Vanessa Mansini: Was Männer denken. Roman

Vanessa Mansini: Was Männer denken. Roman, Berlin 2019, Michael Meisheit-Verlag, ISBN 978-3-947778-02-7, 407 Seiten, Softcover, 12,7 x 2,6 x 20,3 cm, Buch: EUR 12,90, auch als Kindle Edition lieferbar.

Abb. (c) Michael Meisheit Verlag

Warum sollte man als lebenserfahrene Frau einen Roman lesen wollen, in dem eine Autorin, die 20 Jahre jünger ist als man selbst, über die Gedankenwelt der Männer spekuliert? Weil „Vanessa“ in Wirklichkeit ein etablierter Autor namens Michael ist, der ganz bestimmt etwas Erhellendes zum Thema zu sagen hat. Da er dies üblicherweise spannend und humorvoll tut, habe ich bei diesem Buch zugegriffen und mich bestens amüsiert.

Rosa Remberg, 29, hat BWL studiert und ist dann in einem Job als Flugbegleiterin bei der German Air hängengeblieben. Für sie ist das okay. Große Erwartungen an sich und ihre Karriere hat sie nie gehabt. Schon als Kind hat man ihr eingeimpft, dass sie im Vergleich zu ihrem hochbegabten Bruder nichts ist und nichts kann und von daher keine großen Ansprüche stellen darf.

Flugbegleiterin Rosa sucht Mr. Right

Die Eltern sind seit 10 Jahren tot, zum Bruder hat sie keinen Kontakt mehr, aber die „Glaubenssätze“ von damals funktionieren noch immer. Rosa ist überzeugt davon, dass sie aus eigener Kraft nie etwas erreichen wird. Wenn sie ein besseres Leben will, ist einzige Chance, „Mr. Right“ zu finden. Doch damit sieht es schlecht aus. So traurig es ist – man muss lachen bei Rosas gnadenlos ehrlicher Beschreibung der Dummschwätzer und Flitzpiepen, auf die sie bereits hereinfallen ist. Und man ahnt, dass sich ihr Neuer, der Pilot Henk Seidel, nahtlos in diese Reihe einfügen wird.

Das sagt auch ihre „Ersatzfamilie“, ihre Nachbarin Anka und deren Lover Fritz. Die beiden nehmen nie ein Blatt vor den Mund. Jugendfreundin Britta warnt ebenfalls vor Henk. Doch die ehemalige Geschäftsfrau und glühende Feministin hat immer was zu meckern, seit sie im zermürbenden Alltag einer Hausfrau und Mutter gefangen ist, während ihr Mann Karriere macht. Obwohl sich der Gatte nach Kräften müht, seinen Anteil an der Haus- und Familienarbeit zu leisten, ist Britta nie zufrieden. Offenbar ist sie auf dem besten Weg, zur Männerhasserin zu werden. Was also ist ihr Rat in Beziehungsangelegenheit wert? – Ja, genau!

Rosa hört, was Männer denken

Eine dramatische Notlandung, die schon fast zur Nahtoderfahrung wird, bringt die Wende in Rosas Leben. Seit diesem Ereignis leidet sie unter Kopfschmerzen —und sie hört Stimmen. Im ersten Moment hält sie das für eine Halluzination, bis ihr klar wird, dass sie unter bestimmten Umständen hören kann, was Männer denken. Ihre diesbezüglichen Experimente mit Brittas kleinem Sohn und dem unbeholfenen Kollegen aus der IT-Abteilung sind sehr erheiternd.

Leider muss Rosa nun erkennen, dass ihre Freunde in Bezug auf Henk recht gehabt haben: Er entpuppt sich verlogenes, spätpubertäres A***l*ch, das zusammen mit ein paar anderen Kollegen ein wirklich krummes Ding am Laufen hat. Nachdem Rosa ihm unmissverständlich klar macht, was sie von alledem hält, hat sie ihn zum Feind. Woher sie ihre Informationen hat, behält sie wohlweislich für sich. Von ihren telepathischen Fähigkeiten wissen nur ihre Freundinnen Anka und Britta und ihr Arzt, der attraktive Professor Dr. Christian Schwarz.

