Mina Teichert: Mieze Undercover. Der 1. Fall für Mieze Moll

Mina Teichert: Mieze Undercover. Der 1. Fall für Mieze Moll. Die Daniela Katzenberger Krimi-Edition, Berlin 2017, Eden Books, ISBN 978-3-95910-139-4, Klappenbroschur, 317 Seiten, Format: 12,3 x 3,2 x 19 cm, Buch: EUR 12,95 (D), EUR 13,40 (A), Kindle Edition: EUR 8,99.

Abbildung: (c) eden books

„Ich bin Mieze, Mieze Moll, und niemand bringt meine Familie in Schwierigkeiten außer ich selbst!“ (Seite 185)

Manchmal ist schon die Entstehungsgeschichte eines Buchs so interessant und ungewöhnlich, dass ich es schon allein deshalb lesen will. Das hier ist so ein Fall: Die (Sachbuch-)Autorin Mina Teichert ist die Tochter eines inzwischen pensionierten Kriminalkommissars und wollte schon lange einen Krimi schreiben. Bierernste, kernig-männliche Ermittler gab es für ihren Geschmack schon genügend, sie wollte Frauenpower. Vieles hat sie ausprobiert, doch erst, nachdem sie auf die Idee gekommen war, den Charakter ihrer Ermittlerin an der Persönlichkeit des Fernsehstars Daniela Katzenberger anzulehnen, wusste sie, dass sie ihre Heldin gefunden hatte.

Eine Heldin nach dem Vorbild von Daniela Katzenberger


Natürlich polarisiert Frau Katzenberger. Wer sie nicht leiden kann, wird das Buch nicht lesen wollen. Mir geht’s jedoch wie Mina Teichert, die in einem Interview mit ihrem Verlag gesagt hat: „Ich verfolge ihren Werdegang seit der ersten Stunde. Ich liebe ihren Humor, ihre Natürlichkeit und dieses authentische Gefühl, das sie vermittelt.“ (Quelle: Eden-Books Presstext).

Die Autorin schickte ihr Manuskript an Daniela Katzenberger, die spontan davon begeistert war und angeboten hat, die Patenschaft für die geplante Krimireihe zu übernehmen. Und deswegen sehen wir „die Katze“ auch auf dem Buchcover.

Für Katzenberger-Kennerinnen ist der Einstieg in die Reihe denkbar einfach. Wir wissen, wie wir uns die Heldin vorstellen müssen: blond, meistens gut gestylt, cool, witzig, schlagfertig und herzlich. Und wie Frau Katzenberger in einem Verlagsinterwiew hinzufügte: „neugierig, gut gelaunt und tollpatschig.“

Ein neuer Job für Mama Mieze


Kommen wir zum Inhalt: Michaela „Mieze“ Moll fühlt sich als Hausfrau und Mutter einer Dreijährigen unterfordert. Ihr Mann, der IT-Fachmann Fabian, ist beruflich viel unterwegs, und sich den ganzen Tag nur mit ihrem Töchterchen zu unterhalten oder mit den Super-Muttis anderer Dreijähriger ist der quirligen Frau ihr einfach zu öde. Sie ist gelernte Bürokauffrau und vermisst den Austausch mit Kollegen und den Umgang mit Zahlen. Gerne würde sie wieder arbeiten gehen, während Tochter Lou vormittags im Kindergarten ist. Doch außer Mieze selbst ist niemand von der Idee begeistert. Der Gatte versteht das Problem nicht. Finanziell können sie es sich leisten, dass Mieze zuhause bleibt. Und auf dem Arbeitsmarkt hat man nicht gerade auf die junge Mutter gewartet.

Papa Horst Kowalski, pensionierter Polizist, scheint nicht einmal zuzuhören, als sie von ihren beruflichen Plänen spricht. Doch das täuscht. Ihm hat sie es schließlich zu verdanken, dass sie einen Halbtagsjob als Assistentin im Polizeirevier 43 bekommt. Der Revierleiter ist ein Kumpel ihres Vaters. Er ist auch ganz in Ordnung, genau wie die meisten anderen Kollegen. Nur Kommissar Lars Baum erweist sich als eingebildeter Stinkstiefel, der der ehemaligen Autohaus-Mitarbeiterin die Tätigkeit als Verwaltungskraft auf einem Polizeirevier nicht zutraut.

