Rob Harrell: Spotz (Band 1). Alles unter KonTrolle. Ein Comic-Roman (10 – 12 Jahre)

Rob Harrell: Spotz (Band 1). Alles unter KonTrolle. Ein Comic-Roman (10 – 12 Jahre), OT: Life of Zarf – The Trouble with Weasels, aus dem amerikanischen Englischen von Gabriele Haefs, Münster 2016, Coppenrath-Verlag, ISBN 978-3-649-66844-2, Hardcover, Einband mit Hochprägung und Relieflack, 302 Seiten mit zahlreichen Illustrationen des Autors, Format: 15,5 x 21 x 3,6 cm, Buch: EUR 14,95, Kindle Edition: EUR 11,99.

Abbildung: (c) Coppenrath Verlag
Abbildung: (c) Coppenrath Verlag

Buchbesprechungen sind ein wunderbares Alibi dafür, sich als erwachsener Mensch köstlichen Unfug wie SPOTZ reinzuziehen, der eigentlich für Kinder gedacht ist. Diese Geschichte ist nicht nur was für die angepeilte Zielgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen, sie gefällt Kindsköpfen jeden Alters.

Als Comic-Roman gilt das Buch deshalb, weil es auf jeder Seite mehrere Illustrationen hat – mit Sprechblasen. Diese liefern keine redundante Information. Sie gehören zum Fließtext und müssen mitgelesen werden, sonst ergibt die Sache keinen Sinn.

Ein Troll ist kein Raketenforscher


Kommen wir zum Inhalt: Im märchenhaften Königreich Niegelungen, wo Hänsel und Gretel an der Uni studieren und Mrs. Locke – Goldlöckchen aus GOLDLÖCKCHEN UND DIE DREI BÄREN – die Kantinenwirtin ist, geht der junge Troll Spotz Belford auf die Scherwutzer Gesamtschule. Dass er in der Hackordnung der Schule ganz unten steht, ist ihm klar. Das ist eben so, wenn man ein Troll ist. Trolle sind nun mal haarig, ein bisschen ungepflegt und nicht gerade die hellsten Birnchen am Christbaum. Unterschätzen sollte man sie trotzdem nicht. Sie sind körperlich stark, und wenn sie erst einmal die Trollwut packt, kaum zu stoppen. Das bekommt auch Spotz’ Lieblingsfeind zu spüren, der mit ihm in eine Klasse geht: Prinz Roquefort, der großmäulige Sohn des regierenden Königs Kastanius.

Immer wieder provoziert der kleine Prinz den Troll, bis Spotz eines Tages der Gaul durchgeht und er dem fiesen Königsableger dermaßen eine kachelt, dass das wirklich nicht mehr mit „Jungs sind eben Jungs“ abgetan werden kann. Spotz wird in den Schlosskerker gesperrt. Da können ihm auch seine zwei treuen Freunde, das ängstliche Ferkel Kevin Kleinschwein – ein Nachfahre eines der DREI KLEINEN SCHWEINCHEN – und Joe K. Flintwater, der tragischerweise absolut unlustige Sohn des Hofnarren, nicht helfen.

König Kastanius ist verschwunden!


Ausgerechnet die grantige Kantinenwirtin Mrs. Locke erweist sich als Retterin in der Not. Spotz kann sich aus dem Kerker befreien und weil sein Opa immer sagt, die Belfords helfen, wenn andere in Not sind, nimmt er seinen Mitgefangenen George gleich mit in die Freiheit. Dieser klapprige und bärtige Schrat erweist sich als ziemlich lädierter und zu Unrecht inhaftierter Volksheld: Ritter George Edelherz. Das trifft sich gut. Einen Helden können sie jetzt brauchen: König Kastanius ist von einer Bande riesiger Schnupfwiesel entführt worden und der fiese kleine Prinz Roquefort ist König. Aus Rache für die Prügel, die er von Spotz kassiert hat, erlässt er erst einmal neue Gesetze, die den Trollen das Leben erschweren. Er will sie aus seinem Reich mobben.

Es hilft alles nix: Der nichtsnutzige Schreihals muss runter vom Thron! Aber wie? Spotz und seine Freunde werden wohl den trollfreundlichen König Kastanius retten und zurückbringen müssen, auch wenn sie so gar nicht zu Helden taugen. Der geschwächte Ritter George zeigt ihnen auf die Schnelle, wie man ein Schwert hält, und dann ziehen die drei Burschen los. Mit einem Leiterwagen voller Proviant und ein paar schrammeligen Waffen geht es gegen die menschenfressenden Riesenwiesel. Ihren Eltern gegenüber haben die Jungs gesagt, sie übernachteten beim jeweils anderen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis ihre geheime Mission auffliegt.