Eine misogyne Mistkerl-Mafia

Nach all diesen Ereignissen will Rosa nicht länger als Flugbegleiterin arbeiten und bewirbt sich bei der Crew Control. Sie hat auch gute Chancen – bis Henk Seidel davon erfährt und zu unlauteren Mitteln greift. Jetzt reicht es Rosa. Sie ist wild entschlossen, sämtliche Schweinereien, die bei German Air laufen, an die Öffentlichkeit zu bringen und dieser misogynen Mistkerl-Mafia ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Zusammen mit dem renommierten Journalisten Friedrich Strack (Ankas Freund Fritz) macht sie sich an die Recherche und Beweissicherung. Doch diese Aktion läuft grandios aus dem Ruder…

Ein toller Spaß – und mehr!

Man kann WAS MÄNNER DENKEN als harmlosen Spaß lesen. Rosas neu gewonnene „Superkraft“ bringt sie ja auch in herrlich groteske Situationen und man kommt aus dem Schmunzeln und Kichern nicht mehr heraus. Aber die Geschichte bringt einen auch ein bisschen ins Grübeln:

  • Wäre es wirklich so toll, jederzeit zu wissen, was die anderen denken? Kann man so überhaupt zusammenleben? Da wären doch alle dauersauer. Grässliche Vorstellung. Bleiben wir also lieber wohltuend ahnungslos! Die Einblicke, die uns Vanessa/Michael in typisch männliche Denkmuster geben, sind fürs Erste genug. 😉
  • Für Rosa hat sich das Gedankenlesen gelohnt: Erst als sich ihr die männliche Sichtweise eröffnet, wird ihr klar, dass Feminismus keineswegs ein alter Hut ist und ihre Freundin nicht nur überkommene Parolen blökt. Es gibt durchaus noch Frauenfeindlichkeit, toxische Männlichkeit, ein ungutes Machtgefälle und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts. Rosa selbst ist schon ihr Leben lang davon betroffen.
  • Ich meine, hallo? Die Frau hat einen IQ von fast 120, ein abgeschlossenes Studium, ist redegewandt, medientauglich und kann gut mit Menschen umgehen, aber sie glaubt immer noch, das naive Dummerchen zu sein, als das ihre Eltern sie gesehen haben. Sowas sitzt tief. Ich denke, wir alle wissen, wie schwer es ist, sich aus familiären Rollenzuschreibungen zu befreien.
  • Was zur Frage führt, ob man bei seinen eigenen Kindern denselben Fehler wieder begeht. Fördert man ihre Stärken oder übersieht man sie, wenn sie nicht ins Geschlechterprofil passen? Hier müsste man ansetzen, dann würde es vielleicht auch mit der geschlechtsunabhängigen Chancengleichheit klappen. Irgendwann … hoffentlich.

Man sieht: Abseits des heiteren und durchaus prickelnden Lesevergnügens bietet der Roman einiges, worüber man sich als Leser*in Gedanken machen kann.

Es ist direkt schade, dass die Geschichte so einen runden Abschluss gefunden hat. Das Dreamteam Rosa, Britta, Anka und Fritz wächst einen derart ans Herz, dass man gerne noch mehr von ihnen lesen würde.

Die Autorin

Vanessa Mansini, Jahrgang 1981, lebt mit ihren Kindern Ben und Lucy in Berlin-Kreuzberg. Ein Stadtteil, in dem sie so viele Geschichten erlebt, dass sie diese aufschreiben muss. Manche sind nicht von dieser Welt, bei manchen kommt man sich vor wie im falschen Film. Sie spielt dabei gerne mit Realität und Fiktion und wird nie müde werden, die Leserinnen und Leser zu überraschen …

Es ist aber nicht so schrecklich geheim, dass hinter diesem Pseudonym der Drehbuch- und Romanautor Michael Meisheit, Jahrgang 1972,  steckt.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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