISBN 978-3-7474-0277-1, Hardcover, 64 Seiten, durchgängig farbige Abbildungen, Format: 24,4 x 1,1 x 28,2 cm, Buch: EUR 12,99, Kindle: EUR 10,99. 

Abb.: (c) mvg Verlag

DIE ELEFANTEN KOMMEN NACH HAUSE ist gewissermaßen die Bilderbuch-Version des erzählenden Sachbuchs DER ELEFANTENFLÜSTERER: Der Tierschützer Lawrence Anthony und seine Frau Françoise Anthony-Malby haben in Südafrika ein Anwesen namens Thula Thula: ein Farmhaus mit Swimming Pool sowie 3.000 Hektar Busch, Savanne und Wald. Es ist ein privates Wildtierreservat. Das riesige Gelände ist eingezäunt, so dass die Tiere hier ungestört leben können, ohne dass Jäger oder gar Wilderer eine Gefahr für sie werden.

Die Elefanten sind wütend

Eines Tages wird Lawrence gefragt, ob er eine Herde wütender Elefanten aufnehmen würde. Sie wurden von Menschen drangsaliert und gejagt und nun wehren sie sich. Wenn Lawrence sie nicht in Thula Thula aufnimmt, werden sie alle erschossen. Der Tierfreund hat zwar keine Erfahrung mit den Dickhäutern, aber dieses Schicksal will er ihnen unbedingt ersparen. Also sagt er zu.

Er baut ihnen ein weitläufiges Gehege mit einem stabilen Zaun. Doch der hält die verunsicherten und aufgeregten Tiere nicht lange auf. Sie trampeln den Zaun nieder und laufen weg. Das ist jetzt natürlich blöd, weil sie außerhalb von Thula Thula nicht vor Jägern und Wilderern geschützt sind!

Eine groß angelegte Suchaktion beginnt. Erst dem Piloten Peter gelingt es, mit Hilfe seines Hubschraubers die Elefanten wieder in ihr Gehege zu scheuchen. Natürlich heißt es jetzt überall, die Tiere seien gefährlich. Nur Lawrence und Françoise verteidigen sie und erklären, die Elefanten seien nervös, traurig und hätten Angst.

Wie gewinnt man ihr Vertrauen?

Damit sie sich beruhigen und nicht wieder ausreißen, muss Lawrence ihr Vertrauen gewinnen. Er kampiert eine Weile in ihrer Nähe und beschließt, mit der Leitkuh zu reden. Wortwörtlich wird sie seine Erklärungen sicher nicht verstanden haben, aber dass er es gut mit der Herde meint und ihr wohlgesonnen ist, das scheint angekommen zu sein.

Die Elefanten gewöhnen sich ein und dürfen nach einiger Zeit ihr Gehege verlassen. Sie ziehen sich in ein entlegenes Gebiet des Reservats zurück, kommen aber zuverlässig immer dann zum Farmhaus, wenn Lawrence von einer Reise wiederkehrt, um ihn zu begrüßen. Und das bedeutet für die Tiere jeweils einen zwölfstündigen Marsch! Offenbar ist ihr Retter ihnen wichtig.

Ein Zeichen der Freundschaft

Als Lawrence im Alter von 60 Jahren überraschend verstirbt, machen sie sich schnurstracks auf dem Weg zur Farm, wo sie der Witwe drei Tage lang nicht von der Seite weichen. Das allein ist schon verblüffend. Wie konnten die Elefanten das wissen? Das Nachwort hält noch eine viel erstaunlichere Tatsache bereit: Dort heißt es: „Drei Jahre lang kehrte die Herde […] an Lawrences Todestag zum Farmhaus zurück.“

Die Texte im Buch sind kurz und so kindgerecht wie möglich. Die Illustrationen sind nicht übermäßig detailreich und von der Farbigkeit her eher expressiv als naturalistisch. Für Kinder, deren erklärtes Lieblingstier der Elefant ist, ist das bestimmt eine spannende Geschichte. Vielleicht werden sie sich überwiegend auf das Wohlergehen der Tiere konzentrieren und nur am Rande mitkriegen, dass da ein Mensch stirbt und ein anderer traurig zurückbleibt. Kann aber auch sein, dass die Zielgruppe zu jung ist, um das Konzept „Tod“ überhaupt zu begreifen.

Möglicherweise unterschätze ich die Kinder von heute auch und sie stecken solche tragischen Geschichten locker weg. Meine Generation hat jedenfalls noch Rotz und Wasser geheult, als Bambis Mama starb. 

Ich erwähne den Schluss des Buchs hier ausdrücklich, damit jede:r entscheiden kann, ob dieses Bilderbuch für das Kind, das damit beschenkt werden soll, auch geeignet ist. Ich möchte ja, dass die jungen Menschen Freude an den Büchern haben und nicht, dass hinterher jemand untröstlich ist und weint.

Die Geschichte von Lawrence Anthony und seinen Elefanten ist schon faszinierend. Hier erzählt einer seiner Mitarbeiter die damaligen Ereignisse aus seiner Sicht:

Die Autorin

Kim Tomsic ist Mutter zweier Kinder und teilt sich ihre Zeit auf zwischen Colorado und Arizona. Sie sitzt im Verwaltungsrat der Stiftung Friends of Haiti und ist regionale Beraterin innerhalb der Society of Children’s Book Writers and Illustrators.

Die Illustratorin

DIE ELEFANTEN KOMMEN NACH HAUSE ist das achte Bilderbuch der Illustratorin und Malerin Hadley Hooper. Sie lebt mit ihrem Partner Hugh und ihrem gemeinsamen Hund Augie in Denver. Elefanten sind ihre Lieblingstiere, aber Hunde folgen knapp an zweiter Stelle.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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