Zwei Rettungsteams in Not


Unterwegs treffen sie auf eine zweite Rettungsexpedition. Ausgerechnet denen wollten sie ja nun gar nicht in die Arme laufen! Bald sitzen alle gemeinsam im dicksten Schlamassel und müssen obendrein noch die ungute Erfahrung machen, dass ein schlechter Witz zur falschen Zeit absolut lebensgefährlich sein kann …

Was sich hier liest wie eine Mischung aus SHREK und Filmen wie STAND BY ME – DAS GEHEIMNIS EINES SOMMERS oder DIE GOONIES ist spannend und saukomisch erzählt. Ein paar Stink-, Spuck-, Furz- und Popelwitzchen sind natürlich auch dabei. Das mag das junge Publikum, und für die wurde das Buch ja geschrieben.

Wie man die Trollwut beherrscht


Ein bisschen was fürs Leben kann man bei dieser Troll-coming-of-age-Geschichte auch noch lernen: dass es außer Ärger nichts bringt, die Trollwut immer unkontrolliert rauszulassen, zum Beispiel. Spotz’ Opa, der die Sache mit dem überkochenden Trollblut nur zu gut kennt, hat sogar ein paar gute Tricks parat, wie man ruhig bleibt, wenn die Situation dies erfordert. Dass auf wahre Freunde in der Not Verlass ist, sieht man hier ebenso, wie dass man in Krisensituationen über sich hinauswachsen kann., selbst solche Angsthasen wie Kevin Kleinschwein. Nur Ritter Georges Rat, dass jeder seine Stärken einbringen solle, hätte um ein Haar in einer Katastrophe gemündet.

Jetzt wissen die Jungs, wozu sie im Ernstfall fähig sind und auf wen sie sich verlassen können. Nur Prinz Roquefort scheint durch die dramatischen Ereignisse nichts dazugelernt zu haben. Er ist am Schluss der Geschichte genauso großspurig und ungezogen wie am Anfang. Mit dem sind Spotz und seine Freunde noch lange nicht fertig. das ALLES UNTER KONTROLLE ist ja auch erst Band 1 einer Reihe …

Wunderbare Übersetzung


Für die amerikanische Originalausgabe des Buch’s gibt’s eine Internetseite: http://www.lifeofzarf.com. Dort habe ich gesehen, dass die Figuren im Original zum Teil ganz andere Namen haben. Dass Gabriele Haefs diese übersetzen musste, hat seine Gründe. „Chester the Jester“ hätte auf Deutsch nicht viel Sinn ergeben. Also hat sie „Joe K. Joker“ daraus gemacht. Und hätte der Held des Buchs auch im Deutschen „Zarf“ geheißen, hätte der Prinz keine sinnvollen beleidigenden Wortspielchen damit machen können. Im Englischen wird er wohl „Dwarf“ (Zwerg) zu ihm gesagt haben. Mit Variationen von „Spotz“ kann er sich im Deutschen austoben: Spitz und Spritz, Rotz und Kotz … da sind den Gemeinheiten kaum Grenzen gesetzt.

Das Buch zu übersetzen war bestimmt sowohl ein Vergnügen als auch eine Herausforderung. Wortspiele und Witze zu übersetzen, die zum Teil auch noch bildlich aufgegriffen werden, sind wirklich nicht so einfach. Gabriele Haefs hat das toll gemacht.

Der Autor
Rob Harrell ist ein erfolgreicher amerikanischer Comiczeichner. Er hat die Schule überlebt und wohnt heute mit seiner Frau in Austin, Texas. „Spotz“ ist sein erster Roman für Kinder.

Die Übersetzerin
Gabriele Haefs, geb. 1953, ist eine deutsche Autorin und Übersetzerin literarischer Werke. Sie studierte Volkskunde, Sprachwissenschaft, Keltologie und Nordistik an den Universitäten in Bonn und Hamburg. Seit den Achtzigerjahren ist sie als Übersetzerin aus dem Norwegischen, Dänischen, Schwedischen, Englischen, Niederländischen und Gälischen tätig. Gabriele Haefs, die mit dem norwegischen Schriftsteller Ingvar Ambjørnsen verheiratet ist, lebt in Hamburg.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://www.boxmail.de

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