Die schlagfertige Mieze beeindruckt das wenig. Sie arbeitet sich ein, macht ihren Job und bemuttert ihre Kollegen. Seit sie hier ist, leidet niemand mehr an Koffeinmangel. Als Kommissar Baum sein Handy im Büro liegenlässt, fährt sie ihm nach um es ihm zu bringen. Dass er sich direkt in ein Etablissement namens Moulin Rouge begibt, stört sie nicht. Sie folgt ihm unerschrocken – und platzt mitten in eine Undercover-Operation. Geistesgegenwärtig nutzt sie ein Missverständnis und bewirbt sich als Poletänzerin. Zack, hat sie den Job – und ist nun selbst im Undercover-Einsatz. Wozu eine jahrelange Ballettausbildung nicht alles gut ist!

Undercover-Einsatz im Moulin Rouge


Dass sie nun auch spät abends arbeiten muss, kann sie daheim nur schwer vermitteln. Es glauben doch alle, dass sie nur Büroarbeiten macht! Dass sie im Moulin Rouge dem Mann einer Freundin in die Arme läuft, der sie nun für eine Prostituierte hält, macht die Sache nicht einfacher.

Mieze schwindelt sich so durch, tanzt und hält die Augen offen. Wohin ist ihre Vorgängerin, die Tänzerin Irina Kaminski verschwunden? Sie hat ihren Hund in die Tierklinik gebracht und war auf einmal weg. Sie war die Lebensgefährtin des Moulin-Rouge-Chefs Alex Herbig. Hat er ihr etwas angetan oder war‘s ihre eifersüchtige Kollegin Chantal Müller? Und hat Herbig wirklich die Finger in groß angelegten Drogengeschäften? Er ist ja nicht gerade das hellste Birnchen auf dem Christbaum, sowas übersteigt doch seinen Horizont! Diese Geschäfte wären eher was für seinen Compagnon Frederik Mildner und dessen Frau Natascha. Warum leugnet die eigentlich, Irina Kaminski gekannt zu haben? Die beiden stammen aus demselben winzigen Kaff, da ist es praktisch unmöglich, einander nicht über den Weg zu laufen.

„Keine Alleingänge“, sagte der Chef


Mieze freundet sich bei ihrem Undercover-Einsatz mit Alex‘ Mutter Anita an und auch ein bisschen mit ihrer zickigen Kollegin Chantal Müller. Und sie stellt eigene Nachforschungen an. Dabei hat ihr Kommissar Baum eigens „keine Alleingänge“, eingeschärft, doch sie kann halt nicht aus ihrer Haut. Ob sie den Spruch „Neugier ist der Katze Tod“ schon einmal gehört hat …?

Sehr unterhaltsam, wie „die Katze“ hier durch den Fall stöckelt, Freunden, Verwandten, Kollegen und Bösewichten munter Paroli bietet und tapfer versucht, Beruf und Familie gleichermaßen gerecht zu werden. Wobei der Gatte mächtig bremst. Dass seine Frau wieder außer Haus arbeitet, hat für ihn Service-Einbußen und Unbequemlichkeiten zur Folge. Das passt ihm nicht. Ein Glück, dass er nicht weiß, wie gefährlich ihr Job wirklich ist – und wie heftig es zwischen ihr und einem der Kollegen bald knistert.

Der Kriminalfall ist rätselhaft und man fiebert mit Mieze mit, wenn sie sich wieder einmal trotz bester Absichten in Gefahr und Schwierigkeiten gebracht hat. Manche ihrer Sorgen und Nöte sind sehr nah am wahren Leben, anderes, wie etwa ihre „Heldentaten“ muss man mit ihrem Augenzwinkern genießen.

Mit der Biographie des Masterminds hinter all den Schandtaten hatte ich ein bisschen Probleme. Aber vielleicht war ja das prollig-unbedarfte Auftreten dieses Menschen in Wahrheit Teil einer gelungenen Tarnung. Es ist ja manchmal von Vorteil, von anderen unterschätzt zu werden.

Die Daniela Katzenberger Krimi-Edition ist in meinen Augen eine originelle und amüsante Krimikonzeption – nicht nur für Fans der „Katze“.

Die Autorin
Mina Teichert wurde 1978 in Bremen geboren. 2017 stand sie mit »Neben der Spur, aber auf dem Weg« erfolgreich wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ihr Vater ist Kommissar a. D., was nicht zuletzt auch Mina Teicherts Leidenschaft für Krimis begründet.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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